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Saarbrücken tanzt Mühlberg schwindelig - 4:0-Auswärtssieg mit Ansage

Wenn man in Mühlberg an diesem lauen Maiabend die Augen schloss, konnte man für einen Moment glauben, ein Erstligist sei zu Gast. 1959 Zuschauer, Bratwurstduft in der Luft, Flutlicht, das leicht flackerte - und dann ein Spiel, das für die Heimelf eher als Geduldsprobe denn als Fußballfest endete. Saarbrücken besiegte Mühlberg im Rahmen des 27. Spieltags der Landesliga 25 mit 4:0 (1:0) und ließ dabei keinen Zweifel, wer hier die drei Punkte mit nach Hause nehmen würde.

Schon nach elf Minuten war klar: Das wird ein langer Abend für Mühlberg. Julius Beyer, der rechte Flügelstürmer der Gäste, zog nach einem Pass von Innenverteidiger (!) Nevio Schöne ab. Der Ball küsste noch freundlich die Unterkante der Latte - und landete dann im Netz. Torwart Thomas Schade schaute der Kugel hinterher, als wolle er sichergehen, dass sie wirklich drin war. "Ich hab kurz gehofft, dass der Wind sie noch rausbläst", sagte er später mit einem gequälten Lächeln.

Mühlberg versuchte es danach mit Ballbesitz - immerhin 51 Prozent -, aber Ballbesitz ist bekanntlich kein Tor. Die Saarbrücker standen hoch, pressten geschickt und hatten bis zur Pause 10 Torschüsse zu verzeichnen, während Mühlberg gerade einmal den Versuch startete, die Kugel in Richtung Gäste-Tor zu bugsieren. Trainer Homer Simpson - ja, er heißt wirklich so - stand an der Seitenlinie, grinste zufrieden und rief seinen Jungs zu: "Weiter über die Flügel, Jungs, der rechte Verteidiger hat heute Feierabend!"

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: Saarbrücken im Angriffsmodus, Mühlberg im Überlebenskampf. In der 51. Minute durfte sich dann auch Nevio Schöne selbst in die Torschützenliste eintragen. Nach einer Ecke von Yannik Christ stieg der Innenverteidiger am höchsten und köpfte das 2:0. "Ich dachte, der Ball fliegt über mich drüber, aber dann war er plötzlich da - und ich auch", grinste Schöne später.

Ein bitterer Moment folgte wenig später für den jungen Yannik Christ: Schon mit Gelb verwarnt, grätschte er in der 66. Minute etwas zu beherzt in Mühlbergs Yannick Hofer - Gelb-Rot, ab in die Kabine. Saarbrücken also mit zehn Mann. "Ich wollte nur den Ball treffen", stotterte der 18-Jährige nach dem Spiel, "aber der Ball wollte wohl nicht."

Doch selbst in Unterzahl blieb Saarbrücken die bessere Mannschaft. Mühlberg kam zwar zu zwei Abschlüssen - durch Hofer (70.) und Schröter (77.) -, doch beide Male blieb der Ball brav in den Handschuhen von Keeper Christian Graf. "Wenn man schon nur zweimal aufs Tor schießt, sollten die wenigstens gefährlich sein", murmelte Mühlbergs Trainer nach dem Schlusspfiff, während er seine Mannschaft wortlos in die Kabine schickte.

In der 79. Minute fiel die endgültige Entscheidung, als Jan Fritz nach schöner Vorarbeit von Marwin Thiel den Ball eiskalt ins rechte Eck setzte. Der 19-jährige Mittelstürmer hatte noch nicht genug: In der Nachspielzeit (90.) vollendete er einen Konter nach Pass von Routinier Torsten Bach zum 4:0-Endstand. "Ich glaub, ich hab gar nicht nachgedacht - einfach draufgehauen", meinte Fritz, der damit seinen ersten Doppelpack der Saison schnürte.

Saarbrücken hätte das Ergebnis sogar noch höher schrauben können - 19 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache. Mühlberg dagegen wirkte, als hätte man den Ball lieber in den eigenen Reihen behalten wollen, statt ihn gefährlich nach vorn zu tragen. Die Zweikampfquote von nur 43 Prozent rundete das Bild ab.

Trainer Simpson zeigte sich nach dem Spiel gewohnt launig: "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn’s läuft, läuft’s - und wenn nicht, dann laufen sie halt mehr." Mühlbergs Kapitän Dennis Fuchs fand dagegen klare Worte: "Wir haben uns zu spät gewehrt. Vielleicht hätten wir schon beim Aufwärmen aggressiver sein müssen."

Am Ende applaudierten die heimischen Fans trotzdem - nicht aus Freude, sondern aus Respekt. Saarbrücken hatte Fußball gezeigt, Mühlberg immerhin Haltung. Und während der Schiedsrichter die Partie abpfiff, grinste Simpson breit und rief Richtung Pressebank: "Ich liebe dieses Spiel - fast so sehr wie Donuts!"

Vielleicht das schönste Kompliment des Abends.

Denn wer mit zehn Mann noch zwei Tore nachlegt, darf sich ruhig etwas Selbstironie gönnen. Mühlberg dagegen wird in der kommenden Woche versuchen müssen, die eigenen Offensivprobleme zu lösen - und vielleicht auch einen Weg finden, das nächste Mal nicht nur mitzuspielen, sondern mitzutreffen.

Ein Spiel, das klare Antworten gab: Saarbrücken ist in dieser Liga eine Klasse für sich - und Mühlberg hat nun ein Lehrvideo, das man sich besser nicht zu oft anschaut.

17.04.644000 23:37
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