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Ein Abend mit 40.557 Zuschauern in Danzig, Flutlicht, Wind vom Meer - und ein Spiel, das man in der Hafenstadt wohl so schnell nicht vergessen wird. Nicht, weil es ein Feuerwerk an Toren war. Im Gegenteil: Es endete 0:1 (0:1) für die Gäste von Rush Chorzow. Aber manchmal ist ein einziges Tor wie ein Paukenschlag - und dieser kam in der 34. Minute von Leandro Couto, dem 32-jährigen Rechtsaußen, der den Ball so trocken ins Netz setzte, dass selbst die Möwen kurz verstummten. "Ich hab’ einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", sagte Couto später grinsend im Kabinengang. "Emil hat mir den Ball perfekt abgelegt, da musst du ja treffen - sonst fliegst du heim zu Fuß." Der angesprochene Emil Musiala, 23, nickte bescheiden: "Das war kein Assist, das war eher eine Rettungstat, bevor ich umgetreten wurde." Bis dahin hatte Rush Chorzow das Spiel im Griff, wie die Statistik später bestätigte: 14 Torschüsse gegenüber mageren zwei der Gastgeber, 57 Prozent Ballbesitz, eine klare Ansage. Trainer Herth Ussia hatte sein Team offensiv eingestellt, ließ aber Pressing weitgehend bleiben - "Wir wollten sie kommen lassen, aber sie kamen ja gar nicht", grinste er nach Abpfiff. Und tatsächlich: BKS Gdansk, trainiert von Mike Matt, wirkte bemüht, aber ideenlos. Die Offensive - mit Marcel Bak und dem jungen Arthur Kajrys - kam kaum zur Entfaltung. Kajrys hatte in der 38. Minute eine seiner seltenen Chancen, doch sein Schuss war eher ein höfliches Anklopfen beim Torwart. "Wir haben gespielt, als wäre das Tor abgesperrt", brummte Matt später. "Die Jungs wollten, aber Rush war wacher, giftiger, einfach besser." Nach dem Seitenwechsel versuchte Gdansk, den Schalter umzulegen. Drei Wechsel in der 60. Minute - frisches Blut sollte helfen. Dennis Nawalka ging, der 18-jährige Jerzy Klose kam, dazu ein neuer Keeper Noe Ogaza und Samuel Ross für den ausgepowerten Savo Kuzmanovic. Doch der Plan verpuffte. Statt Aufschwung kam Unruhe, und kurz darauf humpelte Lukas Hawrylewicz verletzt vom Platz. Rush Chorzow dagegen spielte weiter abgeklärt, als hätten sie ein zweites Tor gar nicht nötig. Couto prüfte den gegnerischen Torwart noch zweimal (71., 90.), Wojcicki wirbelte auf links, und der junge Stanislav Mila vergab freistehend aus acht Metern - "Ich hab den Ball wohl zu sehr angeschaut", murmelte er später kleinlaut. Dass Chorzow zwei Gelbe Karten sammelte (Zarzycki, 54., und Couto, 90.), passte ins Bild: robust, aber nicht unfair. "Wir haben ihnen gezeigt, dass wir hier sind, um zu gewinnen, nicht um Postkarten zu schreiben", sagte Verteidiger Zarzycki mit einem Grinsen, das vermutlich auch beim Schiedsrichter noch nachhallte. Das Publikum in Danzig hielt trotz allem die Stimmung hoch - man kennt hier Leidensfähigkeit. Als der Schlusspfiff ertönte, pfiff ein Teil der Fans, der andere applaudierte dem Gegner. "So ist Fußball", meinte ein älterer Zuschauer mit Schal und Bierbecher. "Manchmal ist der andere einfach besser. Aber wenigstens hat’s nicht geregnet." Trainer Mike Matt suchte nach positiven Worten: "Wir haben Charakter gezeigt. Leider keinen, der Tore schießt." Und Chorzows Coach Ussia fügte trocken hinzu: "Ich hätte gern mehr Tore gesehen - aber nur von uns." So bleibt die Bilanz nüchtern: Rush Chorzow holt drei Punkte, BKS Gdansk bleibt im unteren Tabellendrittel stecken. Die Gäste reisen mit breiter Brust heim - und vielleicht einem Gedanken an Coutos eleganten Treffer, der diesen Abend entschied. Was bleibt für Gdansk? Hoffnung auf bessere Tage, auf mehr Zug zum Tor und vielleicht weniger Pech. Und vielleicht, wie ein Fan beim Ausgang sagte, "ein bisschen mehr Mut, auch mal einfach draufzuhalten - so wie dieser Couto da". Ein Spiel, das kein Spektakel war, aber eine klare Lehre erteilt: Wer schießt, gewinnt. Wer zögert, schaut dem Ball hinterher. Und in Danzig wird man das Klatschen der Chorzow-Bank in der 34. Minute noch lange im Ohr haben. 05.03.644003 08:32 |
Sprücheklopfer
Herzlichen Glückwunsch an Marco Kurz. Seine Frau ist zum zweiten Mal Vater geworden.
Thomas Häßler