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Es war eine jener Nächte, in denen die Luft über dem Ramat-Gan-Stadion nach Sieg roch, lange bevor der Schiedsrichter überhaupt anpfiff. 55.492 Zuschauer sahen am Donnerstagabend ein Spektakel, das in die Vereinschronik der Ramat Gan Reds eingehen dürfte: ein 5:0 gegen Maccabi Haifa, das so deutlich war, dass selbst die Anzeigetafel kurz Mitleid hatte. Schon nach vier Minuten bebte die Tribüne. Der junge Baske Xabier Nene, gerade mal 20 und mit einem linken Fuß, der eher an ein Präzisionswerkzeug erinnert, netzte nach Vorarbeit von José Linares zum 1:0. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Nene hinterher in die Kameras, "aber dann dachte ich - warum nicht gleich ein Kunstwerk?" Trainer John Porno - ein Name, der in der israelischen Liga längst Kultstatus genießt - nickte zufrieden: "So fängt man Spiele an, nicht mit Angst, sondern mit einem Knall." Und die Reds hörten nicht auf zu knallen. Dror Shum, der 34-jährige Sturmveteran, zeigte, dass Erfahrung manchmal mehr wert ist als jugendliche Raserei. In der 24. Minute schob er nach Vorlage von Innenverteidiger José Fernandes überlegt zum 2:0 ein. Zwanzig Minuten später wiederholte er das Kunststück, dieses Mal nach einem feinen Zuspiel des 18-jährigen Vitor Godinez. Dazwischen durfte eben jener Godinez selbst jubeln: In der 36. Minute verwandelte er eine butterweiche Flanke von Marcelo Vieira zum 3:0. Vier Tore zur Pause - und das gegen Maccabi Haifa, das sonst als Bollwerk gilt. Gästecoach David Goldmann wirkte auf der Pressekonferenz wie ein Mann, der versehentlich in die falsche Sportart geraten war. "Wir wollten kompakt stehen", murmelte er, "aber offenbar haben meine Spieler ’kompakt’ mit ’sesshaft’ verwechselt." Statistisch gesehen war es gar kein einseitiges Spiel - zumindest, wenn man Ballbesitz mag. 51,8 Prozent für die Reds, 48,1 für Haifa. Aber während die Gäste den Ball pflegten wie ein rohes Ei, schickten ihn die Hausherren in Richtung Tor: 23 Torschüsse zu mageren 3. Haifa wirkte, als hätte man vergessen, dass man Tore nur schießen kann, wenn man auch in Tornähe kommt. Nach der Pause schaltete Ramat Gan, verständlicherweise, einen Gang zurück. "Wir wollten nicht übermütig werden", erklärte Trainer Porno mit einem süffisanten Grinsen, "aber wenn man Spaß hat, lässt man die Jungs halt spielen." Spaß hatte vor allem wieder Dror Shum, der in der 89. Minute seinen Dreierpack schnürte - erneut nach Vorlage von Marcelo Vieira. Die Fans tanzten auf den Rängen, während Haifas Verteidigung nur noch stumm zusah. Die wenigen Lichtblicke bei den Gästen? Vielleicht der junge Menachem Tartman, der in der 69. Minute immerhin eine Gelbe Karte sah - was wenigstens auf eine gewisse Form von Aktivität hinwies. Der Rest des Teams wirkte, als sei das Spiel ein Betriebsausflug, zu dem keiner wirklich Lust hatte. Torwart Pieter Mesick, der fünfmal hinter sich greifen musste, fasste es galgenhumorig zusammen: "Ich habe heute viel gelernt - vor allem, wie Rasen aus der Perspektive eines Torwarts aussieht, der sich dauernd bücken muss." Bei den Reds dagegen war die Stimmung ausgelassen. Der 19-jährige Marcelo Vieira plauderte mit den Reportern, als hätte er gerade den Schulabschluss bestanden: "Zwei Vorlagen, kein Fehler - ich hoffe, der Trainer lässt mich jetzt auch mal Elfmeter schießen." Neben ihm lachte Shum, die Galionsfigur des Abends: "Solange ich laufe, kriege ich den Ball. Und solange ich den Ball kriege, gibt’s Tore." Die Taktik der Reds - von Beginn an offensiv, mit ausgewogenem Passspiel - ging perfekt auf. Kein wildes Pressing, kein hektisches Gezerre, einfach sauberes Teamspiel mit Zielstrebigkeit. Haifa hingegen blieb in seiner "balanced"-Ausrichtung stecken, was in diesem Fall bedeutete: weder Fisch noch Fleisch, weder Angriff noch Abwehr. "Wenn du 5:0 verlierst und der Gegner trotzdem nur 52 Prozent Ballbesitz hat, weißt du, dass du was falsch gemacht hast", murmelte Goldmann, bevor er in Richtung Kabine verschwand. Als der Schlusspfiff ertönte, brandete in Ramat Gan ein Jubel auf, der noch bis in die Nacht über die Stadt hallte. Ein Spiel, das zeigte, wie Fußball sein kann, wenn Mut auf Spielfreude trifft - und der Gegner leider auf dem Parkplatz bleibt. Am Ende stand ein 5:0 (4:0) für die Ramat Gan Reds - ein Ergebnis, das so klar war, dass selbst der Linienrichter sich das Grinsen nicht verkneifen konnte. Und irgendwo in der Mixed Zone soll man gehört haben, wie ein Fan rief: "Gebt Shum einen Denkmalplatz - oder wenigstens noch ein Bier!" Ein Abend, den man in Haifa schnell vergessen will - und in Ramat Gan am liebsten nie. 21.09.643999 15:40 |
Sprücheklopfer
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