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Ein Montagabend in Manchester, 20:30 Uhr, Flutlicht, 37.894 Zuschauer - und das Gefühl, dass der Fußballgott heute erstmal im Stau stand. 80 Minuten lang mühten sich die Manchester Devils gegen tapfere, aber harmlose Gäste aus Boreham Wood ab, ehe Rafet Kisa in der 81. Minute endlich etwas Leben in den Old Trafford-Nebel brachte. Sein Treffer, ein satter Schuss nach Vorlage von Vicente Peyroteo, entschied das Spiel mit 1:0 - und bescherte den Devils den dritten Heimsieg in Folge. Dabei hatten die Gastgeber von Beginn an klargemacht, dass sie mit dem Etikett "offensiv" ernst machen wollten. Schon in der 3. Minute prüfte Kisa den jungen Keeper Henry Hensley, der sich sichtlich über jede Parade freute, als wäre sie ein Lottogewinn. "Ich dachte, der Ball sei schon drin", grinste Kisa später. "Aber Henry hat da wohl noch einen Arm mehr ausgefahren." Im Minutentakt rollten Angriffe, doch sie verliefen, wie Trainer Ronnie Ekström nach dem Spiel trocken meinte, "wie ein IKEA-Regal ohne Anleitung - viel Einsatz, aber nichts steht am Ende richtig." 15 Torschüsse verbuchten die Devils insgesamt, doch bis zur Pause blieb es beim torlosen 0:0. Boreham Wood, von Coach Sven Schliffke mit einer klar defensiven Marschroute versehen, tat das, was man als Außenseiter so tut: tief stehen, Räume eng machen, hoffen. Immerhin fünfmal fanden sie den Weg aufs Tor, meistens aus der Distanz, selten mit echter Torgefahr. "Wir wollten sicher stehen und vielleicht einen Lucky Punch setzen", erklärte Schliffke. "Hat nicht ganz geklappt, aber wir haben’s versucht." Nach dem Seitenwechsel erhöhte Manchester das Tempo. Ekström brachte frisches Blut - erst Jeno Bozsik für den müden Pastorino, später den jungen Marcus Steffens für Mika Kuqi. Doch auch das änderte zunächst wenig. Die Devils liefen an, Boreham Wood verteidigte mit allem, was Beine hatte, und die Zuschauer begannen, sich gegenseitig mit Hotdog-Tauschgeschäften bei Laune zu halten. Dann die 81. Minute: Peyroteo eroberte auf der linken Seite beherzt den Ball, passte scharf in den Strafraum - und Rafet Kisa, der schon die ganze Partie über wie ein Espresso auf zwei Beinen agierte, zog aus zwölf Metern ab. Dieses Mal half auch Hensleys dritter Arm nichts mehr. Das Netz zappelte, das Stadion erwachte. 1:0. "Ich hab einfach draufgehauen", lachte Kisa nach dem Spiel. "Nach so vielen Chancen dachte ich mir: Entweder der Ball oder ich, einer muss jetzt rein." Trainer Ekström nickte zufrieden: "Manchmal braucht’s kein Taktikbrett, sondern einfach einen, der draufhält." Die letzten Minuten gehörten wieder dem Nervenkitzel. Boreham Wood wagte sich nun tatsächlich über die Mittellinie, Corey Roades und James Simpson prüften den Devils-Keeper Jose Enrique Benito - doch der junge Spanier blieb cool und sicher. "Ich hab ihm gesagt: Wenn du heute die Null hältst, bekommst du morgen trainingsfrei", verriet Ekström schmunzelnd. Benito grinste nur: "Dann bleib ich wohl im Bett." Statistisch gesehen war der Sieg verdient: 52,9 Prozent Ballbesitz, 15:5 Torschüsse, bessere Zweikampfquote - die Devils hatten das Spiel im Griff, auch wenn es phasenweise anders aussah. Boreham Wood verteidigte tapfer, aber offensiv blieb’s bei guten Ansätzen. Nach dem Spiel klopfte Schliffke seinem Team auf die Schultern: "Wenn du hier nur 0:1 verlierst, hast du was richtig gemacht. Nur das Richtige war halt nicht das Tor." Die Zuschauer spendeten höflichen Applaus, die Devils feierten verhalten. Kein rauschendes Fest, aber drei Punkte sind drei Punkte. Kisa wurde zum Mann des Abends gekürt, Peyroteo bekam ein Schulterklopfen für den Assist, und Trainer Ekström verschwand mit einem Grinsen in den Katakomben. "Arbeiten, gewinnen, weitermachen", murmelte er auf dem Weg zur Pressekonferenz. Und weil Fußball manchmal so simpel ist, war das wohl das treffendste Fazit des Abends. Vielleicht kein Spiel für die Geschichtsbücher - aber eines, das zeigt, dass man auch mit Geduld, Spucke und einem entschlossenen Schuss in der 81. Minute ein ganzes Stadion erlösen kann. 22.04.643994 11:30 |
Sprücheklopfer
Hitlers Tagebuch. Das hat mich dann doch interessiert.
Stefan Effenberg auf die Frage, welches Werk der Weltliteratur ihn besonders geprägt habe