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Das Stadion in Rodengo bebte am Mittwochabend, als die 11.360 Zuschauer Zeugen eines dieser Spiele wurden, die man später mit dem Satz beginnt: "Weißt du noch damals, als sie nach 1:2 noch 4:2 gewonnen haben?" Rodengo Saiano, von Trainer Jan Beyer mit offensiver Marschroute ins Rennen geschickt, drehte gegen den SC Genua ein bereits verloren geglaubtes Spiel - und das mit einer Mischung aus jugendlicher Unbekümmertheit, taktischer Disziplin und einem Schuss italienischer Dramatik. Dabei sah es zur Halbzeit gar nicht gut aus. Die Gäste aus Genua, scheinbar vom Ligaplatz inspiriert und von einer frischen Meeresbrise getragen, führten nach 38 Minuten bereits mit 2:0. Erst traf Lucas Kavanagh in der 32. Minute nach feinem Doppelpass mit Amaury Custodio, dann revanchierte sich Custodio sechs Minuten später mit dem 2:0 - ebenfalls nach Vorlage von Kavanagh. "Wir haben uns in dieser Phase selbst ein bisschen zu sehr bewundert", gestand Rodengos Coach Beyer später mit einem gequälten Lächeln. Doch gerade als die Genuaner sich schon in Gedanken den Pausenespresso bestellten, schlug Rodengo zurück. Der junge Gaetano Uffugo nutzte in der 41. Minute eine Flanke von Innenverteidiger Dario Bassi - ja, richtig gelesen, ein Innenverteidiger mit Offensivdrang - und köpfte den Anschluss. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass er reingeht", grinste Uffugo später. Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild komplett. Zwar hatte Genua mit 53 Prozent leicht mehr Ballbesitz, doch Rodengo Saiano ließ das Leder sprechen - und die Beine noch lauter. 18 Torschüsse gegenüber mageren sechs der Gäste sprechen eine deutliche Sprache. Die gelbe Karte für den jungen Domenico Roggiano kurz nach Wiederanpfiff schien wie ein Weckruf zu wirken. In der 76. Minute belohnte sich der Gastgeber für seine Geduld. Vincenzo Cerutti, gerade einmal 20 Jahre alt, verwandelte eine präzise Hereingabe von Giorgio Bianchi zum 2:2. Das Stadion tobte, und Trainer Beyer sprang erstmals an diesem Abend aus seiner Coaching-Zone - nach eigener Aussage "ungefähr einen halben Meter zu weit". Nur fünf Minuten später wurde die Partie endgültig gedreht: Alessandro Vegliaturo, ebenfalls 22 und offenbar mit Nerven aus Eisen, traf nach erneutem Zuspiel von Bianchi zum 3:2. "Ich hab nur gesehen, dass der Torwart zögert - da musste ich einfach draufhalten", sagte der Matchwinner, während ihm die Fans noch minutenlang seinen Namen zusingen. Genua versuchte in der Schlussphase mit langen Bällen zu antworten, doch deren "balanced" Taktik blieb erstaunlich uninspiriert - das Pressing war so zurückhaltend, dass man fast dachte, sie warteten auf eine Einladung. Rodengo hingegen legte in der Nachspielzeit noch einen drauf: Innenverteidiger Arnaldo Sala stieg nach einer Ecke von Roggiano am höchsten und köpfte zum 4:2-Endstand ein (91.). Beyer schüttelte danach am Spielfeldrand nur den Kopf: "Wenn selbst der Verteidiger trifft, weißt du, dass der Fußball heute auf unserer Seite war." Genuas Trainer - der Name blieb diskret ungenannt, wohl aus Selbstschutz - wollte nach dem Abpfiff nichts sagen, fügte dann aber doch hinzu: "Wir haben das Spiel in 15 Minuten verloren. Und wahrscheinlich unsere Contenance gleich mit." Bei den Hausherren war die Stimmung dagegen ausgelassen. Kapitän Sala, Torschütze und Abwehrchef, erklärte schmunzelnd: "Ich wollte eigentlich nur klären, nicht treffen. Aber gut - manchmal entscheidet der Zufall für uns Verteidiger." Am Ende blieb das Fazit klar: Rodengo Saiano zeigte, wie man mit Mut, Laufbereitschaft und einem Hauch jugendlicher Dreistigkeit ein Spiel drehen kann. Die Fans verließen das Stadion mit breitem Grinsen und der berechtigten Frage, warum sie nicht öfter so Fußball spielen. Oder, wie ein älterer Zuschauer beim Hinausgehen seufzte: "Früher sind wir wegen der Pasta gekommen, heute wegen der Pässe." Ein Spiel, das man in Rodengo noch lange erzählen wird - am liebsten natürlich mit einem Glas Rotwein in der Hand. 22.07.643996 05:40 |
Sprücheklopfer
Ich habe ihn liquidiert. Wenn er etwas will, soll er sich vorher seinen Ausweis anhängen, damit seine Mutter ihn nicht nur an der Blutgruppe erkennt.
Toni Polster über Jörg Neun