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Es gibt Spiele, in denen man von der ersten Minute an spürt, dass der Fußballgott heute lieber auf der Tribüne sitzt und Sonnenblumenkerne knabbert. Das Duell zwischen dem VfL Maschen und TuS Esens am 30. Spieltag der Landesliga 6 war so eines - bis zur 83. Minute, als ein Mann mit grauen Schläfen und unerschütterlichem Glauben an den rechten Fuß beschloss, selbst Geschichte zu schreiben: Jannis Rudolph, Rechtsverteidiger, 33 Jahre alt, hauptberuflich Abräumer, teilzeitmäßig nun Legendenbildner. Das Stadion an der Seevetalstraße war mit rund 2000 Zuschauern ordentlich gefüllt, die Luft lau, die Erwartungen hoch - und das Spiel? Nun ja, es begann mit einem frühen Knallgelb: Schon in der fünften Minute zückte der Schiedsrichter die Karte gegen Esens’ Linksverteidiger Venediktos Karras, der offenbar vergessen hatte, dass Grätschen mit gestrecktem Bein nicht zum Yoga-Programm gehört. Von da an war klar: Maschen würde das Spiel machen, und Esens würde kontern - oder es zumindest versuchen. Maschen spielte sich warm wie eine Jazzband, 17 Torschüsse insgesamt, aber ein Tor wollte einfach nicht fallen. Marco Wild, der flinke Linksaußen, prüfte Esens-Keeper Daniel Langer gleich viermal, und jedes Mal sah Langer aus, als hätte er die Handschuhe mit Sekundenkleber an den Ball geschweißt. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft ich Marco im Gesicht hatte", lachte Langer nach dem Spiel und klopfte seinem Gegenspieler kameradschaftlich auf die Schulter. TuS Esens hingegen verlegte sich auf das Wesentliche: lange Bälle, Konter, und das Hoffen auf einen glücklichen Abpraller. Der 17-jährige Lukas Römer durfte in der 79. Minute tatsächlich einmal abziehen - doch VfL-Keeper Carl Abel war hellwach und pflückte den Ball aus der Luft wie ein erfahrener Apfelbauer in der Erntezeit. "Wir haben den Ball laufen lassen, aber er wollte einfach nicht rein", grummelte Maschens Trainer nach Abpfiff, der zwar ungenannt bleiben wollte, aber an der Seitenlinie mit ausladenden Gesten und einem Gesichtsausdruck wie ein Vulkan kurz vor der Eruption aufgefallen war. Die zweite Hälfte begann, wie die erste endete - mit Maschener Chancen in Serie und Esenser Entlastungsangriffen, die man bestenfalls als höfliche Anfragen an die gegnerische Abwehr bezeichnen konnte. Linus Maus versuchte es gleich dreimal zwischen der 66. und 70. Minute, aber seine Distanzschüsse verfehlten das Ziel knapp. "Ich hab gedacht, irgendwann muss doch einer reinrutschen", sagte Maus später. Tja - fast. Und dann kam die 83. Minute. Linus Maus, wieder einmal auf rechts, trieb den Ball nach vorne, blickte kurz hoch, legte zurück auf Jannis Rudolph - und der fackelte nicht lange. Aus rund 20 Metern zog er ab, der Ball bekam einen leichten Effet, küsste die Unterkante der Latte und zappelte im Netz. 1:0. Stadionexplosion. Die Ersatzbank verwandelte sich in ein Knäuel glücklicher Menschen. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Rudolph mit einem schelmischen Grinsen. "Aber wenn’s aussieht wie gewollt, sag ich natürlich: Das war Absicht." Esens’ Trainer Henry Bergheim nahm es sportlich: "Wir haben uns 83 Minuten lang tapfer gewehrt. Aber gegen so einen Sonntagsschuss am Freitagabend kann man wenig machen." Seine Mannschaft hatte bis zum Schluss gekämpft, doch die Offensive blieb zahnlos - vier Schüsse aufs Tor, mehr ließ Maschens stabile Defensive nicht zu. Statistisch war die Sache eindeutig: 55 Prozent Ballbesitz, 17:4 Torschüsse, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe - der VfL Maschen war in allen Belangen überlegen. Nur das Ergebnis spiegelte das lange nicht wider, und genau das machte den späten Treffer so süß. Als der Schlusspfiff ertönte, rissen die Maschener Spieler die Arme hoch, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen. "Das fühlt sich an wie ein Pokalsieg", lachte Linus Maus, während Jannis Rudolph mit dem Spielball in der Hand Richtung Kabine schlenderte - wahrscheinlich, um ihn zu Hause auf den Kaminsims zu stellen. Und was bleibt? Ein Abend, an dem Maschen geduldig, manchmal zu geduldig, auf die Erlösung wartete - und sie schließlich von einem Mann bekam, dessen Hauptaufgabe normalerweise darin besteht, Tore zu verhindern. Der Fußballgott hat also doch eingegriffen - nur eben spät. Vielleicht war er zwischendurch kurz Bier holen. 22.05.644000 16:57 |
Sprücheklopfer
Die Vögel haben noch nicht gezwitschert, als ich gegangen bin.
Mario Basler nach einer Geburtstagfeier von Didi Hamann, die er erst um 3.00 Uhr früh verließ