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Ein lauer Maiabend, 27.270 Zuschauer, Flutlicht über dem Traunsee - und am Ende ein Ergebnis, das beim SV Gmunden niemand so richtig in den Abendkaffee rühren wollte: 1:3 hieß es nach 90 intensiven Minuten gegen den ASK Salzburg. Dabei hatte es zur Pause noch nach einem offenen Schlagabtausch ausgesehen, nach einem jener Spiele, in denen man sich fragt, ob das Leder je den Weg ins Netz finden wird. Doch dann kam Minute 50. Martin Auch, Salzburgs quirliger Linksaußen, fasste sich ein Herz, schlenzte den Ball nach Vorlage von Verteidiger Gerhard Hess ins lange Eck - und brachte die Gäste in Führung. "Ich hab einfach draufgehalten. Der Ball wollte wohl rein - manchmal ist Fußball ganz simpel", grinste der 29-Jährige nach dem Spiel. Gmunden antwortete prompt, nur vier Minuten später. Roland Ivana, der auffälligste Mann der Hausherren, nutzte ein Durcheinander im Salzburger Strafraum, nachdem Klaus Karl irgendwie den Ball nach vorne gestochert hatte. 1:1, das Stadion tobte, Trainer Paul Gloesmann ballte die Faust, und kurz schien es, als wolle sein Team die Partie drehen. "Da hatten wir sie kurz, wirklich kurz", seufzte Gloesmann später. Aber Salzburg wäre nicht Salzburg, wenn sie nicht eiskalt zuschlagen würden. In der 62. Minute zirkelte Michel Ackermann den Ball nach feiner Vorarbeit von Pedro Mendez ins Netz - und nur sieben Minuten später setzte der eingewechselte Einar Schmidt mit einem satten Linksschuss nach Zuspiel von Israel Shum den Deckel drauf. 3:1, Spiel entschieden, Gmunden konsterniert. Die Statistik bestätigt, was das Auge sah: Salzburg hatte mehr vom Spiel (54 Prozent Ballbesitz), schoss häufiger aufs Tor (14:9) und war letztlich schlicht effizienter. Gmunden kämpfte, rannte, presste - aber ohne zählbare Wirkung. Der Heimtrainer fasste es trocken zusammen: "Wir spielen 45 Minuten lang wie ein Orchester und in der zweiten Halbzeit wie eine kaputte Trommel." Salzburgs Coach Ronnie Ekström zeigte sich zufrieden, aber nicht ohne nordischen Understatement-Humor: "Wir haben gut reagiert, als Gmunden ausgeglichen hat. Danach war’s solide. Mehr brauche ich nicht zu sagen - wir sind ja keine Oper, sondern eine Fußballmannschaft." Eine Oper war es tatsächlich nicht, eher ein Drama in drei Akten: Im ersten tasteten sich beide Mannschaften ab, Chancen hüben wie drüben - Ivana, Haag und Burghgraeve prüften Salzburgs Keeper Nelson Moutinho früh, während Martin Auch auf der Gegenseite schon in der vierten Minute gefährlich wurde. Im zweiten Akt kamen die Tore, Schlag auf Schlag, begleitet von Gmundens verzweifelten Versuchen, das Spieltempo hochzuhalten. Und im dritten Akt folgte der langsame, aber unausweichliche Niedergang der Hausherren. Besonders bitter: Innenverteidiger Klaus Karl kassierte in der 88. Minute noch Gelb - sinnbildlich für einen Abend, an dem Gmunden oft zu spät kam. "Ich wollte den Ball spielen, aber der Ball wollte mich nicht", murmelte Karl in der Mixed Zone. Die Fans sahen es mit Galgenhumor. "Wenn wir wenigstens beim Abschlag punkten könnten", witzelte ein Zuschauer, während er seine Wurstsemmel nach der Partie in den Müll warf. Immerhin: Nachwuchsspieler Filip Henriksson durfte in der 74. Minute sein Heimdebüt feiern - er kam für den ausgelaugten Gunnar Svendsen. Auch Osip Malzew und Alois Heinz wurden eingewechselt, doch die späten Wechsel blieben ohne Wirkung. Salzburg brachte das Ergebnis routiniert über die Zeit, selbst die Verletzung von Inigo Cruz (71.) sorgte nur kurz für Unruhe. Am Ende stand ein verdienter Sieg für die Gäste, die mit dieser Leistung eindrucksvoll ihre Ambitionen in der "1. Liga Österreich" unterstrichen. Gmunden dagegen muss sich fragen, warum nach einem soliden ersten Durchgang die Ordnung so schnell verloren ging. Torhüter Jozef Hlinka brachte es auf den Punkt: "Manchmal siehst du die Lawine kommen - und kannst trotzdem nicht weglaufen." Vielleicht war das das treffendste Bild für diesen Abend am Traunsee. Salzburg rollte an, wuchtig, präzise, unaufhaltsam. Und Gmunden blieb nur das Staunen - und die bittere Erkenntnis, dass das nächste Heimspiel dringend gewonnen werden muss, um nicht selbst unterzugehen. Aber immerhin: Das Panorama war schön. 15.10.643999 19:05 |
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