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3246 Zuschauer im Saarbrücker Stadion sahen an diesem lauen Maiabend ein Spiel, das eigentlich nur einen Sieger hätte kennen dürfen - und es war nicht Friedrichstal. Doch Fußball hat bekanntlich seine eigenen Gesetze, und eines davon lautet: Wer Chancen nicht nutzt, bekommt irgendwann die Quittung. Saarbrücken verlor am 20. Spieltag der Landesliga 25 mit 0:1 gegen abgeklärte Gäste, die aus drei Torschüssen das Maximum herausholten. Von Beginn an legten die Hausherren los, als wollten sie das Torverhältnis der Liga sprengen. Schon nach sechs Minuten prüfte der 19-jährige Jan Fritz den gegnerischen Keeper Mathias Thiel, der mit einem Reflex die frühe Führung verhinderte. "Ich hab ihn noch am Ärmel gespürt", grinste Thiel später, "und dachte, wenn ich den jetzt nicht halte, fahr ich mit dem Fahrrad heim." Saarbrücken spielte unter Coach Homer Simpson - ja, so heißt er wirklich - offensiv, mit Flügelspiel und viel Pressing. Louis Fischer und Julius Beyer wirbelten über außen, und im Zentrum zog der erfahrene Markus Schöne die Fäden. Chancen? Jede Menge. Tore? Fehlanzeige. Simpson fasste es später mit trockenem Humor zusammen: "Wir hätten heute bis Mitternacht spielen können - der Ball wollte einfach nicht rein. Vielleicht hat jemand das Tor verriegelt." Dann kam die 36. Minute. Friedrichstal hatte bis dahin kaum den eigenen Schatten über die Mittellinie getragen. Ein Befreiungsschlag von Innenverteidiger Patrick Peter landete über Umwege bei Ralf Henning auf der rechten Seite. Der sah, dass Saarbrückens Keeper Günter Bode etwas weit vor dem Kasten stand - und zog einfach mal ab. Der Ball flog in einem perfekten Bogen über den verdutzten Bode hinweg ins Netz. 0:1. Friedrichstals erster ernsthafter Versuch - und gleich drin. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Henning nach dem Spiel lachend. "Aber wenn’s so aussieht, war’s natürlich volle Absicht." Was danach folgte, war eine Mischung aus Verzweiflung, Pech und einer Prise Slapstick. Jan Fritz scheiterte gleich dreimal aus bester Position (23., 29., 33.), Louis Fischer hämmerte den Ball in der 56. Minute an den Pfosten, und Markus Schöne drosch in der 85. Minute das Leder aus fünf Metern über die Latte. Auf der Tribüne hörte man nur noch ein kollektives Stöhnen. Ein älterer Fan kommentierte trocken: "Die können ja auch beim Schützenfest keinen Luftballon treffen." Statistisch gesehen war Saarbrücken das klar bessere Team: 52 Prozent Ballbesitz, 16 Torschüsse, eine Zweikampfquote von fast 58 Prozent. Friedrichstal kam auf magere drei Abschlüsse - aber eben auf das eine Tor. "Das ist Effizienz in Reinform", schmunzelte Gästetrainer Jürgen Peter (nicht verwandt mit Torschützen Patrick Peter). "Wir wussten, dass Saarbrücken stürmt wie ein Orkan, also haben wir uns lieber festgebunden und gehofft, dass das Dach hält." In der zweiten Hälfte wurde es zunehmend ruppiger. Gelbe Karten regneten auf beiden Seiten: Yannik Christ und Nevio Schöne bei den Hausherren, Patrick Peter, Lars Kuehn und am Ende sogar Ezequiel Morais sowie Christopher Krebs bei den Gästen. "Da war mehr Gelb als auf einer Bananenplantage", kommentierte ein Zuschauer süffisant. In der Nachspielzeit versuchte Saarbrücken noch einmal alles. Fritz und Schöne feuerten zwei letzte Verzweiflungsschüsse ab (92. und 94.), doch Thiel im Friedrichstaler Tor hielt, was zu halten war - und manchmal auch, was eigentlich unhaltbar war. Als der Schlusspfiff ertönte, sank Homer Simpson auf die Knie, während Gästespieler Henning jubelnd in die Nacht lief. "Wir haben heute Fußball gearbeitet, nicht gespielt", sagte Henning mit einem Augenzwinkern. Simpson hingegen blieb bei seiner gewohnt humorvollen Art: "Ich geh jetzt Donuts essen. Vielleicht treffe ich da wenigstens mal was." Und so bleibt die bittere Bilanz: Ein Spiel, das Saarbrücken hundert Mal gewinnt - aber eben nicht an diesem Dienstagabend um 20:15 Uhr. Friedrichstal nimmt drei Punkte mit, Saarbrücken bleibt ratlos zurück. Vielleicht war’s einfach einer dieser Tage, an denen der Ball ein Eigenleben führt. Oder, wie Markus Schöne es formulierte: "Manchmal ist das Tor halt kleiner, als es aussieht." Und irgendwo in Friedrichstal, das darf man annehmen, lacht Ralf Henning noch immer über seine "Flanke mit Folgen". 19.02.644000 06:23 |
Sprücheklopfer
Ich kann es mir als Verantwortlicher für die Mannschaft nicht erlauben, die Dinge subjektiv zu sehen. Grundsätzlich werde ich versuchen zu erkennen, ob die subjektiv geäußerten Meinungen subjektiv sind oder objektiv sind. Wenn sie subjektiv sind, dann werde ich an meinen objektiven festhalten. Wenn sie objektiv sind, werde ich überlegen und vielleicht die objektiven subjektiv geäußerten Meinungen der Spieler mit in meine objektiven einfließen lassen.
Erich Ribbeck