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Salzburger Sturm fegt über London hinweg - Gunners im eigenen Stadion zerlegt

Es war ein lauer Maiabend in London, die Sonne sank langsam hinter den Tribünen des Emirates-Nachbaus, 33.915 Zuschauer waren gekommen - und viele davon dürften sich schon zur Halbzeit gefragt haben, ob sie das Rückflugticket nach Österreich gleich mitlösen könnten. Denn was der ASK Salzburg an diesem Abend beim 0:4 (0:1) gegen die London Gunners veranstaltete, war eine Lehrstunde in Sachen Effizienz, Spielfreude und, man muss es so sagen, Chuzpe.

Schon nach wenigen Minuten war klar, dass die Salzburger nicht zum Sightseeing angereist waren. Vitor Bosingwa holte sich in Minute zwei zwar eine gelbe Karte - vermutlich eine Art Begrüßungsgeschenk an den Schiedsrichter -, aber das beeindruckte die Gäste wenig. Der Ball lief, die Beine auch, und spätestens als Taner Demirkiran in der 24. Minute zum ersten Mal traf, kippte die Stimmung. Der Flügelstürmer wuchtete den Ball nach einem Pass von Abwehrchef Gerhard Hess unter die Latte - 0:1, die Londoner Defensive sah dabei aus wie Touristen in der Rush Hour.

"Wir wollten eigentlich ruhig anfangen", sagte Gunners-Trainer Hubert Wetzel später mit bitterem Lächeln. "Aber Salzburg hat uns gar nicht gelassen. Ich glaube, die haben selbst den Rasen angegriffen."

In der Tat: 16 Torschüsse der Gäste, nur drei der Gunners. Salzburg hatte 54 Prozent Ballbesitz - und das, obwohl sie ihr Spielsystem auf "offensive Balance" eingestellt hatten. Die Gunners dagegen: ebenfalls offensiv, aber offenbar nur im Kopf. "Wir hatten mehr Ballkontakte als Tore", knurrte Kapitän Marco Runge. "Das war’s dann aber auch schon mit den positiven Zahlen."

Nach dem Seitenwechsel wurden die Österreicher endgültig übermächtig. In der 52. Minute erhöhte Martin Auch, der unermüdliche Linksaußen, nach feinem Zuspiel von Emil Musiala auf 0:2. Da half auch kein britischer Rasenfluch mehr. Auch grinste später: "Ich hab einfach draufgehalten - in Salzburg sagen wir: Wenn du nicht schießt, wirst du nicht treffen."

Von da an wurde es ein Schaulaufen. Die Gunners liefen, Salzburg spielte. In der 77. Minute wieder Demirkiran, diesmal von Musiala bedient - 0:3. Die Londoner Fans, sonst eher stoisch, begannen zu pfeifen. Als derselbe Demirkiran neun Minuten später nach Vorlage von Mika Kuqi auch noch das 0:4 markierte, verließen viele Zuschauer fluchtartig die Tribüne.

Trainer Ronnie Ekström blieb dennoch bescheiden: "Wir haben hart gearbeitet, aber das Ergebnis sieht deutlicher aus, als es war." Eine Aussage, die wohl nur in Österreich als Understatement durchgeht. Denn de facto waren die Salzburger in jeder Kategorie überlegen - mehr Schüsse, mehr Zweikämpfe gewonnen (57 Prozent), mehr Ideen.

Die Gunners hingegen schienen in einer Art taktischer Endlosschleife gefangen. Ihr Offensivsystem blieb über 90 Minuten unverändert, das Pressing blieb aus - vielleicht, weil man erst gar nicht in Ballnähe kam. Der junge Stürmer Carles Estevez mühte sich redlich, hatte zwei ordentliche Chancen (15. und 66. Minute), aber ohne Unterstützung blieb er so isoliert wie ein Teebeutel im leeren Becher.

Nach dem Abpfiff versuchte Wetzel, die Moral zu retten: "Wir sind jung, wir lernen. Heute haben wir gelernt, dass man gegen Salzburg besser keine offenen Türen anbietet." Der Satz löste in der Pressekonferenz ein Schmunzeln aus - auch bei Ekström, der trocken konterte: "Wir nehmen Geschenke dankend an."

Taner Demirkiran, der Mann des Abends mit drei Treffern, wurde später von einem englischen Reporter gefragt, ob er sich nun den Ball mit nach Hause nehme. "Natürlich", grinste er. "Der passt perfekt in mein Wohnzimmer - gleich neben den Fernseher, auf dem ich mir das Spiel noch mal anschaue."

So endete ein Abend, an dem die Gunners wie Amateure wirkten und Salzburg wie ein Champions-League-Team auf Urlaub. Die Londoner Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit höflichem, aber frostigem Applaus. Vielleicht dachten sie, dass man so wenigstens stilvoll verliert.

Und irgendwo in der Kabine soll ein Gunners-Spieler leise gemurmelt haben: "Vier Tore kriegen und trotzdem 46 Prozent Ballbesitz - das ist doch auch eine Art von Kontrolle."

Eine bittere Pointe eines Spiels, das ganz nach österreichischem Geschmack verlief - würzig, direkt und mit Nachschärfe im Abgang.

23.08.644000 02:48
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