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Es war ein lauer Aprilabend in Kottingbrunn, die Flutlichtmasten summten, das Stadion vibrierte - 32.550 Zuschauer wollten sehen, ob der Außenseiter dem Traditionsklub Rapid Wien tatsächlich ein Bein stellen kann. Und für 45 Minuten sah es tatsächlich danach aus, als würde Trainer Michael Goldfinger das taktische Schachspiel gegen Robert Lechner gewinnen. Doch am Ende jubelten wieder einmal die Grün-Weißen: Rapid drehte ein 0:1 noch in ein 2:1 und nahm die Punkte mit nach Wien. Kottingbrunn, kompakt, diszipliniert und mit erstaunlich viel Mut, startete selbstbewusst. Während Rapid offensiv begann - Pressing, Flügelspiel, alles auf Angriff - wartete die Goldfinger-Elf clever ab, lauerte auf Konter. Und siehe da: In der 32. Minute schlug der Plan zu. Joao Bermudo zog auf links zwei Wiener auf sich, legte flach nach innen, wo der 35-jährige Dauerläufer Bogdan Ungureanu trocken einschob. 1:0 - und der Jubel hallte bis zur Schnellstraße. "Ich hab einfach gedacht: schieß, bevor mir einer den Ball wieder wegnimmt", grinste Ungureanu später. Rapid schien kurz geschockt, reagierte aber mit dem gewohnten Selbstverständnis. Sascha Lang prüfte den Heimkeeper Pol Moutinho mehrfach - in der 11., 48. und 60. Minute -, doch der Portugiese im Kottingbrunner Tor war auf dem Posten. Als Sebastian Wasilewski in Minute 19 Gelb sah, kommentierte Trainer Lechner von der Seitenlinie trocken: "Na super, jetzt haben wir wenigstens Farbe im Spiel." Mit 1:0 ging’s in die Pause. Goldfinger gab sich da noch entspannt: "Wenn wir hinten weiter so dicht machen, können die bis Mitternacht spielen." Doch Rapid wäre nicht Rapid, wenn sie sich mit so einer Prognose abfinden würden. Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, fiel auch schon der Ausgleich. Der 23-jährige Dirk Fuhrmann, auf links stets brandgefährlich, traf in der 47. Minute nach Zuspiel von Leopold Jendrisek. Ein sehenswerter Angriff, der die Kottingbrunner Defensive einmal zu spät erwischte. Danach drehte sich das Spiel. Rapid kontrollierte zunehmend das Geschehen, auch wenn Kottingbrunn mit 51 Prozent Ballbesitz statistisch leicht vorne lag. Doch die Wiener hatten mehr Zug nach vorn, zwölf Torschüsse insgesamt, während Kottingbrunn acht Mal gefährlich wurde. Besonders bitter: In Minute 34 musste Georgi Berbatow verletzt raus, nachdem er nur wenige Minuten zuvor für Humberto Antonio gekommen war. "Ich hab den Rasen falsch eingeschätzt - und der Rasen mich", witzelte er später mit bandagiertem Knöchel. Die Partie blieb intensiv, aber fair - drei Gelbe Karten (Wasilewski, Usai, Steffens) waren das höchste der Gefühle. Und dann kam die 76. Minute, jene, die in Kottingbrunn wohl noch länger besprochen wird. Wieder war es Leopold Jendrisek, der den Ball klug in die Tiefe legte, diesmal auf Sascha Lang. Der Routinier blieb cool, zog trocken ab - 2:1 für Rapid. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Lang hinterher zu, "aber wenn’s so reingeht, beschwer ich mich nicht." Die letzten Minuten gehörten noch einmal den Gastgebern. Humberto Antonio hatte in der 84. Minute den Ausgleich auf dem Fuß, zielte aber Zentimeter am Pfosten vorbei. Trainer Goldfinger raufte sich die Haare: "Wenn du solche Chancen nicht machst, brauchst du dich hinten nicht über ein Gegentor wundern." Am Ende stand ein 1:2, das Rapid Wien zwar verdient, aber mit Mühe errang. Die Gäste wirkten reifer, geduldiger, und Jendrisek war der heimliche Regisseur des Abends - zwei Vorlagen, unermüdlich im Mittelfeld. Kottingbrunn hingegen bewies, dass sie zu mehr fähig sind, als ihnen viele zutrauen. Der Applaus des Publikums nach Schlusspfiff war ehrlich, sogar Goldfinger klatschte Richtung Tribüne - wohlwissend, dass seine Mannschaft hier mehr als nur kämpferisch überzeugt hatte. "Wir haben heute Charakter gezeigt", sagte Goldfinger. "Leider hat Rapid eben auch zwei Spieler, die aus fast nichts Tore machen." Rapid-Coach Lechner konterte süffisant: "Das nennt man Qualität, nicht Glück." So verließen beide Mannschaften den Platz mit erhobenem Kopf - die einen mit drei Punkten, die anderen mit Stolz. Und irgendwo zwischen den leeren Bierbechern und den letzten Fangesängen murmelte ein Zuschauer: "Wenn das so weitergeht, holt Kottingbrunn nächste Woche die Bayern." Ein Satz, der wohl ebenso unrealistisch wie charmant war - aber an diesem Abend lag er gar nicht so fern. 03.11.643996 15:35 |
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Luciano ist kein Brasilianer, er ist ein Athlet.
Berti Vogts