El Peruano
+++ Sportzeitung für Peru +++

Real Iquitos trotzt Academia Lima: 2:2 im Tropenkrimi von Iquitos

Ein warmer Maiabend, 49.220 Zuschauer, und ein Rasen, der eher an eine grüne Hängematte erinnerte als an ein Spielfeld - doch was Real Iquitos und Academia Lima am 27. Spieltag der 1. Liga Peru boten, war ein Fußballabend, der alles hatte: Tempo, Emotionen und ein Ergebnis, das am Ende niemandem so richtig schmeckte. 2:2 stand nach 90 intensiven Minuten auf der Anzeigetafel, und das passte irgendwie zu diesem wilden, aber charmanten Spiel.

Die Partie begann mit einem Donnerschlag - und der kam aus Lima. In der 21. Minute zappelte der Ball im Netz der Hausherren: Pieter Tilleman, der flinke Linksaußen der Academia, traf nach Vorlage von Jukka Hietanen eiskalt zur Führung. "Ich hab einfach draufgehalten, und der Ball wollte wohl auch mal baden gehen - direkt ins Tor!", grinste Tilleman später.

Doch Real Iquitos ließ sich nicht beirren. Trainer Sven Schalnas, ein Mann, der offenbar lieber an der Seitenlinie tanzt als ruhig bleibt, trieb seine Mannschaft lautstark nach vorne. Der Ausgleich kam folgerichtig: In der 33. Minute fasste sich Matias Makukula, der Routinier im Mittelfeld, ein Herz und versenkte den Ball mit einem präzisen Flachschuss. Vincent Santos hatte mustergültig vorgelegt - und Makukula hob danach beide Arme, als wollte er sagen: "Na also, ich kann’s doch noch!"

Zur Pause stand es 1:1, und die Statistik zeigte, wie ausgeglichen das Duell war: 49,9 Prozent Ballbesitz für Real, 50,1 für Lima. Nur in der Zweikampfquote war Iquitos leicht vorn (53 zu 47 Prozent). "Das ist kein Zufall", meinte Schalnas später mit einem Augenzwinkern. "Wir haben in der Woche extra mit Macheten trainiert - für den Dschungelkampf im Mittelfeld."

Nach dem Seitenwechsel zog Academia Lima das Tempo wieder an. In der 57. Minute war es David Galindo, der nach einem langen Ball von Innenverteidiger Andre Seidel die erneute Gästeführung erzielte. Ein Tor aus dem Nichts, aber technisch fein - Galindo nahm den Ball mit der Brust, ließ seinen Gegenspieler aussteigen und schob überlegt ins rechte Eck. Trainer Olli Kahn, der an der Seitenlinie so energisch dirigierte, dass man meinte, er wolle gleich selbst eingreifen, brüllte: "So will ich das sehen! Mutig, geradlinig, kaltschnäuzig!"

Aber Real Iquitos wäre nicht Real Iquitos, wenn sie im heimischen Estadio Max Augustin einfach aufgeben würden. Schalnas brachte in der 70. Minute frische Offensivkräfte: Agemar Baiao kam für Lionel Pauleta - und was für ein Joker er war! Keine sechs Minuten später, in der 76., traf Baiao zum 2:2. Wieder hatte Vincent Santos seine Füße im Spiel, diesmal als Vorlagengeber mit Übersicht.

"Ich hab nur gehofft, dass er den Ball auch wirklich kriegt - und dann sah ich ihn fliegen", erzählte Santos lachend nach der Partie. Baiao selbst grinste breit: "Ich wollte eigentlich flanken, aber dann dachte ich mir, ach was, schieß einfach!"

Die Schlussphase war ein offener Schlagabtausch. Real Iquitos drängte mit elf Torschüssen insgesamt auf den Sieg, während Lima mit sechs Versuchen immer wieder gefährlich konterte. Besonders Salvador Nani sorgte in den letzten Minuten für Alarm, verfehlte aber in der 90. Minute das Tor nur um Zentimeter. "Da fehlte einfach ein bisschen Dschungelglück", meinte Schalnas später.

Gelbe Karten? Drei für Real Iquitos - Frechaut (12.), Machado (16.) und Makukula (75.) - alle verdient, alle mit einem Lächeln quittiert. "Ich wollte nur Hallo sagen", verteidigte sich Frechaut später süffisant.

Nach dem Schlusspfiff klatschten sich beide Teams ab. Ein Remis, das sich wie ein Sieg für die Zuschauer anfühlte. 49.220 Kehlen sangen, lachten, schwitzten - und gingen zufrieden nach Hause. Olli Kahn zog seine ganz eigene Bilanz: "Ich hab ein gutes Spiel gesehen, aber wir müssen lernen, den Sack zuzumachen. Und nein, ich schrei nicht mehr so viel - meine Stimme ist eh schon weg."

Sven Schalnas dagegen zeigte sich fast philosophisch: "Fußball in Iquitos ist wie das Wetter hier - unberechenbar. Heute haben wir Sonne und Regen in einem Spiel erlebt. Und das Ergebnis? Gerecht. Aber ich hätte trotzdem lieber 3:2 gewonnen."

So endete ein Spiel, das wieder einmal bewies, warum der Fußball in Peru so geliebt wird: laut, lebendig, manchmal chaotisch - aber nie langweilig. Und irgendwo zwischen den Schweißperlen, den Gelben Karten und den 22 Helden auf dem Platz lag der wahre Sieger: der Fußball selbst.

17.04.644000 21:30
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Der Trainer wird uns schon auf den Boden zurückholen. Morgen wird es den längsten Waldlauf der Geschichte geben!
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