Haaretz Sports
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Ramat Gan brennt früh - aber Herzliya zündet später das Feuerwerk!

Ein lauer Frühlingsabend in Ramat Gan, 65.695 Zuschauer, Flutlicht an, und die Fans der Reds wie immer in bester Chorgesangslaune. Was sie dann allerdings zu sehen bekamen, war ein Spiel, das in die Kategorie "Achterbahnfahrt mit offenem Sicherheitsbügel" fällt. Am Ende jubelten die Herzliya Yellows - völlig verdient nach einem 5:3-Spektakel, das selbst neutrale Zuschauer mit offenem Mund zurückließ.

Schon die ersten Minuten deuteten an, dass hier kein taktisches Schachspiel, sondern ein offener Schlagabtausch bevorstand. Deniz Undav, gerade einmal 18 Jahre jung, hatte offenbar beschlossen, dass Zurückhaltung überschätzt wird. In der 7. Minute tankte er sich durch, und nach Pass von Janos Neufeld stand es 1:0. Nur sechs Minuten später wiederholte sich das Schauspiel - diesmal nach Vorlage von Verteidiger Matan Rosenthal. Zwei Tore aus zwei Chancen, und Trainer John Porno brüllte an der Seitenlinie: "Das ist mein Junge! Der spielt, als hätte er Kaffee intravenös!"

Doch wer dachte, die Reds würden das Ding locker nach Hause bringen, unterschätzte die Zähigkeit der Yellows. Deren Coach Kula Shaker hatte sein Team offenbar mit einer Mischung aus Meditation und Wutrede eingestellt. "Bleibt ruhig - aber haut sie weg", soll er in der Kabine gesagt haben. Und siehe da: Binnen 60 Sekunden war die Partie wieder offen. Erst traf Elias Keller in der 26. Minute nach feinem Zuspiel von Benyamin Neumann, dann legte Carl Mendes in der 27. nach - ebenfalls auf Vorarbeit des unermüdlichen Neumann. Ramat Gans Defensive wirkte in diesen Momenten wie eine schlecht organisierte Schülerband: alle wussten, dass sie spielen, aber keiner wusste, was.

Mit 2:2 ging es in die Pause, und die Zuschauer schwankten zwischen Begeisterung und Schnappatmung. Die Reds hatten zwar mehr Ballbesitz (knapp 55 Prozent) und ebenso viele Torschüsse wie der Gegner, doch im Gefühl lag das Momentum bei den Gästen.

Nach dem Seitenwechsel kam Ramat Gan zunächst mit frischem Schwung. In der 62. Minute war es wieder Janos Neufeld, der nach feiner Vorarbeit von Gustav Hübner das 3:2 markierte. Das Stadion tobte, Trainer Porno riss die Arme hoch - und fluchte 90 Sekunden später, als Herzliya im Gegenzug durch Tiago Antonio erneut ausglich. "Ich hab mich kaum hingesetzt, da stand’s schon wieder unentschieden", knurrte der Coach später, "das war wie in einem schlechten Traum."

Doch die Yellows waren noch lange nicht satt. Ihr Mittelfeldmotor Rafael Brito übernahm mit wachsender Spielfreude das Kommando. In der 72. Minute zirkelte er den Ball nach einem Abpraller selbst ins Netz - 4:3 für Herzliya. Eine Minute später machte Keller, der schon zu Beginn getroffen hatte, endgültig den Deckel drauf. 5:3, und die Reds wirkten plötzlich so ratlos wie ein Navi ohne GPS.

Die Schlussphase war pure Verzweiflung. Hübner prüfte in der 88. Minute noch einmal Keeper Joao Antunez, doch der reagierte glänzend. "Ich hab den Ball noch im Schlaf gesehen", witzelte der Torwart später.

Statistisch gesehen war es fast ein Duell auf Augenhöhe: 13 zu 14 Torschüsse, leichtes Ballbesitzplus für Ramat Gan - aber in Sachen Effizienz waren die Yellows gnadenlos. "Wir haben einfach besser gezielt", grinste Doppeltorschütze Keller nach Abpfiff. "Manchmal ist Fußball eben einfach: Wenn du triffst, gewinnst."

Für Ramat Gan bleibt die Erkenntnis, dass frühe Euphorie und defensive Disziplin selten gute Freunde sind. Trainer Porno versprach Besserung: "Wir werden daran arbeiten, 90 Minuten lang wach zu sein. Nicht nur 20."

Herzliya-Coach Shaker dagegen war sichtlich zufrieden: "Das war kein Zufall. Wir haben an uns geglaubt - und an unsere Fitness. Und wenn du fünf Tore auswärts machst, darfst du ruhig ein bisschen stolz sein."

Als die Fans aus dem Stadion strömten, hörte man einen älteren Red-Anhänger seufzen: "Früher hatten wir wenigstens 3:3 gespielt." Ein anderer antwortete trocken: "Ja, aber damals hatten wir auch keine Gegner, die Tore schießen konnten."

Ein Spiel voller Tempo, Emotionen und ironischer Wendungen - kurz: ein Abend, den man so schnell nicht vergisst. Und wer den Namen Deniz Undav noch nicht kannte, sollte ihn sich merken. Trotz Niederlage war der Junge der Lichtblick in einem rot glühenden Chaos.

Vielleicht war’s die Luft, vielleicht der Vollmond. Sicher ist nur eines: In Ramat Gan wurde an diesem Samstagabend kein Fußball gespielt - es wurde Fußball gelebt.

25.08.643996 22:58
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