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Wer an diesem Donnerstagabend im Bredase Stadion saß, wird wohl noch lange darüber sprechen - oder schweigen. 42.888 Zuschauer wurden Zeugen, wie Roda Kerkrade beim 8:0 (4:0) über NEK Breda nicht nur Fußball spielte, sondern eine ganze Vorlesung in Sachen Offensivgeist und Effizienz hielt. Es war ein Spiel, das so einseitig verlief, dass selbst die Stadionkatze irgendwann das Maul hielt. Schon nach 18 Minuten war der Bann gebrochen. Philippe Prudhomme, Rodas französischer Wirbelwind auf der linken Seite, schlenzte den Ball lässig ins lange Eck. Eine Minute später legte er gleich nach - diesmal nach einem Sprint über Zeeman Osterhoudt, den 17-jährigen Rechtsverteidiger, der offenbar vergessen hatte, dass man mit 17 eigentlich noch Lampenfieber haben sollte. Stattdessen lieferte er den Assist des Abends. "Ich dachte, er spielt den Ball raus", murmelte NEK-Keeper Gotthard Houghtailing später - und blickte dabei, als hätte man ihm gerade die Lottozahlen erklärt. Von da an nahm das Schicksal seinen Lauf. In der 30. Minute traf Gregor Van Buren per Distanzhammer, nur fünf Minuten später erneut nach Vorarbeit von Prudhomme. 0:4 zur Pause - Roda hatte Lust, Breda hatte Mitleid mit sich selbst. Trainer Christian Naumann verschwand zur Halbzeit so schnell in der Kabine, dass man vermuten konnte, er wolle sich dort ein neues Team zusammenbauen. "Wir wollten offensiv bleiben", sagte Naumann später, "aber offenbar hat das nur Roda verstanden." Tatsächlich zeigte die Statistik, dass Breda nominell gar nicht so weit weg war - 48 Prozent Ballbesitz, zwei Torschüsse. Dass einer davon eine Rückgabe zum Torwart war, muss man ja nicht erwähnen. Die zweite Hälfte begann, wie die erste endete: mit einem Wechsel bei Roda und einer Demütigung für Breda. Matthäus brachte Gerard Brill, einen 22-jährigen Flügelspieler, der allerdings nach acht Minuten verletzt raus musste. "Gerard hat zu viel Wind gemacht, da hat’s ihn weggeweht", witzelte Matthäus später und grinste, als hätte er gerade selbst das achte Tor geschossen. Statt Brill kam Christoph Lefebvre - und der machte, was ein Mittelfeldspieler in so einem Spiel eben macht: Tore. In der 67. Minute zog er aus 18 Metern trocken ab, 0:5. Acht Minuten später durfte sich sogar Außenverteidiger Vincent Van Vechten in die Torschützenliste eintragen, nachdem Van Buren ihm das Leder mustergültig aufgelegt hatte. "Ich wusste gar nicht, dass Vincent schießen kann", lachte Van Buren nach dem Spiel, "normalerweise trifft er höchstens den Linienrichter." Doch damit war das Spektakel noch nicht vorbei. Gerritt Keese, der 32-jährige Stoßstürmer, krönte seine Leistung in der 83. Minute mit einem wuchtigen Kopfball zum 0:7, erneut nach Vorarbeit - na klar - von Van Buren. Als Lefebvre in der Nachspielzeit (92.) noch einmal Maß nahm und den Ball zum 0:8 unter die Latte drosch, war der Abend endgültig ein Roda-Märchen. Neben dem Ergebnis beeindruckte vor allem die Konsequenz, mit der Roda agierte: 17 Torschüsse, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe, aggressiv, offensiv, unbarmherzig. Breda hingegen wirkte, als hätte man ihnen die Fußballschuhe durch Hausschuhe ersetzt. "Das war kein Spiel, das war ein Gemetzel", fasste ein Zuschauer zusammen, der sich nach dem Abpfiff eine Bratwurst zur seelischen Stabilisierung gönnte. Matthäus, in seiner unverwechselbaren Mischung aus Selbstbewusstsein und Charme, bilanzierte: "So ein Ergebnis ist immer gefährlich - die Jungs denken jetzt, sie wären Real Madrid. Aber ich bin da, um sie an Bayern München zu erinnern." Naumann hingegen blieb sachlich: "Wir müssen lernen, dass Fußball aus zwei Halbzeiten besteht. Leider war bei uns heute keine davon gut." Als das Flutlicht erlosch, blieb ein Gefühl zwischen Fassungslosigkeit und Bewunderung. Roda Kerkrade hatte nicht nur drei Punkte geholt, sondern ein Ausrufezeichen gesetzt, das man in Breda wohl noch eine Weile hören wird. Und irgendwo in der Dunkelheit des Stadions soll ein kleiner Junge gefragt haben: "Papa, hat Breda heute gewonnen?" Der Vater schwieg lange, dann nickte er langsam. "Ja, Sohn - an Erfahrung." 22.01.643997 22:22 |
Sprücheklopfer
Jetzt müssen wir gegen Stuttgart gewinnen. Ob wir wollen oder nicht.
Otto Rehhagel