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Es war ein kalter Freitagabend in Essingen, aber auf dem Rasen brodelte es: 12.500 Zuschauer sahen ein Duell, das ganz nach dem Geschmack der 2.-Liga-Romantiker war - mit Leidenschaft, Fehlpässen, Grätschen und einem Helden, der eigentlich schon müde gewirkt hatte. Am Ende jubelte TuS Hordel über ein spätes 2:1, während die Spieler des TSV Essingen in die Nacht starrten, als hätten sie gerade erfahren, dass der Bus ohne sie abgefahren war. Dabei fing alles so verheißungsvoll an für die Hausherren. In der 30. Minute tanzte Vitorino Chalana, der flinke Portugiese auf der linken Seite, seinen Gegenspieler aus, zog nach innen - und jagte den Ball nach Vorarbeit von Rechtsverteidiger Zbigniew Janicki humorlos ins kurze Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Chalana nach dem Spiel schmunzelnd zu, "aber der Ball hatte offenbar eigene Pläne." Das 1:0 war verdient, denn Essingen hatte bis dahin die klareren Aktionen, auch wenn der Ballbesitz mit 44,7 Prozent leicht zugunsten der Gäste sprach. Hordel, trainiert von der resoluten Ute Finkeldy, blieb ihrer offensiven Ausrichtung treu, auch wenn das in der ersten Hälfte eher nach "Verzweiflung" als nach "System" aussah. Fjodor Koroljuk ballerte in der 4. Minute den Ball über die Latte, Lennard Rothe prüfte Keeper Marcio Botin wenig später mit einem Schüsschen aus spitzem Winkel. "Wir hätten auch mit einem Medizinball gespielt, das wäre nicht schlechter gelaufen", knurrte Finkeldy später halb im Scherz. Nach dem Seitenwechsel kam Hordel dann mit neuem Mut - und offenbar auch mit besserem Schuhwerk - aus der Kabine. In der 50. Minute war es wieder Rothe, diesmal nach schönem Pass von Koroljuk, der eiskalt zum 1:1 einschob. Der Jubel im Gästeblock war ohrenbetäubend, irgendwo fiel sogar ein Bierbecher in hohem Bogen auf die Laufbahn. "Wir wussten, dass sie wackeln würden, wenn wir dranbleiben", sagte der Doppeltorschütze hinterher mit einem breiten Grinsen. Essingen reagierte mit wütenden Angriffen. Pierre Pelletier, der rechte Flügelwirbler, prüfte den Hordeler Keeper Montgomery gleich zweimal (53./54.), sah aber kurz darauf Gelb, weil er nach einem verlorenen Zweikampf den Ball in Richtung Schiedsrichter drosch - nicht gerade die diplomatischste Art, einen Freistoß zu fordern. Trainer Philipp Wiedmann brüllte von der Seitenlinie: "Pierre! Wir spielen Fußball, kein Curling!" - was ihm immerhin ein Lächeln von der Tribüne einbrachte. Doch Hordel blieb gefährlich. Der Routinier Berndt Brand (35) tauchte kurz nach der Stunde frei vor dem Tor auf, scheiterte aber an Botin. Es war der Moment, in dem man ahnte: Das Spiel hat noch eine Pointe. Und die kam in der 88. Minute. Wieder Rothe, wieder Koroljuk als Vorbereiter - und diesmal zappelte der Ball im Netz. 2:1 für TuS Hordel, das Stadion verstummte für einen Moment. "Ich dachte, der Linienrichter hebt gleich die Fahne", gestand Rothe später, "aber der hatte wohl Mitleid mit uns." Essingen versuchte in den Schlussminuten noch einmal alles, brachte Juanito Cuadrado für den jungen Coelho und warf die Bälle wild nach vorn. Doch es half nichts. Ein letzter Schuss von Avraham Aloni in der 82. Minute war zu harmlos, und als der Schlusspfiff ertönte, riss Hordel die Arme hoch, als hätten sie gerade den Aufstieg klargemacht. Statistisch war es ein enges Ding: 11:9 Torschüsse für die Gäste, die mit 55 Prozent Ballbesitz leicht die Nase vorn hatten. Beide Teams verteilten fleißig Gelbe Karten - je zwei auf Essinger Seite (Pelletier, Bukovi) und zwei bei Hordel (Heller, Held). Aber am Ende zählen eben die Tore, und da hatte die Mannschaft aus dem Ruhrgebiet das letzte Wort. "Wir haben uns selbst besiegt", seufzte Essingens Trainer Wiedmann. "Nach dem 1:0 haben wir aufgehört, Fußball zu spielen. Vielleicht dachten die Jungs, das reicht schon." Seine Kollegin Finkeldy grinste nur: "Ich hab ihnen in der Pause gesagt: Wenn wir weiter rennen, fällt das Tor von allein. Und siehe da - zweimal sogar." Ein Spiel, das kein technisches Meisterwerk war, aber genau deshalb so unterhaltsam. Der TSV Essingen bleibt mit leerem Blick zurück, TuS Hordel dagegen fährt gut gelaunt heim - und vermutlich singt Busfahrer Hansi noch bis Bochum: "Zwei Tore, drei Punkte, eine kalte Nacht - was will man mehr?" Ein bisschen Wärme vielleicht. Doch dafür sorgte Lennard Rothe mit seinem Doppelpack schon ganz alleine. 21.07.643987 03:58 |
Sprücheklopfer
Ich glaube nicht, dass der Verein mir Steine in den Vertrag legt.
Torsten Legat zu evtl. Wechselproblemen mit Eintracht Frankfurt