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Es war ein Abend, den man in Rohrbach so schnell nicht vergessen wird. 37.139 Zuschauer im ausverkauften Stadion sahen ein Spiel, das alles bot, was der Fußball zu bieten hat: fünf Tore, Tempo, Emotionen - und eine Portion Chaos, die man fast schon als Vereinsmarke durchgehen lassen könnte. Am Ende siegte der SV Rohrbach mit 3:2 gegen den VfB Merseburg - dank eines überragenden Georg Johansson, der gleich zweimal traf, und eines Stadions, das in der Schlussphase bebte wie ein Presslufthammer. Die Partie begann, als hätte jemand im Stadion die Pausetaste vergessen. Merseburg, offensiv eingestellt, legte los wie die Feuerwehr. Schon nach einer halben Stunde belohnte sich das Team von Dieter Bergmann: Marko Dudic, der rechte Wirbelwind, zog nach feinem Zuspiel von Michele Romano ab - 0:1. Der Gästeblock jubelte, die Heimfans grollten, und Trainer Maik Kuntz schüttelte an der Seitenlinie den Kopf, als hätte ihm jemand die falsche Aufstellung in die Hand gedrückt. Doch Rohrbach antwortete umgehend. Nur zwei Minuten später schlug Rechtsverteidiger Georg Behrendt zu - ja, richtig gelesen: der Verteidiger! Nach einem weiten Ball von Tom Berndt setzte er sich energisch durch und drosch das Leder ins Netz. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Behrendt später, "aber dann war der Ball halt drin. Passiert." Das Spiel wogte hin und her, die Zuschauer kamen kaum zum Durchatmen. In der 42. Minute war es dann Johansson, der nach einer feinen Kombination über die rechte Seite einnetzte. Der Schwede, ohnehin mit einem Hang zum Spektakel, zeigte danach seine berühmte "Eisberg"-Jubelpose. "Ich war einfach heiß", erklärte er später. "Und wenn Georg heiß ist, dann brennt’s auch mal im Strafraum." Doch kaum hatte Rohrbach die Führung bejubelt, kam Merseburg zurück. Eine Minute später köpfte der 22-jährige Amaury Brito nach Flanke von Dudic zum 2:2 ein. "Wir haben kurz vergessen, dass man auch nach einem eigenen Tor noch verteidigen muss", murrte Kuntz in der Pause. Die zweite Halbzeit begann mit einem Paukenschlag - allerdings auf der Torwartposition der Gäste: Keeper Vahit Üzülmez musste verletzt raus, für ihn kam Robert McGowan. Der junge Schotte dirigierte seine Abwehr lautstark, manchmal so laut, dass selbst die Ersatzbank zusammenzuckte. "Ich bin halt ein kommunikativer Typ", grinste McGowan später. Rohrbach übernahm zunehmend die Kontrolle, obwohl Merseburg mit 53 Prozent Ballbesitz statistisch vorn lag. Die entscheidenden Chancen aber gehörten den Hausherren: ganze 19 Torschüsse zählten die Statistiker. Vor allem Johansson und Lindner prüften McGowan im Minutentakt. "Der Ballbesitz war schön, aber Tore zählen halt mehr", kommentierte Bergmann trocken. In der 78. Minute fiel dann die Entscheidung - und wieder hieß der Vollstrecker Johansson. Nach einer butterweichen Flanke von Berndt stieg der Stürmer am höchsten und köpfte unhaltbar ein. Das Stadion explodierte. Kuntz riss beide Arme hoch, Johansson verschwand unter einer Spielertraube, und irgendwo auf der Tribüne fiel ein Bierbecher in Zeitlupe zu Boden - ein Opfer der Ekstase. Merseburg warf in der Schlussphase alles nach vorn, wechselte sogar noch den jungen Fernando de Torre ein, doch die Rohrbacher Defensive hielt stand. Selbst als Brito in der 88. Minute noch einmal gefährlich abzog, blieb Keeper Heinz Heise cool wie ein Kühlschrank. Nach dem Schlusspfiff atmete Kuntz tief durch. "Wir haben heute gezeigt, dass Kampfgeist manchmal mehr wert ist als Ballbesitz", sagte er - und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Sein Gegenüber Bergmann hingegen murmelte: "Wenn wir so weitermachen, brauchen wir bald eigene Torpfosten, die uns mögen." Die Fans feierten ihre Elf minutenlang, Johansson wurde mit Sprechchören bedacht. Der Schwede winkte, zeigte auf seinen Namen auf dem Trikot und rief ins Mikrofon: "Ich liebe Tore - und Currywurst!" Das passte perfekt zu diesem Abend: bodenständig, laut, und ein bisschen verrückt. Am Ende stand ein 3:2, das mehr war als nur drei Punkte - es war ein Statement. Rohrbach bleibt damit oben dran, Merseburg dagegen muss sich fragen, warum man trotz spielerischer Überlegenheit mit leeren Händen dasteht. Vielleicht, weil Fußball manchmal einfach keine Wissenschaft ist. Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn Johansson trifft, kann man sich den Taschenrechner sparen." Und recht hat er. 06.09.643996 15:56 |
Sprücheklopfer
So schnell wie ich heute gelaufen bin, konnte mich keine Kamera einfangen.
Mario Basler