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Ross rettet den Abend: Herzliya trotzt Gela ein 1:1 ab

Es war ein lauer Maiabend in Herzliya, 43.500 Zuschauer im Stadion, die Sonne sank gerade über dem Mittelmeer, als die Champions-League-Hymne verklang und die beiden Teams sich musterten wie zwei Boxer vor dem Gong. Die "Herzliya Yellows" - defensiv eingestellt, konterbereit - gegen die italienisch anmutende Offensivmaschine aus Gela. Am Ende stand ein 1:1, das beiden Seiten zu wenig und doch gerade genug war.

Schon nach fünf Minuten wurde es laut, und zwar nicht wegen eines Fehlers des Stadionsprechers, sondern weil Gela früh zuschlug. Linksverteidiger Jeno Lisztes, der sonst eher für das Grobe zuständig ist, fand sich plötzlich im Strafraum wieder, bekam den Ball von Rechtsverteidiger Jozef Kona in den Lauf und schob trocken zum 0:1 ein. Ein Treffer, der so schnörkellos war, dass man fast das Gefühl hatte, er sei beim Aufwärmen gefallen. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Lisztes nach der Partie, "aber er war wohl anderer Meinung."

Trainer Michael Müller von Gela klatschte damals noch zufrieden in die Hände. "Das war unser Plan: früh Druck, Ball über die Flügel, rein in die Box", erklärte er später im Presseraum. Was er nicht sagte: Danach lief seine Offensivmaschinerie heiß - aber nicht mehr effizient. 16 Torschüsse am Ende, doch nur einer fand den Weg ins Netz.

Herzliya, anfangs sichtlich überfordert, kämpfte sich langsam in die Partie. Trainer Kula Shaker - ja, so heißt er wirklich - blieb stoisch an der Linie, die Arme verschränkt, als wolle er gleich ein Gitarrensolo anstimmen. Seine Elf verteidigte tief, lauerte, und in der 26. Minute kam der Moment, auf den die Fans gewartet hatten. George Ross, bulliger Mittelstürmer mit britischer Nüchternheit, bekam den Ball von Linksverteidiger Georges Preher und wuchtete ihn aus zehn Metern unter die Latte - 1:1.

"Ich hab einfach draufgehalten. Wenn man denkt, schießt man daneben", sagte Ross nach dem Spiel und grinste so breit, dass man ihm die Philosophie abnahm.

Danach wurde das Spiel zu einem taktischen Schach, allerdings mit sehr lebhaften Figuren. Gela presste, kombinierte, verzweifelte. Pablo Tarrega, der 31-jährige Sturmtank, hatte allein sechs Abschlüsse - einer gefährlicher als der andere -, doch Torhüter Cristian Barbu im gelben Trikot hatte offenbar beschlossen, heute unüberwindbar zu sein. Einmal flog er quer durch den Strafraum und fischte den Ball mit der linken Hand aus dem Winkel, als wolle er in Zeitlupe für eine Sportschau-Montage posieren.

"Barbu war heute überirdisch", sagte Kapitän Nawalka. "Ich hab ihm nach dem Spiel gesagt, er soll die Handschuhe einrahmen."

Kurz vor der Pause schwappte das Spiel hin und her, Gela drängte, Herzliya konterte, aber niemand traf. Zur Halbzeit blieb es beim 1:1 - und Shaker lächelte erstmals. "Wir haben 50 Prozent Ballbesitz, das ist bei uns schon fast Revolution", meinte er mit einem süffisanten Unterton.

Die zweite Halbzeit begann, als hätte jemand auf "Wiederholen" gedrückt: Gela drückte, Herzliya wartete. Müller brachte in der 50. Minute Niels Wegener für den glücklosen Postiga - der prompt Gelb sah, ehe er überhaupt richtig im Spiel war. "Er wollte zeigen, dass er da ist", kommentierte Müller trocken.

In der 65. Minute reagierte dann auch Shaker: Berjon, der sich zuvor in jeden Ball geworfen hatte, ging, Sebo kam. Eine Minute später beinahe das 2:1 für Gela: Tarrega traf den Ball perfekt, aber eben auch Barbos rechte Faust.

Herzliya schob in der Schlussphase mutiger nach vorn, Ross noch einmal mit einer Schusschance (47.) und Ricardo Bujia mit einem sehenswerten Distanzversuch (81.), doch der Ball wollte einfach nicht mehr rein. Die Zuschauer standen, pfiffen, schrien - doch das Spiel blieb, was es war: ein gerechtes, wildes 1:1.

Statistisch gesehen war Gela leicht überlegen (16:8 Torschüsse, 54 Prozent Zweikampfquote), doch wer nur Zahlen liest, hat das Herz dieses Spiels nicht verstanden. Es war ein Abend voller Energie, Emotion - und eines dieser seltenen Unentschieden, die sich wie ein kleiner Sieg anfühlen.

"Wenn du auswärts in Herzliya nicht verlierst, hast du etwas richtig gemacht", sagte Müller zum Abschied. "Aber wenn du so viele Chancen vergibst, bist du auch ein bisschen selbst schuld."

Kula Shaker dagegen fasste es in seiner unverwechselbaren Art zusammen: "Wir wollten defensiv stehen, offensiv überraschen - und am Ende überrascht es mich, dass das sogar geklappt hat."

Ein 1:1, das beiden Teams Hoffnung lässt, aber niemanden wirklich glücklich macht. Nur die Zuschauer gingen zufrieden nach Hause - sie hatten schließlich alles gesehen: frühe Tore, viele Chancen und einen Torwart, der zum Helden wurde. Und wer weiß, vielleicht summte Shaker später im Bus heimlich eine kleine Melodie - einfach, weil man mit so einem Abend nur gut gelaunt sein kann.

27.10.643999 04:10
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