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Ein milder Frühlingsabend, 6.500 Zuschauer im Stadio Nereo Rocco - und am Ende eine Lehrstunde in Sachen Spielfreude: Rodengo Saiano überrollte die AS Trieste mit 4:1 und ließ die Gastgeber phasenweise aussehen, als hätten sie die Gebrauchsanweisung fürs Verteidigen in der Kabine vergessen. Dabei hatte alles durchaus verheißungsvoll begonnen. Schon in der 7. Minute zeigte sich, dass Rodengo nicht nur mit breiter Brust, sondern auch mit mutigem Innenverteidiger antrat: Federico Di Paolo, sonst eher der Fels in der Abwehr, stürmte nach vorn und köpfte nach einem Eckball von Luigi Scigliano zum 0:1 ein. "Ich wollte eigentlich nur schauen, ob der Ball überhaupt ankommt", grinste Di Paolo nach dem Spiel. "Dann war er plötzlich drin - na gut, nehme ich mit." Trieste brauchte nicht lange, um zu antworten. Nur acht Minuten später schob Pau Mocana nach feinem Zuspiel von Lewis Beaupre eiskalt ein. 1:1 - alles wieder offen, die Tribüne tobte, die Fackeln loderten, und mancher dachte: Heute könnte was gehen. Trainer von Trieste - der Name blieb dem Protokoll verschollen, aber sein Gesicht sprach Bände - brüllte "Avanti ragazzi!", als wolle er damit die Taktiktafel neu schreiben. Doch mit dem Pausenpfiff war klar: Die Gäste hatten mehr vom Spiel. 51 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse insgesamt - gegen mickrige drei von Trieste. Und während die Hausherren es mit gepflegtem Kurzpassspiel versuchten, spielte Rodengo Saiano schnörkellos, fast britisch. "Wir wollten das Spiel nicht kompliziert machen", erklärte Trainer Jan Beyer später. "Einfach Fußball, keine Kunst - die Tore sollen schön aussehen, nicht der Aufbau." Nach der Pause wurde es dann bitter. In der 54. Minute zündete der junge Luca Cariati den Turbo, zog von links nach innen und hämmerte den Ball unhaltbar ins lange Eck. 1:2 - das Momentum kippte endgültig. Trieste wirkte nun wie eine Mannschaft, die noch immer auf den Pausenpfiff wartet. In der 73. Minute war es dann Vincenzo Cerutti, der mit einem trockenen Schuss ins rechte Eck das 1:3 besorgte. Cariati hatte diesmal die Vorarbeit geleistet - offenbar wollte er nach seinem Treffer noch Punkte für die Ästhetikwertung sammeln. "Ich hab ihn nur gesehen und gedacht: Der Junge braucht den Ball", lachte Cariati später. Trieste versuchte es noch einmal, irgendwie. Mocana hatte in der 65. Minute eine gute Chance, sein Schuss aber landete brav in den Armen des Gästekeepers Igor Zunino. Fabrizio Scigliano prüfte Zunino in der 82. Minute noch einmal aus der Distanz - das war’s. Mehr kam nicht. Den Schlusspunkt setzte Gaetano Uffugo in der 89. Minute, nach schöner Vorarbeit von Giorgio Bianchi. Uffugo, 20 Jahre jung, grinste nach dem 1:4, als hätte er gerade sein erstes Auto gewonnen. "Ich hab gar nicht überlegt, einfach draufgehalten", sagte er, "und plötzlich jubelten alle - vielleicht war das ein Zeichen, dass es geklappt hat." Trieste dagegen zerfiel in seine Einzelteile. Ronald Christ kassierte früh Gelb, die Defensive wirkte fahrig, der Mittelfeldmotor stotterte. Nur Torwart Finn Hartmann verhinderte mit ein paar beherzten Paraden Schlimmeres. "Wir waren einfach nicht da", murmelte er nach Abpfiff, "vielleicht lag’s am Flutlicht - oder daran, dass die anderen einfach besser waren." Statistisch gesehen war’s ohnehin eine klare Sache: 14:3 Torschüsse für Rodengo, mehr gewonnene Zweikämpfe, mehr Tempo, mehr Ideen. Und das, obwohl Trainer Beyer zur Pause gleich zwei Spieler auswechselte - federführend den Torschützen Di Paolo. "Federico hatte seine Heldentat, dann durfte er duschen", scherzte Beyer. Das Publikum in Trieste verabschiedete seine Mannschaft mit höflichem Applaus - und einem Schuss Resignation. Man weiß, dass man gegen diese jungen Wilden aus Rodengo Saiano kaum etwas entgegensetzen konnte. Die Gäste feierten ausgelassen vor dem Fanblock, sangen, tanzten, ließen sich fotografieren. Ein Spiel, das in Erinnerung bleiben wird - nicht wegen der Spannung, sondern wegen der Klarheit. Rodengo Saiano spielte Fußball, Trieste schaute zu. Oder, wie es ein älterer Fan auf der Tribüne trocken zusammenfasste: "Wir waren heute Statisten in unserem eigenen Stadion." Und das trifft es wohl ganz gut. 25.08.643996 23:02 |
Sprücheklopfer
Hoch gwinnen wern ma nimma.
Toni Polster in der Halbzeitpause des Länderspiels Spanien gegen Österreich beim Spielstand von 5:0 (Endstand 9:0 für Spanien)