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Es war ein lauer Freitagabend im März, 37.028 Zuschauer im Londoner Stadion, und die "London Blues" wollten endlich wieder zeigen, dass sie mehr sind als ein Team mit einem hübschen Namen und einer schwächelnden Chancenverwertung. Stattdessen wurden sie zu Statisten in der Show der "Liverpool Reds", die mit einem 3:0 (1:0)‑Erfolg am 12. Spieltag der 1. Liga England eindrucksvoll bewiesen, dass Effizienz manchmal lauter spricht als Ballbesitz. Dabei fing alles so verheißungsvoll an: Schon in der zweiten Minute prügelte Marco Doreste den Ball auf das Tor der Reds, dass es nur so schepperte - leider direkt in die Arme von Keeper Charlie Leachman. Trainer Guido Träger brüllte von der Seitenlinie: "Genau so! Nur halt … rein!" - ein Satz, der sich als bittere Ironie des Abends herausstellen sollte. Denn während die Blues munter nach vorn kombinierten, trafen nur die Gäste. In der 37. Minute zirkelte Linksverteidiger Callum Hawn, nach feinem Zuspiel von Thomas Lester, den Ball humorlos ins lange Eck - 0:1. Ein Außenverteidiger, der trifft? "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Hawn später. "Aber der Ball hatte wohl eigene Pläne." Die Blues schauten sich irritiert an, als wäre das Spielskript an ihnen vorbeigegangen. Nach der Pause versuchte Träger mit einem Doppelwechsel (Miguel und Ehrlich kamen) frischen Wind zu bringen, doch kaum hatten sich die Fans ihren Tee nachgegossen, zappelte der Ball schon wieder im Netz: 46. Minute, Jorge Salinas - ebenfalls Außenverteidiger - drückte das Leder nach einem Abpraller über die Linie. Liverpool führte 2:0, und die Heimfans begannen, das vertraute Murmeln der Resignation anzustimmen. "Wir wollten offensiver stehen", erklärte Träger später, "aber offenbar auch offener." Statistisch gesehen war es gar kein einseitiges Spiel: 13 Torschüsse für die Blues, 8 für die Reds, Ballbesitz fast pari (50,2 % zu 49,8 %). Doch während die Londoner mit viel Liebe in den Strafraum kombinierten, fehlte die letzte Überzeugung. Marco Doreste und Lewis Graves vergaben Chancen im Minutentakt, und Davor Jurcevic schoss in der 57. Minute aus vier Metern über das Tor - so hoch, dass der Ball vermutlich noch immer in Heathrow auf dem Radar auftaucht. Dann kam die 67. Minute, und mit ihr das endgültige K.o.: Roberto Marquez, der schon zuvor auffällig agil über den linken Flügel gewirbelt war, traf nach Doppelpass mit dem unermüdlichen Jordi Xavier zum 0:3. "Ich hab nur den Raum gesehen und gedacht: Das ist meiner", lachte Marquez, der kurz danach noch fast das 0:4 nachlegte. Doch das Spiel blieb turbulent. Zwei Gelb‑Rote Karten in kurzer Folge - erst Gianluca Puglisi (80.) bei den Blues, dann Jordi Xavier (82.) bei den Reds - sorgten für eine hitzige Schlussphase. "Ich hab nur laut geatmet, und der Schiri meinte, das war schon zu viel", schimpfte Puglisi, während Xavier im Kabinengang kicherte: "Na, wenigstens gehen wir nicht allein." Liverpool‑Coach Kurt Kaiser zeigte sich nach Abpfiff gewohnt trocken: "Wir haben das gemacht, was man auswärts machen muss: treffen und dann zuschauen, wie der Gegner verzweifelt." Sein Gegenüber Träger suchte nach Worten - und fand sie schließlich im Stil eines Mannes, der lieber über das Wetter redet: "Der Rasen war zu grün, glaube ich." Taktisch blieb das Spiel ein Lehrstück in Effizienz. Die Reds agierten mit ausgewogenem System, diszipliniert im Zentrum, und nutzten die wenigen Gelegenheiten, die sich boten. Die Blues versuchten es mit Kurzpassspiel, später offensiver, aber ohne Durchschlagskraft. Selbst der Wechsel auf Offensivmodus nach der Pause brachte eher Raum für Konter als echte Gefahr für das Liverpool‑Tor. Als Schiedsrichter Harper nach 95 Minuten abpfiff, applaudierten die mitgereisten Reds‑Fans frenetisch, während die Londoner Anhänger schon auf dem Weg zur U‑Bahn versuchten, das Ergebnis kleinzureden. "War ja nur ein Spieltag", sagte einer, "aber irgendwie fühlt’s sich an wie eine ganze Saison in 90 Minuten." In der Mixed Zone lächelte Torschütze Hawn noch einmal breit: "Sie hatten mehr Schüsse, wir mehr Tore. Ich weiß, welche Statistik mir lieber ist." Ob die Blues sich davon erholen, wird sich zeigen. Trägers Team hat nun drei Spiele ohne Treffer, und der Geduldsfaden der Fans ist dünner als der Latte, die Jurcevic in Minute 57 überwand. Vielleicht hilft ja ein bisschen Galgenhumor. Wie ein Ordner beim Abgang der Spieler bemerkte: "Manchmal ist Fußball wie Londoner Wetter - du hoffst auf Sonne und kriegst Regen. Heute gab’s einen Liverpooler Platzregen." Und der hatte drei Tropfen. 28.03.643994 04:10 |
Sprücheklopfer
Nevio Scala ist ein phantastischer Trainer und er hat eine tolle Mannschaft. Dortmund wird ganz sicher Weltmeister!
Giovanni Trappatoni