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Cork - 20.000 Zuschauer im Turner’s Cross-Stadion bekamen an diesem windigen Maiabend alles, was ein ordentliches irisches Fußballspiel ausmacht: Kampf, Krämpfe, ein Torwart, der sich für Superman hielt - und ein Teenager, der zum Spielverderber wurde. Am Ende hieß es 1:1 zwischen den Cork Rebels und St. Patricks Athletic - ein Ergebnis, das beiden Teams vermutlich gleich unzufrieden schmecken dürfte. Dabei sah lange alles nach einem Heimsieg aus. Die Rebels, von Anfang an das aktivere Team (59 Prozent Ballbesitz, 15 Torschüsse), legten los wie ein frisch gezapftes Guinness: schaumig, kraftvoll, aber am Ende doch mit zu viel Luft. Bereits in der 17. Minute traf Joseph Beglin, der unermüdliche Rechtsaußen, nach feinem Zuspiel des 20-jährigen Bradley Nolan zum 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten - und gehofft, dass der Ball nicht im Parkhaus landet", grinste Beglin später. Bis zur Pause dominierten die Gastgeber - zumindest optisch. Matthew Whelan wirbelte rechts, Jannick Schreiber prüfte den Keeper, und selbst Innenverteidiger Gabriel Douglas hatte offenbar beschlossen, endlich seinen Kindheitstraum vom Stürmerleben auszuleben. Doch das zweite Tor wollte nicht fallen. "Wir hätten das Ding in der ersten Halbzeit zumachen müssen", knurrte ein sichtlich genervter Coach der Rebels, der nach Schlusspfiff lieber namenlos bleiben wollte. Auf der anderen Seite versuchte St. Patricks-Coach Thomas Rumpelt, sein Team mit lautstarken Kommandos wachzurütteln. Nach der frühen Gelben für Jose Maria Estevez in Minute 4 ging es erstmal darum, die eigene Defensive zu sortieren. "Wir standen phasenweise wie in einem schlechten Tanzkurs", gab Rumpelt später zu. "Aber wenigstens haben wir am Ende den Rhythmus gefunden." Nach der Pause kam Bewegung ins Spiel - allerdings zunächst in Form von Wechseln. Gleich dreimal griff Rumpelt in der 56. Minute ein: Kahveci, Vidigal und Zubiaurre kamen, und plötzlich war da so etwas wie Zug zum Tor zu erkennen. Der 18-jährige Erim Kahveci, eben erst eingewechselt, lief wie aufgezogen. "Ich wollte einfach zeigen, dass ich nicht nur Trikots tragen kann", sagte der Youngster mit einem Lächeln, das so breit war wie das Spielfeld. Die Rebels dagegen verloren zunehmend die Kontrolle. Zwar blieb ihr Passspiel sicher, aber die Gäste setzten ein paar gefährliche Nadelstiche. Leon Delap und Billy Satchmore prüften Keeper Riley Cunningham mehrfach, der mit einer Flugeinlage in der 65. Minute den Ausgleich noch verhinderte. Auf der Tribüne murmelte ein älterer Fan: "Wenn der noch zwei Jahre so hält, nennen wir ihn bald Saint Riley." Doch Heilige haben es im Fußball bekanntlich schwer. In der 83. Minute schlug St. Patricks doch noch zu: Flanke von links von Jakob Bjorklund, und ausgerechnet der blutjunge Kahveci stand goldrichtig. Mit einem trockenen Abschluss ins rechte Eck sorgte er für das 1:1. "Ich hab gar nicht gesehen, dass der Ball drin war - ich hab nur das Schreien gehört", sagte er später. Danach wurde es emotional. Cork warf alles nach vorn, Schreiber schoss aus allen Lagen (Minuten 79, 80), und selbst der sonst so ruhige Mittelfeldstratege Juan Djalo versuchte sich an einem Distanzhammer. Doch Torwart Danko Sulejmani hielt, was zu halten war. In der 94. Minute hatte der eingewechselte Bradley Nolan noch die große Chance, aber sein Schuss landete in den Armen des Keepers - und die Rebels in der Realität. "Das fühlt sich an wie eine Niederlage", meinte Beglin, während er Richtung Kabine trottete. Trainer Rumpelt hingegen sprach von "einem Punkt des Willens". Und tatsächlich - seine Mannschaft hatte trotz 40 Prozent Ballbesitz und 16 Torschüssen nie aufgegeben. So endete ein Spiel, das mehr Geschichten als Tore bot. Es war ein Abend, an dem die Rebels lernen mussten, dass Dominanz allein keine Punkte bringt, und ein 18-Jähriger aus Dublin zum Helden wurde. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen seufzte: "Wenn du vorne nur eins machst, darfst du hinten keins kriegen - das wissen sogar meine Kinder." Am Ende blieb das Gefühl, dass dieses 1:1 viel über den Fußball erzählt: Er ist gerecht - aber nur manchmal. Und immer, wenn man glaubt, man hätte ihn verstanden, taucht irgendwo ein Kahveci auf und belehrt einen eines Besseren. 04.04.644000 22:24 |
Sprücheklopfer
Ich hätte auch woanders ins Ausland gehen können.
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