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Ein lauer Frühsommerabend im Estádio de Cerrense, 35.027 Zuschauer, und man hatte das Gefühl, sie bekämen gleich zwei Spiele zum Preis von einem. Was CD Cerrense und Constant Spring da am ersten Spieltag der Challenger League-Gruppenrunde boten, war kein gewöhnliches Fußballspiel - das war ein Feuerwerk mit taktischen Überraschungen, Slapstickmomenten und einem Mann im Mittelpunkt, der offenbar beschlossen hatte, dass vier Tore an einem Tag durchaus ein Statement sind: Alexandre Saint-Pierre. Dabei begann alles so verheißungsvoll für die Gastgeber. In der 15. Minute nahm Ryan Skene einen butterweichen Pass von Sean MacPhee mit der Brust an, drehte sich einmal um die eigene Achse und drosch das Leder aus spitzem Winkel ins Netz. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte Trainer Leahcim Gnipeur später, "aber Ryan hat einfach beschlossen, die Physik zu ignorieren." Doch die Freude hielt ganze drei Minuten. Constant Spring antwortete prompt - und wie. Callum Morriss, der Mann fürs Grobe im Mittelfeld, schickte Saint-Pierre steil, und dieser überwand Cerrenses Keeper Joseba Mendes eiskalt. 1:1, und die Gäste begannen, ihr Offensivkonzert aufzubauen. In der 32. Minute war es der 19-jährige Ethan Hensley, der nach einer Ecke goldrichtig stand und zur 2:1-Führung einköpfte. Trainer Max Wegner rief ihm beim Jubel zu: "Mach das noch zehnmal, und du darfst die nächste Pressekonferenz übernehmen." Cerrense wirkte danach bemüht, aber nicht inspiriert. Zwar hatten sie mit 13 Torschüssen und knapp 47 Prozent Ballbesitz kein schlechtes Zahlenmaterial, aber die Präzision fehlte. Saint-Pierre und Co. dagegen spielten, als gäbe es Bonuspunkte für Stil. In der 51. Minute verkürzte Arnau Sa Pint nach einer Standardsituation auf 2:2 - ausgerechnet der Innenverteidiger, der sonst lieber hinten Ordnung hält. "Ich wollte eigentlich nur klären", grinste Sa Pint, "aber dann dachte ich: Wenn schon hier vorne, dann richtig." Doch Constant Spring ließ sich den Spaß nicht verderben. Nur fünf Minuten später wieder Saint-Pierre, diesmal aus dem Nichts - ein trockener Schuss, flach ins Eck, Mendes streckte sich vergeblich. 3:2 für die Gäste. Cerrense reagierte mit Wut und verstärktem Pressing, Gnipeur feuerte von der Seitenlinie Anweisungen wie ein Dirigent bei der Generalprobe. In der 69. Minute sah Hans Jakobsen Gelb, nachdem er Saint-Pierre unsanft stoppte - ein Foul, das mehr Verzweiflung als Bosheit erkennen ließ. Dann kam die 79. Minute, und Saint-Pierre machte seinen Hattrick perfekt. Ein kurzer Doppelpass mit Poggi, ein Haken, ein Schlenzer - 4:2. Im Gästeblock sangen die Fans, als hätten sie gerade die Liga gewonnen. "Ich hab ihm vor dem Spiel gesagt, er soll einfach Spaß haben", meinte Coach Wegner trocken. "Er hat’s wohl etwas zu wörtlich genommen." Cerrense bäumte sich in der Nachspielzeit noch einmal auf. Der eingewechselte Christian Petrizzi setzte Alejandro Nani in Szene, der aus dem Rückraum zum 3:4 traf. Ein Hoffnungsschimmer, der aber nur drei Minuten hielt - Saint-Pierre, wer sonst, machte in der 94. Minute mit seinem vierten Treffer alles klar. Endstand 5:3 für Constant Spring. Statistisch gesehen war’s eine enge Angelegenheit: 19 Torschüsse der Gäste, 13 der Heimelf, Ballbesitz leicht zugunsten der Springers, die aber das entscheidende Quäntchen Effizienz hatten. Cerrense dagegen kämpfte mit der eigenen Defensive mehr als mit dem Gegner. "Wir haben uns selbst geschlagen", seufzte Trainer Gnipeur. "Und Saint-Pierre hat uns die Schaufel gereicht." Nach Abpfiff klatschten sich die Spieler freundschaftlich ab, während Saint-Pierre lässig den Ball unter den Arm klemmte - sein Souvenir des Tages. Auf die Frage, ob er ihn signieren lassen wolle, grinste er: "Nur, wenn Mendes unterschreibt. Der hat ihn schließlich am häufigsten gesehen." So bleibt Constant Spring nach diesem 5:3-Spektakel der lachende Sieger eines turbulenten Auftakts, während Cerrense sich wohl fragen wird, ob man gegen einen Mann wie Saint-Pierre überhaupt ein taktisches Rezept finden kann. Der Fußballabend hatte alles - Tore, Drama, Gelbe Karten, und das Gefühl, dass man dabei war, als ein Spieler für 90 Minuten den Rasen zu seiner Bühne machte. Oder, wie ein alter Cerrense-Fan beim Hinausgehen brummte: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Stil. Nur bitte nächstes Mal ohne französische Zauberer." 27.12.644002 20:42 |
Sprücheklopfer
Das Positive war, dass wir hinten zu Null gespielt haben. Das Negative war, dass wir auch vorne zu Null gespielt haben.
Felix Magath