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Rodengo Saiano zerlegt Chevio Verona - ein 5:0 mit Ansage

Ein Montagabend in der Lombardei, Flutlicht, 10.844 Zuschauer, und ein Heimteam, das offenbar beschlossen hatte, keine halben Sachen zu machen: Rodengo Saiano schickt Chevio Verona mit 5:0 nach Hause - und das war, man muss es so sagen, noch schmeichelhaft für die Gäste.

Schon nach einer Viertelstunde war klar, wohin die Reise geht. Giorgio Bianchi, der rechte Mittelfeldspieler mit der Laufleistung eines Marathonläufers und dem Selbstbewusstsein eines brasilianischen Zehners, hatte bereits in Minute 13 und 15 zwei Mal gefährlich abgezogen - beim dritten Versuch (17.) zappelte der Ball im Netz. "Ich dachte mir: Wenn er mir den Ball noch einmal so hinlegt, dann muss es einfach drin sein", grinste Bianchi später, während er sich das Trikot über die verschwitzte Stirn zog.

Chevio Veronas Verteidiger Mateo Penas hatte da schon Gelb gesehen (11.), und es sollte kein guter Abend mehr für ihn oder seine Kollegen werden. Nur vier Minuten nach Bianchis Führungstor erhöhte der 20-jährige Gaetano Uffugo auf 2:0 - nach feiner Vorarbeit von Luca Cariati. Uffugo, der mit seinen jugendlichen 20 Jahren bereits die Körpersprache eines abgeklärten Torjägers hat, kommentierte trocken: "Ich hab gar nicht groß nachgedacht. Wenn ich anfange zu denken, geht’s meistens daneben."

Rodengo Saiano spielte weiter wie im Rausch. Die Gäste aus Verona? Mehr Ballbesitz (55 Prozent), aber gefährlich wurden sie kaum. Ihre fünf Torschüsse wirkten eher wie höfliche Erinnerungen daran, dass man ja theoretisch auch auf das Tor schießen darf.

In der 35. Minute war es dann Cariati selbst, der nach einem butterweichen Pass von Routinier Giacomo Morabito das 3:0 markierte. Trainer Jan Beyer, sonst nicht gerade für überschwängliche Emotionen bekannt, ballte an der Seitenlinie die Faust und rief seinem Mittelfeld zu: "Genau so, Männer! Keine Angst vor großen Namen!"

Mit 3:0 ging es in die Kabinen - und man hatte das Gefühl, dass Rodengo Saiano eher überlegte, wie viele sie noch machen wollten, als ob sie das Spiel vielleicht noch verlieren könnten.

Nach der Pause wechselte Beyer klug: Roggiano kam für Sala (45.), brachte frische Energie ins Zentrum und legte prompt in der 56. Minute Bianchis zweiten Treffer auf. 4:0, die Zuschauer standen Kopf. Beyer lachte nach dem Spiel: "Ich wollte eigentlich defensiver werden. Aber meine Jungs haben wohl die Ansage falsch verstanden."

Chevio Verona indes blieb artig in seiner "balanced"-Taktik, wie das Trainerhandbuch es nennt - was in der Praxis aussah wie: Wir schauen mal, ob’s von allein besser wird. Wurde es nicht. Spätestens in der 72. Minute, als Uffugo nach Vorlage von - natürlich - Bianchi das 5:0 erzielte, war das Spiel endgültig Geschichte.

Die letzten 20 Minuten dienten nur noch der Statistik. Ein paar harmlose Abschlüsse von Verona (Egger 47., Serralta 59. und 76.), ein paar Wechsel bei Rodengo Saiano - Romaniello für Morabito (58.), später Cocco für den jungen Cerutti (88.) - und eine späte Gelbe Karte für Bassi (87.), der offenbar verhindern wollte, dass das Schiedsrichterteam einschläft.

Die Zahlen am Ende: 13 Torschüsse für Rodengo, 5 für Verona, Ballbesitz knapp zugunsten der Gäste, aber ein Tackling-Quotient von 55 Prozent für die Hausherren. Oder, wie Bianchi es formulierte: "Die hatten den Ball, wir hatten den Spaß."

Trainer Beyer fasste es sachlich zusammen: "Wir haben offensiv gespielt, aber diszipliniert. Das war heute ein Statement." Sein Gegenüber, dessen Name in den Unterlagen merkwürdigerweise fehlte, sagte nur: "Ich habe keine Erklärung."

Vielleicht ist das die ehrlichste Analyse des Abends. Denn manchmal gibt es im Fußball einfach Tage, an denen ein Team alles richtig macht - und das andere nur zuschaut.

Rodengo Saiano war an diesem Montagabend so ein Team. Ein Spiel, das in der dritten Liga Italiens für Gesprächsstoff sorgen wird - und das nicht nur wegen der fünf Tore, sondern wegen der Art, wie sie fielen: präzise, schön herausgespielt, mit jugendlichem Übermut und der Abgeklärtheit eines Aufstiegsaspiranten.

Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Wenn die so weiterspielen, müssen sie bald gegen echte Gegner ran."

Ein Satz, den man sich in Verona wohl noch lange merken wird.

22.04.643994 11:30
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