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Rad Belgrad ringt Barrow AFC nieder - serbische Effizienz schlägt englische Dominanz

59.000 Zuschauer im Marakana-Stadion von Belgrad erlebten ein Champions-League-Finale, das in die Kategorie "Fußball als Abenteuerreise" fällt. Am Ende stand ein 2:1 für Rad Belgrad gegen Barrow AFC - ein Ergebnis, das weniger über den Spielverlauf aussagt als über die gnadenlose Effizienz der Serben.

Trainer Thomas Kuzi hatte vor dem Spiel trocken angekündigt: "Wir werden nicht den Ball, aber hoffentlich das Spiel kontrollieren." Er sollte recht behalten. Denn während Barrow AFC sich mit 60 Prozent Ballbesitz und 16 Torschüssen austobte, wartete Rad Belgrad auf seine Momente - und traf eiskalt.

Die erste Halbzeit war ein klassisches Finale: vorsichtig, zäh, taktisch. Belgrad lief hoch an, Barrow kombinierte gefällig, aber ohne Ertrag. Die Engländer schienen das Spiel im Griff zu haben - zumindest bis zur Pause. "Wir fühlten uns wie die bessere Mannschaft", meinte Barrows Mittelfeldmotor Nelio Djalo später, "aber anscheinend gibt’s keine Punkte für Ballbesitzstatistiken."

Die zweite Halbzeit begann, als hätte jemand den Pausentee mit Espresso versetzt. In der 51. Minute wurde es laut: Belgrads rechter Flügelstürmer Curt Ahrens nahm einen cleveren Pass von Carl Simao auf, drehte sich blitzschnell und schlenzte den Ball ins lange Eck. 1:0. Stadion in Ekstase. "Ich hab einfach draufgehauen", grinste Ahrens später, "manchmal hilft Denken ja auch nicht weiter."

Doch die Freude währte kaum zwei Minuten. William Claes - bis dahin schon der auffälligste Mann bei Barrow - antwortete prompt. Nach feiner Vorarbeit von Djalo schob er eiskalt zum 1:1 ein. Das englische Kontingent auf der Tribüne jubelte, während Belgrads Keeper Jozef Mintal frustriert auf den Rasen drosch. "Wir schlafen zwei Minuten und kriegen sofort die Quittung", knurrte Kapitän Matthew McGowan.

Danach wogte das Spiel hin und her. Barrow drückte, Rad lauerte. Almeida prüfte Mintal mehrfach, Claes zielte knapp drüber, und Rechtsverteidiger Kai Haddington holte sich in der 40. Minute noch eine Gelbe Karte ab - wohl aus purer Frustration. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", sagte er später mit einem britischen Schmunzeln.

Dann kam die 78. Minute und mit ihr der Moment, der Geschichte schreibt. Der gerade eingewechselte 21-jährige Dejan Jevtic, kaum zehn Minuten im Spiel, zog von links nach innen, bekam den Ball - natürlich von Carl Simao - und jagte ihn unhaltbar unter die Latte. 2:1. "Ich hab gar nicht gesehen, dass er reingeht", erzählte Jevtic nach dem Abpfiff mit leuchtenden Augen. "Aber die Fans haben’s mir dann klargemacht."

Barrow rannte an, wechselte offensiv, doch der Ball wollte nicht mehr rein. Rui Eusebio, der für den müden Rafael Meireles gekommen war, vergab kurz vor Schluss eine Riesenchance. In der Nachspielzeit sah McGowan noch Gelb, als er mit vollem Einsatz den Ball und - zufällig - auch den Gegner traf. "Finale, da darf’s mal krachen", kommentierte er trocken.

Als der Schlusspfiff ertönte, sank Trainer Kuzi auf die Knie, während sein Gegenüber Ingo Königs mit verschränkten Armen in die Nacht starrte. "Wir haben alles versucht, aber heute war Fußball halt kein gerechtes Spiel", sagte Königs später. Kuzi hingegen grinste und meinte: "Wenn Gerechtigkeit zählte, wären wir Steuerberater geworden."

Die Statistik erzählt eine andere Geschichte: Barrow mit mehr Schüssen (16:11), mehr Ballbesitz (60:40), mehr Kontrolle. Doch Rad Belgrad mit den Toren, die zählen. Der Unterschied lag im Willen - und vielleicht in Simaos rechter Innenseite, die beide Treffer vorbereitete.

Im Presseraum war die Stimmung später eine Mischung aus Erschöpfung und Euphorie. Ahrens, noch im Trikot, rief einem Journalisten zu: "Schreib bloß nicht, dass das glücklich war!" - und lachte dann selbst.

So endet ein Finale, das keiner so schnell vergessen wird: mit serbischem Herz, englischem Pech und einem jungen Helden, der sich noch lange an diese Nacht erinnern wird.

Oder, wie Kuzi beim Rausgehen murmelte: "Manchmal reicht’s, wenn du weißt, wann du zuschlägst."

Und genau das tat Rad Belgrad - zweimal, genau zur richtigen Zeit.

08.07.644000 00:19
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