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Rimini - Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball die ungeschriebene Regel bestätigt: Wer seine Chancen nicht nutzt, bekommt die Quittung. 13.608 Zuschauer im ehrwürdigen Stadio Romeo Neri sahen am Sonntagabend, wie die AS Rimini sich redlich mühte, aber am Ende doch mit 1:3 gegen die cleveren Gäste aus Rodengo Saiano den Kürzeren zog. Dabei begann alles so verheißungsvoll für die Gastgeber. Schon in der Anfangsphase schnupperte der 19-jährige Marcello Mendicino am Führungstor, prüfte den Torwart zweimal früh (10. und 14. Minute) - und grinste danach in Richtung Tribüne: "Ich dachte, der Ball hat mich nicht gemocht heute." Nun, der Ball mochte ihn später dann doch. Aber da hatte sich Rodengo Saiano schon warmgeschossen. In der 24. Minute schlug der erfahrene Giacomo Morabito zu. Der 31-Jährige, normalerweise das ordnende Element im Mittelfeld, kam nach Vorarbeit von Luca Cariati frei zum Schuss - 0:1. Rimini wirkte kurz konsterniert, Trainer der Heimelf schrie an der Seitenlinie irgendwas, das man lieber nicht aufschreiben sollte. "Wir waren zu weit weg vom Mann", knurrte er später. Doch nur vier Minuten darauf brandete Jubel auf: Mendicino traf endlich, nach schöner Vorbereitung von Alejandro Costa (28.). 1:1, der Ausgleich, das Stadion bebte. Der Youngster rannte jubelnd Richtung Eckfahne, Costa fiel ihm um den Hals. "Das war der Moment, in dem wir dachten, das kippt jetzt zu unseren Gunsten", sagte Rimini-Spielmacher Tommaso Gagliato nach der Partie. Zur Halbzeit schien alles offen. Statistisch war’s ohnehin ein Spiel auf Augenhöhe: 50,8 Prozent Ballbesitz für Rimini, 49,2 für Rodengo Saiano, 10 zu 12 Torschüsse - eine nahezu perfekte Balance, wenn da nicht dieser Unterschied in der Effizienz wäre. Denn nach dem Seitenwechsel kam der Unterschiedsspieler: Alessandro Vegliaturo. In der 54. Minute verwertete er einen Zuckerpass von Morabito zum 1:2, technisch fein, eiskalt abgeschlossen. "Ich hab gar nicht nachgedacht", lächelte der 22-Jährige hinterher. "Wenn ich denke, geht’s meistens schief." Riminis Abwehr dagegen dachte offenbar zu lange nach, wer den schnellen Flügelmann eigentlich decken sollte. Rimini versuchte’s weiter, Mendicino hatte in der 77. Minute die große Chance zum Ausgleich, doch Keeper Niccolò Argusto fischte den Ball aus dem Winkel und klopfte sich zufrieden auf die Brust. Der alte Haudegen war mit 34 Jahren der Fels in der Brandung, auch wenn er zwischendurch seine Vorderleute lautstark daran erinnerte, dass "Abseits kein Vorschlag, sondern ein Gesetz ist". Als dann in der Nachspielzeit Vegliaturo erneut zuschlug (91.), war die Messe gelesen. 1:3 - und das völlig verdient. Der zweite Treffer des jungen Flügelstürmers war so etwas wie der Stempel unter eine Partie, in der Rodengo Saiano einfach das reifere Team war. Einziger Makel für die Gäste: Die Gelbe Karte für Innenverteidiger Arnaldo Sala kurz vor Schluss (84.) - eine übermotivierte Grätsche, die eher in die Kategorie "symbolischer Einsatz" fiel als in die der Notwendigkeit. Trainer Jan Beyer nahm’s gelassen: "Wenn Arnaldo nicht einmal pro Spiel Gelb sieht, frage ich mich, ob er krank ist." Beyer hatte ohnehin gut lachen. Seine Mannschaft spielte von Beginn an offensiv, mit starker Aggressivität und gutem Timing im Angriff. Die taktische Ausrichtung - offensiv, aber kontrolliert - ging voll auf. Rimini dagegen blieb bei seiner ausgewogenen, fast braven Linie. Kein Pressing, kein Risiko - und am Ende kein Lohn. Trotz der Niederlage gab es in Rimini auch freundliche Gesten. Mendicino klatschte nach Abpfiff mit Vegliaturo ab, die beiden Youngster tauschten Trikots. "Er hat zwei gemacht, ich nur eins - da war das wenigstens fair", witzelte Mendicino. Im Presseraum herrschte später eine Mischung aus Frust und Galgenhumor. "Wir hatten unsere Momente", sagte Riminis Trainer trocken, "aber Momente gewinnen keine Spiele. Tore schon." So blieb den Heimfans nur der Trost, dass die Mannschaft kämpfte - und dass man in Rimini wenigstens Humor hat. Ein älterer Fan murmelte beim Hinausgehen: "Wenn sie so weiterspielen, kommen sie wenigstens mit Stil unter." Ein kleines Fazit: Rodengo Saiano zeigte, was Effektivität bedeutet - drei Tore aus zwölf Schüssen. Rimini hatte genauso viele Chancen, aber eben nur einmal getroffen. Und so wurde aus einem ausbalancierten Spiel ein klarer Sieg für die Gäste. Vielleicht sollte man in Rimini beim nächsten Mal ein bisschen weniger "balanced" und ein bisschen mehr "offensive" versuchen. Schließlich gilt auch im Fußball: Wer nicht wagt, der verliert. 10.04.643994 22:26 |
Sprücheklopfer
Der Herr Kemmling müsste heute normalerweise richtig auf die Fresse kriegen.
Mario Basler