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Osijek - 31.109 Zuschauer, Flutlicht, Derby-Stimmung: Wenn Hajduk Osijek und NK Osijek aufeinandertreffen, dann geht es nicht nur um drei Punkte, sondern um die Vorherrschaft in der Stadt. Und wie so oft, wenn Nachbarn sich nichts schenken wollen, endete auch dieses Aufeinandertreffen mit einem Unentschieden - 1:1, ein Ergebnis, das beiden irgendwie zu wenig und gleichzeitig zu viel war. Hajduk begann das Spiel, als wollten sie den Nachbarn gleich zu Beginn zeigen, wer in Osijek die Lichter anmacht. Schon in der zweiten Minute prüfte Srdan Maric mit einem satten Rechtsschuss den gegnerischen Keeper Bernt Schaller - der Ball zischte knapp vorbei, aber das war das Signal. Die Gastgeber kontrollierten Ball und Gegner, über 62 Prozent Ballbesitz sprechen eine deutliche Sprache. "Wir wollten von Anfang an das Tempo bestimmen", erklärte Hajduk-Trainer Tommek Dee später mit jener stoischen Ruhe, die nur Trainer haben, die innerlich längst kochen. Die Dominanz trug Früchte: In der 25. Minute zündete Marko Vuk einen perfekten Pass in die Tiefe, und Sladan Bazina - der ältere der Bazina-Brüder - vollstreckte eiskalt. 1:0, und das Stadion bebte. "Ich hab’ ihn nur noch reinschieben müssen", grinste Bazina nach dem Spiel, "Marko hat den Ball dahin gelegt, wo selbst meine Oma getroffen hätte." NK Osijek, gecoacht vom leidenschaftlichen Mate Sovu, schien zunächst überrollt. Doch die junge Truppe - mit gleich drei 18-Jährigen in der Startelf - zeigte Moral. "Wir haben uns in der Halbzeit angeschaut und gesagt: Wir sind doch nicht hier, um Statisten zu sein", verriet Mittelfeldtalent Zvonimir Jertec, der mit 18 schon erstaunlich abgeklärt wirkte. Und tatsächlich: Nach der Pause änderten sich die Vorzeichen. Hajduk blieb zwar optisch überlegen, doch NK fand mehr Mut. Sovu ließ offensiv ausrichten, brachte Lovre Babic und Harald Uggla - frische Beine für frische Ideen. Und in der 70. Minute kam der Lohn: Der 18-jährige Damir Kopilas nutzte einen Abpraller zum 1:1-Ausgleich. Das Stadion verstummte kurz, dann brandete sogar Applaus auf - Fair Play, auch das gibt es im Derby. "Ich hab gar nicht viel nachgedacht", erzählte Kopilas, "der Ball lag da, ich hab einfach abgezogen. Ehrlich gesagt: Ich war selbst überrascht, dass der drin war." Im Anschluss wurde es ruppiger - wie es sich für ein ordentliches Stadtduell gehört. Mate Kopilas (nicht verwandt mit Torschütze Damir) holte sich in der 69. Minute Gelb ab, nachdem er Vladimir Pavlovic etwas zu deutlich an die Schulter erinnerte, dass dies hier kein Freundschaftsspiel ist. Schiedsrichter Ante Ljubic hatte alle Hände voll zu tun, verlor aber nie die Kontrolle. Hajduk drängte in den letzten 20 Minuten auf die Entscheidung. Sladan Bazina hatte gleich mehrfach den Sieg auf dem Fuß - in der 67. Minute rauschte sein Kopfball Millimeter am Pfosten vorbei, in der 86. scheiterte Maric erneut an Schaller. "Wenn du 14 Mal aufs Tor schießt und nur einmal triffst, dann weißt du, was dir gefehlt hat", knurrte Trainer Dee nach der Partie. "Vielleicht müssen wir das Tor einfach größer machen lassen." Sovu dagegen zeigte sich zufrieden: "Für uns ist das wie ein Sieg. Wir haben Charakter gezeigt und uns gegen einen spielstarken Gegner zurückgekämpft." Seine Mannschaft hatte am Ende nur 37 Prozent Ballbesitz, aber dafür das glücklichere Ende der zweiten Halbzeit - und ein Debütanten-Tor, das in den nächsten Tagen in Osijek noch oft diskutiert werden dürfte. Ein kleines Kuriosum am Rande: Beim Schlusspfiff um 22:22 Uhr hatte der vierte Offizielle bereits die Anzeigetafel abgebaut, so sicher war man sich wohl, dass hier nichts mehr passiert. Doch in der 92. Minute zog Srdan Maric noch einmal ab - ein Schuss wie ein Donnerschlag, der Ball strich haarscharf über die Latte. Das Publikum hielt den Atem an, dann der Pfiff - Ende. Kein Sieger, aber ein Spektakel. "Wenn man ehrlich ist", meinte ein älterer Fan auf der Tribüne, "so ein 1:1 ist das Gerechteste, was es gibt. Aber schön wär’s halt, wenn’s mal andersrum gerecht wäre." So trennten sich Hajduk Osijek und NK Osijek 1:1 am 25. Spieltag der 1. Liga Kroatien - mit vielen Geschichten, die in den Kneipen Osijeks wohl noch bis tief in die Nacht erzählt wurden. Und mit dem Gefühl, dass dieses Derby nicht entschieden, sondern nur vertagt ist. Schlusswort? Vielleicht dieses: In Osijek teilt man vieles - die Stadt, die Leidenschaft, und an diesem Abend eben auch die Punkte. 03.11.643996 12:50 |
Sprücheklopfer
Ich denke, dass man stolz sein kann auf die Leistung von Schalke 04, wegen der Leistung.
Andreas Möller