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45988 Zuschauer hatten sich am Donnerstagabend im Stadion an der Bremer Brücke versammelt - und viele von ihnen dürften sich spätestens zur Pause gefragt haben, ob sie vielleicht versehentlich bei einem Schaulaufen des TSV Rundhof gelandet waren. 1:5 stand es am Ende, und das Ergebnis war so deutlich, wie es klingt. "Wir haben heute Lehrgeld gezahlt - und zwar in Raten", knurrte Osnabrücks Trainer Carsten Baumann nach dem Abpfiff. Dabei begann das Spiel gar nicht so trostlos, wie es das Resultat vermuten lässt. Osnabrück presste mutig, stand hoch, rannte viel - aber Rundhof spielte einfach besser Fußball. Schon in der 19. Minute zappelte der Ball das erste Mal im Netz: Louis Gebhardt, der 32-jährige Linksaußen mit der Eleganz eines Dirigenten, vollendete nach feinem Zuspiel von John Hartshorn zum 0:1. "Ich hab nur den Fuß hingehalten", sagte Gebhardt später grinsend, "das war eigentlich Johns Tor." Osnabrück antwortete mit Einsatz, aber nicht mit Präzision. Jannik Köhler prüfte Gästekeeper Liam Hensley in der 18. Minute, Benjamin Heuer scheiterte kurz darauf ebenfalls - das Glück wohnte an diesem Abend eindeutig in der Rundhofer Kabine. Statt Ausgleich kam die kalte Dusche: In der 37. Minute traf Cesc Quaresma nach Vorlage des überragenden Gebhardt zum 0:2. Zwei Minuten später erhöhte Sasa Jestrovic, von Callum Farnsworth mustergültig bedient, auf 0:3. "Da war die Luft raus", seufzte Baumann später. "Wir wollten offensiv bleiben, aber die Räume, die wir gelassen haben, waren eher Autobahnen." Tatsächlich hatte seine Mannschaft laut Statistik fast gleich viel Ballbesitz (46,5 %), aber die 16 Torschüsse der Gäste gegenüber nur sieben der Hausherren erzählten die wahre Geschichte dieses Abends. Nach der Pause versuchte Osnabrück, mit jugendlichem Elan das Spiel zu drehen. Patrik Voss kam in der 60. Minute, brachte frischen Wind - und tatsächlich gelang ihm in der 73. Minute das Ehrentor. Nach Pass von Moussa Diaby traf der 24-Jährige zum 1:4, nachdem Rundhof zuvor durch Quaresma (65.) und Jestrovic (67.) schon auf 0:5 gestellt hatte. "Ich hab gedacht, die Latte ist mein Freund", scherzte Voss, "aber diesmal war sie gnädig." Zu diesem Zeitpunkt hatte Rundhof längst einen Gang zurückgeschaltet, ohne die Kontrolle zu verlieren. Trainer Du Dado, der an der Seitenlinie überwiegend gelassen wirkte, erklärte hinterher: "Wir wollten kompakt bleiben, über die Flügel kommen und Spaß haben. Drei Punkte sind das Dessert." Sein Team war in jeder Phase des Spiels taktisch diszipliniert, spielte mit einer Leichtigkeit, die fast frech wirkte. Allein Quaresma hätte mit etwas mehr Zielwasser wohl vier Treffer erzielen können - acht seiner 16 Torschüsse gingen auf sein Konto. Auch die Disziplin blieb nicht auf der Strecke: Nur zwei Gelbe Karten kassierten die Gäste - Santiago Corona (74.) und Callum Farnsworth (81.) sahen den Karton. "Wenn du 5:1 führst, darfst du dir auch mal eine Verwarnung abholen", witzelte Farnsworth später. Im Osnabrücker Lager dagegen herrschte Frust. Keeper Christian Hinz, der mit 17 Jahren sein Debüt feierte und in der 80. Minute ausgewechselt wurde, wirkte nach Abpfiff gefasst: "Fünf Gegentore sind hart, aber ich hab viel gelernt. Zum Beispiel, dass Quaresma schneller schießt, als man blinzeln kann." Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft trotzdem mit Applaus - wohl mehr aus Mitleid als aus Begeisterung. Immerhin: Einsatz und Wille stimmten, auch wenn die Abwehr phasenweise wie ein Schweizer Käse wirkte. Statistisch betrachtet war Rundhof in fast allen Belangen überlegen: Mehr Zweikämpfe gewonnen (54 % zu 46 %), mehr Ballbesitz, mehr Ideen. Und wenn Louis Gebhardt und Cesc Quaresma so harmonieren, braucht man in Rundhof keine großen Namen - nur gute Laune und präzise Pässe. "Wir sind auf einem guten Weg", sagte Dado zum Abschied, "aber wir wissen auch: Nächste Woche kann es wieder ganz anders aussehen. Fußball bleibt ein Spiel - kein Gedicht." Ein Gedicht war es für Osnabrück zwar nicht, aber immerhin ein Abend, den man so schnell nicht vergisst. Und wer weiß - vielleicht wird aus dieser Lehrstunde eines Tages die Geschichte vom großen Wiederaufstieg. Heute aber bleibt nur der Satz eines frustrierten Fans auf der Tribüne: "Wenn man schon verliert, dann wenigstens mit Stil - und einem Tor." 11.05.644000 05:55 |
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Vielleicht sollten wir mal einen saufen gehen und uns gegenseitig auf die Fresse hauen.
Mario Basler nach einer Niederlagenserie