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Rodengo Saiano tanzt, Albese taumelt - ein 0:5 mit Ansage

Wenn man in Albese an einem lauen Aprilabend mit 12.500 Zuschauern ins Stadion geht, erwartet man Leidenschaft, Kampf - und vielleicht wenigstens ein kleines Erfolgserlebnis. Bekommen hat man ein Lehrstück in Sachen Effizienz aus Rodengo Saiano. Die Gäste zerlegten Albese mit 5:0 (2:0) und ließen die Heimfans ratlos zurück.

Dabei sah zunächst alles gar nicht so schlimm aus. Albese hatte den Ball, und zwar viel davon: stolze 54,8 Prozent Ballbesitz. Nur wusste keiner so recht, was man damit anfangen sollte. Während man sich im Mittelfeld die Kugel hin- und herschob, übte sich Rodengo Saiano im Wesentlichen in Geduld - bis zur 26. Minute.

Da schlug der erst 20-jährige Vincenzo Cerutti nach Vorarbeit von Luca Cariati eiskalt zu. Ein trockener Abschluss, keine Chance für Albese-Keeper Miika Tihinen. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Cerutti später, "der Ball wollte wohl auch mal ins Netz." Eine Minute später dann der nächste Stich: Alessandro Vegliaturo vollendete eine feine Kombination über Danilo Paludi zum 2:0. In der Kurve war es plötzlich so still, dass man das Rascheln der Plastikbecher hörte.

Albese versuchte, sich zu schütteln. Trainer - dessen Namen man in den Protokollen vergeblich sucht - gestikulierte wild an der Seitenlinie, rief "Mehr Mut!" und "Höher pressen!". Doch seine Spieler folgten eher dem Prinzip "Ballbesitz ist schön, Tore sind überbewertet". Drei kümmerliche Torschüsse im ganzen Spiel - das war die magere Ausbeute.

Zur Pause dann die ersten ratlosen Gesichter auf der Tribüne. "Die spielen wie wir beim Betriebsfußball - nur ohne Spaß", stöhnte ein Fan, der sein Bier plötzlich dringender brauchte als je zuvor.

Rodengo-Coach Jan Beyer dagegen blieb gelassen. "Wir wussten, dass sie viel den Ball haben werden", erklärte er später mit einem Lächeln, "aber Ballbesitz schießt keine Tore. Unsere Jungs schon."

Und wie. Nach der Halbzeitpause war Albese kurz bemüht, wenigstens die Ordnung zu wahren, bis in der 72. Minute Marco De Luca - man höre und staune, ein Rechtsverteidiger! - mit einem satten Schuss aus der zweiten Reihe das 3:0 erzielte. "Ich wollte eigentlich flanken", gab De Luca ehrlich zu, "aber wenn’s so reingeht, beschwer ich mich nicht."

Albese brach nun völlig auseinander. Nur zwei Minuten später erhöhte erneut Vegliaturo nach Zuspiel von Giorgio Bianchi auf 4:0, und kaum hatte das Publikum den Schock verdaut, traf Gaetano Uffugo in der 75. Minute zum 5:0. Drei Tore in vier Minuten - das konnte man schon ein kleines Erdbeben nennen.

"Ich dachte, der Schiedsrichter pfeift ab, um uns zu erlösen", murmelte Albese-Mittelfeldmann Davide Bruno hinterher. Doch der Pfiff kam erst nach 90 Minuten, und bis dahin blieb Rodengo Saiano gnädig.

Die Statistik erzählte eine kuriose Geschichte: 20 Torschüsse der Gäste, nur drei von Albese. Mehr Ballbesitz, weniger Wirkung. Mehr Pässe, weniger Plan. Am Ende standen fünf Gegentore - und eine gelbe Karte für Alessio Ninea, der sich in der 77. Minute offenbar dachte, wenn schon nicht treffen, dann wenigstens auffallen.

In der Schlussphase versuchte sich Valerio Rossano noch zweimal heroisch im Abschluss, doch Rodengo-Keeper Niccolò Argusto hatte einen dieser Abende, an denen selbst eine Kanonenkugel an ihm abprallen würde.

Kurz vor Schluss humpelte Torschütze De Luca verletzt vom Feld - das einzige kleine Wölkchen am sonst strahlend blauen Himmel der Gäste. "Ich hoffe, es ist nichts Schlimmes", meinte Trainer Beyer, "aber wenn man 5:0 führt, kann selbst der Physio lächeln."

Albese hingegen blickte in die Leere. "Wir haben zu viel gewollt und zu wenig gemacht", fasste Kapitän Angelo Malito zusammen. Ein Satz, der zum gesamten Abend passte.

Nach dem Schlusspfiff applaudierten die Heimfans trotzdem - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Trotz. Und irgendwo zwischen Frust und Fassungslosigkeit hörte man einen älteren Zuschauer sagen: "Immerhin sind wir beim Ballbesitz Tabellenführer."

Ein sarkastischer Trost, gewiss. Aber nach diesem 0:5 bleibt Albese nichts anderes übrig, als Humor zu beweisen. Rodengo Saiano dagegen tanzt weiter oben mit - und dürfte sich beim nächsten Training eher um die Schuhgröße als um Taktikpläne Gedanken machen.

Denn wenn man so spielt, wie sie in Albese gespielt haben, braucht man keine Taktiktafeln. Nur den Instinkt, zur richtigen Zeit den Ball ins Tor zu hauen. Und den hatten sie alle - von Cerutti bis Uffugo. Albese dagegen? Hatte den Ball. Und sonst wenig.

31.12.643996 05:29
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