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Ein lauer Abend, 40.284 Zuschauer im Estadio Municipal und zwei Mannschaften, die sich nichts schenken wollten: Beim 2:2 zwischen CD Ramonense und den Lions Generalena bekamen die Fans alles, was man von einem Fußballspiel erwartet - Tempo, Tore, ein bisschen Drama und eine Prise Chaos. Bereits in der 20. Minute brüllten die Lions zum ersten Mal. Jason Probst, der flinke Linksaußen mit dem Dauerlächeln, traf nach Vorarbeit von Linksverteidiger Ghalib Spiegler. "Ich hab einfach gedacht: Wenn Ghalib schon mal flankt, dann muss ich da hin", grinste Probst später. Der Jubel im Gästeblock war laut, aber nicht lange von Dauer. Kurz vor der Pause (44.) schlug Ramonense zurück. Jorge Muno, der rechte Flügelstürmer mit dem Instinkt eines Straßenfußballers, nutzte eine butterweiche Flanke von Menderes Aykut und wuchtete den Ball per Kopf unter die Latte - 1:1. "Ich hab’ gar nicht gesehen, dass der Ball drin war, bis Kay Scharf mir fast die Rippen gebrochen hat beim Jubeln", lachte Muno anschließend. In der Halbzeit wirkte Lions-Coach Gerd Hauser erstaunlich ruhig, während sein Gegenüber Hans-Jürgen Ringelnatter in der Kabine lautstark an der Taktik feilte. "Wir bleiben offensiv, Jungs", soll er gesagt haben, "aber wenn ihr schon kontert, dann bitte nicht alle gleichzeitig in die Pommesbude." Und tatsächlich: Nur neun Minuten nach Wiederanpfiff (54.) war es wieder Muno, der sich in den Vordergrund spielte. Nach einem abgewehrten Schuss von Hugo de Almeida reagierte er am schnellsten und drückte den Ball über die Linie - 2:1 für Ramonense. Das Stadion bebte, Trainer Ringelnatter streckte beide Arme in den Himmel, als wolle er gleich abheben. Doch wer die Lions kennt, weiß: Diese Truppe hat den Stolz einer ganzen Savanne. In der 67. Minute zirkelte Pascal Pilat, der Routinier im Mittelfeld, einen Ball aus 20 Metern ins Eck. Logan Combe hatte klug vorbereitet, und Pilat jubelte mit dem Understatement eines Mannes, der schon zu viele Tore gesehen hat, um noch große Gesten zu machen. "Ich wollte eigentlich flanken", gab er später zu und grinste schief. Die letzten 20 Minuten waren ein wildes Hin und Her: Cesc Izquierdo prüfte zweimal den Gästetorhüter Javier Montanes (77., 79.), während Kamil Okonski auf der anderen Seite fast den Sieg für die Lions auf dem Fuß hatte (83.). Doch die Torhüter - Montanes hier, Ochoa dort - hielten, was zu halten war. Statistisch war’s ein Duell auf Augenhöhe: 15 Torschüsse der Lions gegen 11 von Ramonense, Ballbesitz praktisch pari (50,0 zu 49,9 Prozent). Selbst die Zweikampfquote teilte sich brav in zwei Hälften. Nur in Sachen Gelbe Karten lag Generalena vorne - Ghalib Spiegler sah in der 26. Minute Gelb, vermutlich für kreatives Kommentieren der Schiedsrichterentscheidung. In der Schlussphase wechselten beide Trainer noch munter durch: Bei den Lions kam der junge Anders Fjortoft für Morgan Robinson, bei Ramonense ersetzte Hrvoje Vlaovic den flinken Louis Young. Und als dann in der 90. Minute Filipe Moutinho noch kurz für den müden Probst kam, schien selbst der Vierte Offizielle nicht mehr ganz sicher, wer jetzt eigentlich wo spielt. Nach Abpfiff schüttelten sich die Akteure fair die Hände - auch wenn man das Gefühl hatte, dass beide Teams lieber den Sieg mitgenommen hätten. "Wir hätten das dritte Tor machen müssen", knurrte Ringelnatter, "aber mein Team hat Herz gezeigt." Lions-Coach Hauser widersprach charmant: "Herz schön und gut, aber wir waren die Mannschaft mit den Zähnen." So blieb es beim 2:2 - ein Ergebnis, das keinem richtig gefällt, aber beiden hilft, die Saison unbeschadet fortzusetzen. Die Zuschauer gingen zufrieden nach Hause, viele mit heiserer Stimme und dem Gefühl, dass dieser sechste Spieltag der 1. Liga Costa Rica einer war, an den man sich noch erinnern wird. Oder, wie es ein älterer Fan beim Rausgehen sagte: "Wenn alle Unentschieden so aussehen würden, würd’ ich nie wieder was anderes gucken." Und ehrlich gesagt - schwer zu widersprechen. 16.12.644002 01:48 |
Sprücheklopfer
Im Fußball ist es wie im Eiskunstlauf - wer die meisten Tore schießt, der gewinnt.
Rainer Calmund