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Ein Montagabend in Lima, 20 Uhr, Flutlicht und 42.495 Zuschauer, die eher ein Offensivfeuerwerk als einen taktischen Schachkurs erwartet hatten. Doch Academia Lima unter Trainer Olli Kahn servierte beim 1:0 gegen CF Jose Aurich eher eine Mischung aus kontrollierter Offensive und zäher Geduldsprobe - garniert mit einem Innenverteidiger als Matchwinner. Das Tor des Abends fiel in der 27. Minute, als Javier Sa Pint, sonst als kompromissloser Abräumer bekannt, plötzlich beschloss, seine bisherige Lebensaufgabe - Bälle weghauen - für einen Augenblick zu überdenken. Nach feiner Vorarbeit von Rechtsaußen Lucas Moura schraubte sich der 20-Jährige im Strafraum hoch und köpfte den Ball wuchtig ins rechte Eck. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass es gut geht", grinste Sa Pint später. Es ging gut - und wie. Dabei hatte Academia Lima schon früh die Richtung vorgegeben. Bereits in der dritten Minute prüfte Pieter Tilleman den gegnerischen Keeper Ramon Juanez - ein erster Warnschuss, der allerdings mehr in die Kategorie "Ziel noch nicht kalibriert" fiel. Seppo Uusimäki, der auffällige Finne auf rechts, versuchte es kurz darauf gleich mehrfach, blieb aber an Juanez hängen, der an diesem Abend der beste Mann bei Aurich war - was selten ein gutes Zeichen für eine Mannschaft ist. CF Jose Aurich dagegen kam erst nach der Pause so richtig im Spiel an, nachdem Trainer - dessen Name im Spielbericht aus unerfindlichen Gründen fehlte, aber seine Gesten dafür umso deutlicher waren - gleich doppelt wechseln musste: Rene Erdmann humpelte in der 46. Minute vom Platz, Antonio Diaz kam als Ersatz. "Wir mussten improvisieren, das hat uns etwas den Rhythmus gekostet", murmelte Aurichs Coach später, während er nervös mit der Wasserflasche spielte. Statistisch war die Sache klar: 12 Torschüsse für Lima, nur 3 für Aurich. Der Ballbesitz lag mit 53 zu 47 Prozent knapp zugunsten der Gastgeber, die Zweikampfquote von 56 Prozent unterstreicht, dass Kahns Elf nicht nur schön spielen, sondern auch richtig hinlangen kann. Nestor Delgado bekam dafür in der 71. Minute die Quittung in Form einer gelben Karte - "ein taktisches Foul", wie er es nannte, "oder ein Zeichen meiner Zuneigung zum Gegner", wie der Reporter trocken ergänzte. Die zweite Hälfte begann mit einem doppelten Wechsel bei Lima: Der junge Jordi Roy ersetzte Uusimäki, und Rui da Costa kam für den Torschützen Sa Pint - Olli Kahn wollte offenbar kein Risiko eingehen, dass sein Held des Abends sich noch verletzt. "Er hat schon genug getan, ich wollte ihn in Watte packen", sagte Kahn, halb ernst, halb stolz. Aurich versuchte in der Folge, den Druck zu erhöhen, blieb aber harmlos. Antonio Diaz wagte in der 67. Minute einen verzweifelten Fernschuss, Valter Porvaldsson schloss kurz danach zweimal ab - beides Male landete der Ball in den Armen von Luis Enriquez, Limas Torwart, der ansonsten einen ruhigen Abend verbrachte. In der 70. Minute setzte der eingewechselte Paulo Benito noch ein Zeichen: ein satter Schuss aus 20 Metern, den Juanez mit einer Glanzparade entschärfte. Hätte der Ball gesessen, wäre das Stadion wohl explodiert. Doch auch so war die Stimmung prächtig - vor allem, als Olli Kahn kurz vor Schluss an der Seitenlinie wild gestikulierend seine Abwehr einpeitschte. "Ich wollte, dass sie wach bleiben. Ich kenn das - ein 1:0 ist die gefährlichste Führung der Welt", erklärte er mit einem Lächeln, das eher an seine aktive Zeit erinnerte. Am Ende blieb es beim knappen, aber verdienten 1:0. Academia Lima spielte abgeklärt, Aurich war bemüht, aber zu zaghaft. "Wir haben gefühlt 90 Minuten gegen eine Wand gespielt", stöhnte Aurichs Mittelfeldmann Agustin Moutinho, der selbst noch Gelb sah, als er sich nach einem verlorenen Zweikampf zu laut beklagte. So feierte Lima den achten Heimsieg der Saison, während Olli Kahn auf der Pressekonferenz trocken bilanzierte: "Ich mag Spiele, in denen die Null steht - und wenn wir vorne auch noch treffen, ist das Bonus." Ein Satz, der wohl in Stein gemeißelt gehört. Und irgendwo in Lima wird Javier Sa Pint noch lange erzählen, wie er "damals als Innenverteidiger das entscheidende Tor" machte - vermutlich jedes Mal ein bisschen höher und schöner, als es in Wahrheit war. Doch das ist Fußballromantik, wie sie sein soll: ehrlich, hart, mit einem Schuss Ironie. 07.07.644000 21:52 |
Sprücheklopfer
Vor der Saison hat man mir mitgeteilt, dass wir vorne gut bestückt sind.
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