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Rodriguez schockt Meppen früh - TuS Hordel siegt 1:0 im Emsland

Es war kaum angepfiffen, da dürften die 22.266 Zuschauer in der Hänsch-Arena schon ungläubig auf die Anzeigetafel gestarrt haben: 2. Minute, 0:1. TuS Hordels Rechtsaußen Marwin Rodriguez hatte gerade den Ball ins Meppener Netz gedroschen - so trocken, dass selbst seine Mitspieler kurz brauchten, um zu realisieren, was da passiert war. "Ich dachte erst, der Schiri pfeift noch ab", grinste der 22-Jährige später. "Aber dann hab ich gemerkt, der zählt wirklich!"

Der SV Meppen, unter Coach Daniel Borgmann offensiv eingestellt, wurde damit auf dem falschen Fuß erwischt. Borgmann hatte seine Jungs mit offensiver Ausrichtung und viel Ballbesitz auf das Spiel eingestellt - am Ende standen 48 Prozent Ballbesitz und zwei kümmerliche Torschüsse zu Buche. Hordel hingegen: 19 Schüsse, ein Tor, 100 Prozent Effizienz. Oder, wie Gästecoach Ute Finkeldy es nach dem Abpfiff trocken zusammenfasste: "Wir schießen halt lieber einmal richtig als zwanzigmal schön."

Das Spiel begann furios: Schon in der zweiten Minute kombinierte Hordel blitzschnell über die linke Seite. Vincent Albinana flankte halbhoch in den Strafraum, Rodriguez roch die Situation, kam vor Meppens Innenverteidiger Schmitz an den Ball und traf flach ins rechte Eck. Torwart Jürgen Ulrich streckte sich vergeblich - und das Spiel hatte seine Geschichte.

Danach entwickelte sich eine Partie, die man höflich als "einseitig" bezeichnen könnte. Hordel spielte offensiv, suchte immer wieder den Abschluss und zwang Ulrich zu Paraden am Fließband. Besonders der 33-jährige Mittelstürmer Fjodor Koroljuk prüfte den Meppener Keeper mehrfach - in der 9., 16., 31. und 72. Minute - allesamt ohne Erfolg, aber mit Nachdruck. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", meinte Ulrich nach dem Spiel. "Ich glaube, ich habe heute mehr Bälle gefangen als in der ganzen Saison zuvor."

Meppen versuchte, über die Flügel zu kommen, doch Marko Kluge (14.) und Ernst Gruber (48.) fanden kein Durchkommen. Kapitän Noah Browning gestikulierte wild, während Trainer Borgmann an der Seitenlinie die Hände in die Hüften stemmte - ein Bild für die Meppener Offensiv-Misere. "Wir haben alles versucht, aber der Ball wollte einfach nicht rein", sagte Browning später und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Vielleicht war das Tor heute einfach zu klein."

In der 26. Minute wurde Robert Korn für ein rüdes Einsteigen verwarnt - ein Frustfoul, das sinnbildlich für die Meppener Ratlosigkeit stand. Und als in der 77. Minute der junge Peter Berndt verletzt raus musste, war das Pech komplett. "Nichts Schlimmes, nur eine Zerrung", beruhigte Borgmann, doch der Gesichtsausdruck sprach Bände.

TuS Hordel blieb cool. Das Team spielte, als hätte es nie etwas anderes getan als kontern und schießen - und das mit einer fast schon stoischen Selbstverständlichkeit. Nico Blum und Olav Anders versuchten sich ebenfalls mehrmals aus der Distanz, während hinten der erfahrene Keeper Jacob Montgomery jeden Meppener Versuch mit britischer Ruhe entschärfte. "Ich hatte das Gefühl, der hätte auch im Liegestuhl gehalten", murmelte ein Fan auf der Tribüne.

Dass Hordel über 90 Minuten kaum ins Wanken geriet, lag auch an der cleveren Taktik. Finkeldy ließ offensiv, aber kontrolliert kontern - lange Bälle, schnelles Umschalten, Pressing nur bei Bedarf. Genau dieses "kontrollierte Chaos" brachte Meppen zur Verzweiflung. "Wir wussten, dass sie mitspielen wollen", erklärte Finkeldy. "Da lässt man sie halt ein bisschen - und sticht dann zu."

In der Schlussphase warf Meppen noch einmal alles nach vorne, inklusive des Torwarts bei einem späten Freistoß. Doch statt des Ausgleichs gab es nur kollektives Aufstöhnen, als Grubers Schuss in der 89. Minute geblockt wurde. Der Rest war Verzweiflung, Schlusspfiff - und Hordeler Jubel.

"Ein Arbeitssieg", nannte es Rodriguez, "aber ein schöner." Borgmann hingegen sprach von "einem dieser Abende, an denen du noch drei Stunden nach dem Spiel in die Kabine starrst und dich fragst, was da eigentlich passiert ist".

Und während die Hordeler Spieler in der Kabine sangen (angeblich wurde "Rodriguez, du Zaubermaus" angestimmt), blieb im Emsland nur die Erkenntnis: Wenn du in der zweiten Minute ein Tor kassierst und danach 88 Minuten lang anläufst wie gegen eine Betonwand - dann ist Fußball manchmal einfach ein sehr ehrlicher Sport.

Das Fazit: 1:0 für TuS Hordel, ein frühes Tor, viel Fleiß - und ein Meppener Abend zum Vergessen. Doch die Saison ist lang, und vielleicht denkt man in Meppen schon an den nächsten Gegner. Oder wie Borgmann es süffisant formulierte: "Wir haben jetzt genug geübt, wie man nicht trifft. Beim nächsten Mal probieren wir das Gegenteil."

30.01.644003 01:52
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Erich Ribbeck
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