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Ein kühler Frühlingsabend in Radom, 38.620 Zuschauer im Stadion, und wieder einmal bewahrheitet sich die alte Fußballweisheit: Geduld ist eine Tugend - zumindest, wenn man Tiago Martins in der Mannschaft hat. Mit seinem späten Treffer in der 85. Minute sicherte der portugiesische Linksaußen RKS Radomiak den 2:1-Sieg gegen den FC Lubin am 27. Spieltag der 1. polnischen Liga. Dabei hatte die Partie alles, was ein Freitagabendspiel braucht: frühe Dramen, gelbe Karten, Verletzungspech und eine Portion puren Wahnsinns im Strafraum. Schon nach sechs Minuten schockte Lubin das heimische Publikum. Erland Gregersen, der flinke rechte Mittelfeldspieler der Gäste, nutzte die erste echte Chance und vollendete nach glänzender Vorarbeit von Slawomir Zurawski. Radomiaks Torhüter Marco Ibano streckte sich vergeblich - 0:1, und die grün-weißen Anhänger rieben sich verdutzt die Augen. "Ich dachte kurz, das wird ein langer Abend", gab Radomiak-Coach Lukas Breer später zu. "Die Jungs waren nervös, die ersten zehn Minuten war unser Spiel so wackelig wie ein Stuhl mit drei Beinen." Doch seine Mannschaft fing sich schnell. Angriff um Angriff rollte auf das Tor von Lubins Keeper Bartosz Janas, und in der 22. Minute fiel die logische Konsequenz: Rafael Gomes traf von der rechten Seite nach klugem Zuspiel von Charles Lorring. Ein Schuss wie mit dem Lineal gezogen - flach, präzise, unhaltbar. 1:1, und das Stadion atmete kollektiv auf. Von da an hatte Radomiak das Spiel in der Hand - zumindest statistisch. 52 Prozent Ballbesitz, 17 Schüsse aufs Tor und eine Zweikampfquote von über 54 Prozent sprechen eine deutliche Sprache. Nur: Tore blieben aus, und die Fans begannen schon, über den obligatorischen "Radomiak-Fluch" zu raunen - viel Aufwand, wenig Ertrag. Lubin dagegen blieb gefährlich, vor allem über die schnellen Flügel. Gregersen und Zurawski beschäftigten die Heimabwehr immer wieder, bis Letzterer kurz vor der Pause nach einem Zweikampf liegen blieb. "Ich habe nur einen Knacks gehört und wusste, dass was nicht stimmt", sagte Zurawski später mit schmerzverzerrtem Gesicht. Für ihn kam nach der Pause der junge Franzose Henri Cloutier, der sich wacker schlug, aber kaum Akzente setzte. Das Spiel blieb bis in die Schlussphase offen - auch weil beide Teams in der Mitte des Feldes die Bremsen anzogen. Gelbe Karten für Dennis Brzeczek (Lubin, 51.) und Jacob Onnington (Radomiak, 52.) unterstrichen, dass es inzwischen mehr um Willen als um Eleganz ging. "Da war plötzlich mehr Theater als in einem Warschauer Sommertheater", frotzelte ein Fan auf der Pressetribüne. Dann kam Minute 85. Lorring, der schon beim Ausgleich Vorlagengeber gewesen war, tanzte an der linken Außenlinie gleich zwei Gegenspieler aus, passte flach in den Strafraum - und Tiago Martins machte das, was Stürmer tun müssen: Er hielt einfach den Fuß hin. Der Ball zischte an Janas vorbei, und das Stadion explodierte. 2:1 für Radomiak, die Entscheidung. "Ich habe nur auf den Pass gewartet. Charles hat den Ball perfekt gespielt, ich musste ihn nur noch lieben - mit dem Spann", grinste Martins nach dem Abpfiff. Trainer Breer hingegen blieb gewohnt nüchtern: "Wir haben uns das Glück erarbeitet. Klar, am Ende war’s ein bisschen emotional. Aber so muss das sein." Lubins Trainer wirkte weniger gelassen. "Wir waren nah dran. Ein Punkt wäre verdient gewesen", knurrte er in die Mikrofone. "Aber wenn du so viele kleine Fehler machst, wirst du eben bestraft." Die letzten Minuten gehörten noch einmal den Emotionen. Simone Montegiordano sah in der Nachspielzeit Gelb und schimpfte lautstark mit dem Schiedsrichter - "Der Ball war doch gar nicht rund!", soll er gerufen haben. Kurz darauf pfiff der Referee ab, und Radom versank in Jubel. Mit dem Sieg klettert RKS Radomiak in der Tabelle weiter nach oben und wahrt die Hoffnung auf einen Platz im oberen Tabellendrittel. Für FC Lubin hingegen heißt es: wieder einmal gut gespielt, aber zu wenig Zählbares. "Wir haben heute gezeigt, dass wir mehr können, als viele denken", bilanzierte Breer. Dann lächelte er, zog seine Kapuze über den Kopf und fügte hinzu: "Aber ehrlich - mir wäre ein ruhigeres 2:0 auch mal ganz recht." Ein sarkastischer Reporter-Kommentar am Rande: Wenn Radomiak weiter so spielt, braucht man bald Herztabletten im Fanshop. Doch immerhin - sie gewinnen. Und das, am Ende des Tages, ist ja bekanntlich der schönste Nervenkitzel. 26.11.643996 14:47 |
Sprücheklopfer
Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme