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Es war einer dieser Abende im altehrwürdigen San Siro, an denen 54.236 Zuschauer sich fragten, ob sie gerade ein Fußballspiel oder eine Oper mit besonders vielen Tenören und roten Karten erleben. Real Milano gewann am 13. Spieltag der 1. Liga Italien mit 2:1 gegen den AC Neapel - und das mit einer Mischung aus frühem Feuerwerk, taktischem Feinsinn und spätem Nervenkitzel. Gerade einmal fünf Minuten waren gespielt, da ging das Publikum schon in die Luft. Ewan Burton, Milanos quirliger Rechtsaußen mit der Frisur eines Rockgitarristen, nahm eine butterweiche Flanke von Mario Rocha volley und drosch das Leder aus halbrechter Position in die Maschen. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Burton später, "aber wenn der Ball so schön schreit, muss man ihn einfach treffen." Trainer Dennis Hees stand da mit verschränkten Armen und einem Lächeln, das man sonst nur von Mathematikprofessoren kennt, die endlich eine Formel verstanden haben. Neapel zeigte sich davon keineswegs beeindruckt. Der erfahrene Giovanni Diaco ließ seine Mannschaft offensiv anlaufen, aggressiv im Zweikampf, aber zu wenig präzise. Lucas Kendall, der Innenverteidiger mit dem Schussdrang eines Stürmers, prüfte Milanos Keeper Alen Benko früh aus der Distanz - und schaute dann ungläubig, als dieser den Ball locker pflückte. "Ich dachte, der fliegt rein. Benko wohl auch - nur stand er halt im Weg", schnaubte Kendall nach dem Spiel. Real Milano dominierte knapp den Ballbesitz (52,5 Prozent), während Neapel auf Konter lauerte. Doch die Mailänder kombinierten gefällig, spielten kurz, sicher, manchmal zu verspielt. "Wir wollten das Spiel kontrollieren, nicht nur verwalten", erklärte Hees. "Dass wir dabei fast einschlafen, war nicht Teil des Plans." Nach der Pause nahm das Drama Fahrt auf. In der 64. Minute, als Neapel gerade drückte, packte Milanos linker Verteidiger Kai Kunz seinen persönlichen Geniestreich aus. Nach einer Hereingabe von Joseph Farnsworth stand Kunz völlig frei und drosch den Ball mit dem linken Spann in den Winkel - ein Treffer, der selbst den skeptischen Espresso in der Pressetribüne kurz vergessen ließ. 2:0, dachte man. Spiel gelaufen. Doch Neapel kam zurück, wie ein Spätzug, der doch noch pünktlich eintrifft. Nur drei Minuten später traf der flinke Freddie Couture nach einem feinen Pass von Ivan Carracedo zum 2:1. Plötzlich bebte das Stadion wieder - und Real Milano begann zu schwimmen. "Da dachte ich, jetzt kippt’s", gab Hees später zu. Dann die Szene, die das Spiel endgültig zum Theaterstück machte: In der 73. Minute Gelb für Kunz nach einem rustikalen Einsteigen, in der 79. Minute Gelb-Rot - diesmal weniger rustikal, mehr ungeschickt. Kunz stapfte vom Platz, während Hees ihm hinterherrief: "Kai, das war Kunst - aber leider moderne!" Der Verteidiger grinste gequält. "Ich wollte nur den Ball, ehrlich", sagte er nachher. "Nur hatte der Ball offensichtlich andere Pläne." Neapel roch noch einmal Lunte, warf alles nach vorn. Couture und Gady prüften Benko mehrfach, doch der Torwart blieb cool wie ein Barista im Dauerstress. Real Milano verteidigte mit allem, was noch Beine hatte, und brachte das Ergebnis über die Zeit - auch wenn Ewan Burton kurz vor Abpfiff verletzt raus musste. Sein Ersatz, Bradley Landry, durfte noch 30 Sekunden den Ball halten, ehe der Schlusspfiff kam. "Ich bin stolz auf die Jungs", sagte Hees anschließend. "Wir haben nicht alles richtig gemacht, aber genug, um das Richtige zu gewinnen." Giovanni Diaco hingegen rang nach Worten: "Wir hätten mehr verdient. Aber Fußball ist kein Wunschkonzert - sonst würden wir alle 3:0 gewinnen." Statistisch war es ein enges Spiel: 19 Torschüsse für Milano, 10 für Neapel. Das Tackling-Duell ging mit 54 zu 46 Prozent an die Hausherren - ein Wert, der ungefähr so aussah wie das Spiel selbst: leicht chaotisch, aber effektiv. Als die Lichter im Stadion langsam ausgingen, blieb ein Fazit: Real Milano hat gewonnen, aber nicht überzeugt. AC Neapel hat verloren, aber nicht enttäuscht. Und Kai Kunz hat gelernt, dass man mit zwei Karten in der Hand kein gutes Pokerblatt hält. Ein Reporter neben mir murmelte zum Schluss: "Das war kein Spiel, das war italienisches Drama mit Happy End." Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen - außer vielleicht: Bravo, Milano. 07.03.644003 06:52 |
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