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Es war einer dieser Abende, an denen selbst der Fußballgott offenbar lieber Popcorn aß, statt einzugreifen. 48.027 Zuschauer im Stadion von Lazarevac sahen am 28. Spieltag der 1. Liga Serbien ein 0:0, das so laut war, dass man es noch in Belgrad gehört haben dürfte - zumindest, wenn man die 18 Torschüsse von Rad Belgrad mitzählt, die allesamt ihr Ziel verfehlten. Trainer Klaus Bock vom FK Lazarevac fasste das Geschehen nach Schlusspfiff mit trockenem Humor zusammen: "Wenn du keinen einzigen Schuss aufs Tor brauchst, um einen Punkt zu holen, dann hast du wohl alles richtig gemacht." Sein Gegenüber, Thomas Kuzi von Rad Belgrad, lachte bitter: "Wir haben Lazarevac heute berühmt gemacht - als das Team mit der unsichtbaren Offensive." Dabei hatte Rad Belgrad von der ersten Minute an das Kommando übernommen. Offensiv, aggressiv, mit Pressing-Verzicht, aber dafür mit unerschütterlichem Selbstbewusstsein. Schon in der 9. Minute prüfte Dejan Jevtic den jungen Keeper Savo Baljak - der 18-Jährige hielt nicht nur diesen Schuss, sondern gleich noch 17 weitere. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", grinste der Torwart nach dem Spiel. "Ich dachte, wenn ich noch einen Ball halte, krieg ich einen Kaffee umsonst. Leider nicht passiert." Die Statistik liest sich wie ein schlechter Witz: 57,9 Prozent Ballbesitz für Rad Belgrad, 18 Torschüsse - kein Tor. Lazarevac? Null Schüsse, null Gefahr, null Reue. Stattdessen eine Abwehrschlacht, die selbst Winston Churchill stolz gemacht hätte. Rafael Greiner und Ermin Durisic warfen sich in jeden Ball, als hinge das Schicksal der Menschheit davon ab. Durisic allerdings übertrieb es am Ende ein wenig mit dem Einsatz. Zuerst sah er in der 82. Minute Gelb, zwei Minuten später Gelb-Rot - eine Szene, die symptomatisch war: zu spät, zu hart, zu viel Adrenalin. "Ich hab nur den Ball getroffen", behauptete Durisic noch auf dem Weg in die Kabine, während der Ball in Wahrheit friedlich am Mittelkreis lag. Im Mittelfeld versuchte Michael Jolovic, der später ebenfalls Gelb sah, wenigstens den Ball zeitweise in den eigenen Reihen zu halten. Doch gegen die wütenden Angriffe von Rad Belgrad sah das mehr nach Überlebenstraining als nach Spielaufbau aus. "Wir wollten sicher spielen", meinte Trainer Bock. "Das ist uns gelungen - sicher keine Torchance gehabt." Auf der anderen Seite lieferten die Belgrader eine Lektion in fehlender Effizienz. Sasa Anicic, erst 18 Jahre alt, durfte sich gleich mehrfach als Chancentod des Abends versuchen - in der 22., 23., 38., 52. und 69. Minute scheiterte er jeweils hauchdünn. Sein erfahrener Mitspieler Sasa Zdravkovic nickte nach dem fünften Fehlschuss nur noch resigniert: "Ich sagte ihm, er solle einfach mal das Tor treffen. Er meinte, das sei Plan B." In der zweiten Halbzeit brachte Kuzi frisches Blut: Zoran Duljaj kam für den 33-jährigen Zdravkovic, Carl Simao ersetzte den verwarnten Gustav Baier im Mittelfeld, und auch im Tor wechselte Belgrad kurioserweise den Keeper - Ivica Ratkovic durfte ab der 55. Minute für Bailey MacDonald ran. "Ich wollte, dass jeder mal den Ball sieht", erklärte Kuzi später mit einem Anflug von Galgenhumor. Doch egal, wer den Ball sah - keiner brachte ihn über die Linie. Baljak im Tor von Lazarevac wuchs förmlich über sich hinaus, lenkte in der 80. Minute sogar einen Vollspannschuss von Duljaj akrobatisch über die Latte. Der Jubel auf den Rängen klang, als hätte das Heimteam gerade das entscheidende Tor geschossen. Die letzten Minuten gerieten dann zum kleinen Drama: Lazarevac nur noch zu zehnt, Belgrad mit Dauerfeuer, aber ohne Zielwasser. In der 83. Minute versuchte es Carl Simao aus der Distanz - wieder Baljak. Dann Abpfiff. Und ein kollektives Kopfschütteln, das wohl noch bis heute anhält. Thomas Kuzi stand nach dem Spiel lange an der Seitenlinie. "Manche Spiele sind wie ein schlechter Witz", murmelte er. "Nur dass keiner lacht." Sein Gegenüber Bock konterte grinsend: "Ich schon." So endet ein Spiel, das in keiner Highlight-Zusammenfassung auftauchen wird - aber in jedem Lehrbuch für Abwehrarbeit. FK Lazarevac verteidigte, als ginge es um ihr Leben. Rad Belgrad spielte, als ginge es um den Schönheitspreis. Am Ende gewannen beide nichts - außer Erkenntnis: Ohne Tore kein Ruhm, aber mit einem Torwart wie Baljak immerhin ein Heldenepos. Und irgendwo in der Kabine von Lazarevac soll ein Spieler leise gesagt haben: "Wir hatten heute kein Glück - aber wenigstens auch keinen Ballverlust." 29.04.644000 13:20 |
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Kriminaltechnisch gesehen ist eine Heimniederlage wie ein Einbruch.
Peter Neururer