// Startseite
| Notbremse |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Ein lauer Juniabend, 20:15 Uhr in Jägersburg. 1.913 Zuschauer, Bratwurstgeruch und ein leicht nervöser Stadionsprecher - beste Voraussetzungen für Landesliga-Romantik. Am Ende jubelten jedoch die Gäste aus Saarbrücken, die mit einem klaren 2:0-Sieg die Heimmannschaft in die Sommernacht schickten. Schon in den ersten Minuten zeichnete sich ab, wohin die Reise gehen würde. Während Jägersburgs Trainer - dessen Name sich nach Abpfiff in ratlosen Kopfschütteln und hektischem Notizblättern verlor - seine Elf in einer ausgewogenen Formation aufs Feld schickte, ließ Homer Simpson, ja genau der, an der Seitenlinie von Saarbrücken seine Jungs stürmen wie eine Horde gelb-blauer Wildpferde. "Wir wollten von Anfang an zeigen, dass wir nicht zum Grillen hergekommen sind", grinste er nach dem Spiel, während er demonstrativ am Donut kaute. Saarbrücken war von Beginn an das aktivere Team, hatte fast 60 Prozent Ballbesitz und beeindruckende 15 Torschüsse - gegenüber nur drei auf Seiten der Gastgeber. Besonders auffällig: der 19-jährige Joel Logan, der sich in der 15. Minute durch die Mitte tankte, nur um dann am glänzend reagierenden Lucas Heine im Jägersburger Tor zu scheitern. Heine war überhaupt der Grund, warum es lange beim 0:0 blieb. "Wenn ich ehrlich bin, habe ich irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft der Ball auf mich zukam", sagte der Torhüter später mit einem gequälten Lächeln. Doch kurz vor der Pause brach der Widerstand. In der 42. Minute war es Louis Fischer, der nach einer butterweichen Flanke von Innenverteidiger Marcin Klos (!) artistisch vollstreckte. Der Ball flog wie in Zeitlupe ins lange Eck - und die Jägersburger Abwehr schaute zu wie bei einer Naturdoku über Raubkatzen. "Ich hab einfach draufgehalten", erklärte Fischer hinterher bescheiden. "Marcin meinte vorher noch, ich solle mich mal trauen - also hab ich’s gemacht." Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild kaum. Saarbrücken blieb offensiv, Jägersburg blieb bemüht. In der 58. Minute fiel dann die Vorentscheidung: Emil Musiala, der mit seiner eleganten Ballbehandlung das Mittelfeld dominierte, steckte perfekt durch auf Max Renner. Der 20-Jährige sprintete los, schaute kurz auf und schob eiskalt zum 2:0 ein. "Ich hab gesehen, dass der Keeper kurz gezuckt hat - da wusste ich, wo’s hingeht", erklärte Renner mit einem Grinsen, das ungefähr so breit war wie der Strafraum. Auf der anderen Seite blieb Jägersburgs Offensive ein Fall für die Kriminalpolizei: spurlos verschwunden. Nur einmal, in der 71. Minute, hatte der erfahrene Agisilaos Margaritis eine gute Szene, als er aus halblinker Position abzog - doch Saarbrückens junger Keeper Christian Graf parierte souverän. Danach war Schluss mit der Herrlichkeit. Die letzten Minuten zogen sich wie Kaugummi, garniert von zwei späten Gelben Karten für Lars Sander (91.) und Georg Feldmann (92.), die vermutlich mehr aus Frust als aus taktischer Notwendigkeit resultierten. Statistisch gesehen war das Spiel eine Lehrstunde: 59,9 Prozent Ballbesitz, 15 Torschüsse, zwei Tore - Saarbrücken spielte reif, abgeklärt und mit jugendlicher Unbekümmertheit. Jägersburg dagegen kämpfte, aber fand nie den Schlüssel zum gegnerischen Strafraum. "Wir haben zu brav agiert", bilanzierte Feldmann später. "Vielleicht hätten wir uns ein bisschen von deren Aggressivität abschauen sollen. Oder wenigstens deren Kondition." Trainer Simpson zeigte sich nach Abpfiff zufrieden - und sarkastisch wie immer: "Wenn man 15 Mal aufs Tor schießt, darf man schon zwei reinmachen. Ich hab gesagt: Jungs, denkt dran, das Runde muss ins Eckige - und siehe da, sie hören mir manchmal sogar zu." Jägersburgs Coach wirkte dagegen wie jemand, der gerade den Wetterbericht studiert und festgestellt hat, dass es noch länger trübe bleibt. "Saarbrücken war einfach zu schnell für uns. Wir müssen lernen, dass Fußball nicht bei 70 Minuten aufhört", knurrte er, bevor er in der Kabine verschwand. So blieb ein Abend, an dem die Jugend triumphierte und Homer Simpson einmal mehr bewies, dass man auch mit Humor, Donuts und einer Prise Chaos erfolgreich Fußball spielen kann. Für Jägersburg bleibt die Erkenntnis: Wer nur 40 Prozent Ballbesitz hat, braucht entweder Zauberfüße oder Glück - beides war an diesem Abend eindeutig blau-weiß gefärbt. Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions trocken: "Na wenigstens war das Bier kalt." - Vielleicht das ehrlichste Fazit dieses 4. Spieltags der Landesliga 25. 23.11.644002 02:52 |
Sprücheklopfer
Ich denke, dass man stolz sein kann auf die Leistung von Schalke 04, wegen der Leistung.
Andreas Möller