// Startseite
| Tuttosport |
| +++ Sportzeitung für Italien +++ |
|
|
|
Ein kühler Aprilabend, 11.500 Zuschauer, Flutlicht, Spannung - und am Ende ein 1:1, das sich für Rodengo Saiano fast wie ein Sieg anfühlte. Die Gastgeber kämpften sich nach einem frühen Rückstand gegen Virtus Entella zurück und retteten mit einem späten Treffer wenigstens einen Punkt. Trainer Jan Beyer wirkte nach dem Abpfiff erleichtert - und trotzdem leicht genervt. "Wir hätten das Spiel eigentlich schon zehnmal drehen müssen. Aber offenbar wollte der Fußballgott heute Spannung", brummte er mit einem halben Lächeln. Das Spiel begann mit einem Paukenschlag - allerdings erst nach einer Viertelstunde Aufwärmphase. Rodengo Saiano startete stürmisch, Giorgio Bianchi prüfte Entella-Keeper Patrick Bostwick bereits in der 2. Minute mit einem satten Schuss. Dann Überlegenheit, aber kein Ertrag. Und wie so oft im Fußball: Wenn du vorne deine Chancen nicht nutzt, klingelt’s hinten. In der 31. Minute war es der blutjunge Bruno Fiore, gerade mal 19 Jahre alt, der nach Pass von Giovanni Cropalati trocken ins lange Eck traf - 0:1. Trainer Beyer warf die Hände gen Himmel, während Entella-Coach Carlo De Santis (der sich an der Seitenlinie in bester Dirigentenmanier gebärdete) seinen Schützling mit einem brüllenden "Bravo, ragazzo!" feierte. Virtus Entella zeigte in der Folge, warum sie als auswärtsstark gelten. Mit fast 51 Prozent Ballbesitz hielten sie den Ball clever in den eigenen Reihen. Doch Rodengo Saiano biss sich zurück ins Spiel - im wahrsten Sinne. Die Statistik verrät: 53 Prozent gewonnene Zweikämpfe, dazu zehn Torschüsse gegenüber nur vier der Gäste. Vor allem der flinke Linksaußen Alessandro Vegliaturo drehte nach der Pause auf, prüfte den Torhüter gleich dreimal innerhalb von zwölf Minuten (48., 55., 60.). "Ich weiß nicht, was der gegessen hat in der Halbzeit, vielleicht Espresso intravenös", witzelte ein Zuschauer auf der Tribüne. Doch das Tor wollte und wollte nicht fallen. Dann auch noch Aufregung: In der 62. Minute sah Bianchi Gelb, nachdem er seinen Gegenspieler mehr umarmt als gefoult hatte. "Das war doch Liebe, kein Foul!", rief er grinsend dem Schiedsrichter zu - der grinste nicht zurück. Zwei Minuten später folgte Paludi mit der nächsten Verwarnung, und langsam drohte der Heimelf die Geduld zu entgleiten. Aber manchmal braucht es nur einen Moment, einen Pass, eine Idee. In der 69. Minute schlug Giacomo Morabito, der Spielmacher mit der Frisur eines Jazzpianisten, einen butterweichen Ball in den Strafraum. Dort lauerte Gaetano Uffugo - 20 Jahre jung, die Lunge eines Marathonläufers - und drückte die Kugel kompromisslos über die Linie. 1:1. Das Stadion explodierte. "Ich hab’ nur gehofft, dass ich ihn richtig treffe", sagte Uffugo später lachend. "Zum Glück war das Tor groß genug." Was folgte, war ein Sturmlauf. Beyer brachte mit Vincenzo Cerutti einen frischen Stürmer (72.), Entella reagierte prompt - allerdings gezwungenermaßen: Wladimir Michailow verletzte sich und musste ausgewechselt werden (74.). Der Veteran humpelte vom Platz und winkte tapfer in die Menge. "Mit 34 ist das Knie eben kein Freund mehr", murmelte er halb lachend, halb fluchend. Die Schlussphase gehörte eindeutig den Hausherren. Antonio Cocco (87.) und Bianchi (88.) feuerten noch zwei brandgefährliche Bälle auf das Entella-Tor, doch Keeper Bostwick war auf dem Posten. "Der hat heute Hände wie Magneten gehabt", sagte Jan Beyer später, "leider nicht unsere." Taktisch blieb Rodengo Saiano seiner offensiven Linie bis zum Schlusspfiff treu. Im letzten Viertel stellte Beyer auf aktives Pressing um - ein mutiger Schritt, der fast belohnt wurde. Entella hingegen blieb ruhig, fast stoisch. "Wir wollten nicht ins offene Messer laufen", erklärte Trainer De Santis. "Ein Punkt auswärts ist ein Punkt gewonnen." Am Ende stand also ein verdientes 1:1, das beiden Seiten ein bisschen schmeckte und ein bisschen nicht. Rodengo Saiano hätte aufgrund der Chancen mehr verdient, Entella darf sich über einen cleveren Auftritt freuen. Und die Fans? Die gingen zufrieden nach Hause - wenigstens, nachdem die Stadionwurst wieder warm war. "Das war kein Spiel für Feinschmecker, aber eins fürs Herz", meinte ein älterer Fan im Ausgang. Recht hat er. Fußball ist manchmal kein Menü, sondern ein belegtes Brötchen: einfach, ehrlich und - wenn’s gut läuft - mit ordentlich Pfeffer. 29.09.643996 06:15 |
Sprücheklopfer
Das Unmögliche möglich zu machen wird ein Ding der Unmöglichkeit.
Andreas Brehme