Heraldo de Mexico
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San Luis tanzt - Pachuca stolpert: Ein 5:0, das keiner kommen sah

Ein lauer Maiabend, 45.548 Zuschauer im Estadio Alfonso Lastras - und ein Spiel, das Deportivo Pachuca wohl am liebsten aus den Geschichtsbüchern tilgen würde. UD San Luis spielte beim 5:0 (3:0) am 34. Spieltag der 1. Liga Mexico nicht nur Fußball, sie zelebrierten ihn. Trainer Michael Meyer grinste nach dem Schlusspfiff über beide Ohren: "Ich habe meinen Jungs gesagt, sie sollen einfach Spaß haben - offenbar haben sie mich zu wörtlich genommen."

Von Beginn an war zu spüren, dass San Luis Lust hatte. Die Taktik: offensiv, forsch, fast schon frech. Pachuca dagegen wirkte, als hätte man ihnen vor dem Anpfiff gesagt, das Spiel beginne morgen. Zwar hielten sie den Ball mit knapp 48 Prozent Ballbesitz einigermaßen in den eigenen Reihen, doch was sie damit anstellten, war - freundlich formuliert - überschaubar.

Schon in der 25. Minute nahm das Unheil seinen Lauf. Inigo Muno, der flinke linke Mittelfeldspieler, zog nach Pass von Xabier Conceicao einfach mal ab. Der Ball zischte ins lange Eck - 1:0. Pachucas Torwart Reece Haddock schaute dem Leder hinterher, als wolle er sichergehen, dass es die Linie tatsächlich überquert. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte er hinterher - was wohl eine kreative Form des Galgenhumors ist.

Nur wenig später, in Minute 43, legte Daniel Galindo nach. Nach feinem Zuspiel von Nelson Ferron tanzte er seinen Gegenspieler aus und schob locker ein - 2:0. Und weil UD San Luis gerade so gut drauf war, erhöhte Gerhard Bach noch vor der Pause (45.) mit einem satten Schuss aus spitzem Winkel auf 3:0. "Ich habe einfach draufgehalten", grinste Bach später, "und gehofft, dass keiner den Ball fängt. Hat geklappt."

Zur Halbzeit sah man Huub Stevens, Pachucas Trainer, auf der Bank sitzen - die Arme verschränkt, den Blick leer. Er wirkte wie jemand, der sich fragt, ob er vielleicht versehentlich beim falschen Spiel gelandet ist. Seine Elf hatte zu diesem Zeitpunkt mehr Gelbe Karten (eine, für Emilio Solana) als ernsthafte Torchancen.

In der zweiten Hälfte änderte sich - nichts. San Luis kombinierte weiter, als sei das Tor ein Magnet. Pachuca blieb harmlos, selbst Philippe Graves’ Schuss in der 69. Minute war eher ein höflicher Gruß an Torwart Leif Damgaard.

Dann die Nachspielzeit. Die meisten Zuschauer dachten, es sei vorbei - doch San Luis hatte noch nicht genug. In der 93. Minute schob Galindo nach Pass von Tiago Pelaez zum 4:0 ein. Zwei Minuten später nutzte Bach einen Konter, nach Vorlage von Markus Tolsa, zum 5:0-Endstand. Die Tribünen bebten, und irgendwo im Presseraum war selbst der Kaffee plötzlich süßer.

"Wir wollten zeigen, dass wir mehr können als nur mitspielen", sagte Trainer Meyer nach dem Spiel. "Fünf Tore sind schön, aber ehrlich gesagt: Die Jungs hätten auch sechs machen können." Er zwinkerte, während Huub Stevens nebenan in der Pressekonferenz nur trocken anmerkte: "Manchmal ist der Gegner eben besser. Heute war er viel besser."

Die Statistik untermauerte das Bild: 17 Torschüsse für San Luis, nur 6 für Pachuca. Ballbesitz fast ausgeglichen, aber die Zweikampfquote klar bei den Gastgebern. Und während San Luis mit jedem Angriff gefährlicher wurde, verhedderte sich Pachuca in Fehlpässen und Frust. Drei Gelbe Karten - ein Fingerzeig auf wachsende Hilflosigkeit.

Ein besonderer Moment spielte sich in der 21. Minute ab, als Pachucas Ernesto Aznar verletzt raus musste. Sein Ersatz Cesc Etxeita kam, aber auch er konnte den Kurs nicht ändern. "Ich bin reingekommen und dachte: Jetzt drehen wir das. Fünf Minuten später stand’s 1:0 für die anderen", sagte Etxeita und zuckte die Schultern.

UD San Luis schloss den Abend mit einer Ehrenrunde ab, während die Gäste möglichst schnell im Kabinentrakt verschwanden. Gerhard Bach, Doppeltorschütze und Publikumsliebling, fasste das Ganze mit einem Schmunzeln zusammen: "Heute hat einfach alles gepasst - Sonne, Rasen, Gegner."

Vielleicht war dieses Spiel mehr als nur ein Kantersieg - vielleicht ein Statement. San Luis, oft als Außenseiter belächelt, zeigte, dass Leidenschaft und Mut manchmal mehr zählen als Namen auf dem Trikot.

Huub Stevens hingegen dürfte eine lange Nacht gehabt haben. "Kopf hoch, Männer", soll er in der Kabine gesagt haben. "Aber bitte erst, wenn ihr das Stadion verlassen habt."

Ein Schlusswort? Nun - wenn Fußball ein Tanz ist, dann hat San Luis an diesem Abend Salsa getanzt. Pachuca dagegen suchte noch nach dem Taktstock.

19.07.644000 01:00
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Freundschaften zählen für mich sehr, aber nicht in diesem Geschäft. Ich habe Jürgen Gelsdorf vor die Tür gesetzt, der war sogar mein Trauzeuge.
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