Jornal do Brasil
+++ Sportzeitung für Brasilien +++

Santo Andre dreht auf - Teenager Mocana zündet das Feuerwerk

Ein Freitagabend in Santo Andre, 20 Uhr, Flutlicht, 32.244 Zuschauer - und ein Spiel, das zunächst nach Routine roch, dann aber zu einer kleinen Fußballparty wurde. AD Santo Andre besiegte UD Ponte Prata am 17. Spieltag der 1. Liga Brasilien mit 3:1 (1:1) und zeigte dabei, dass jugendlicher Übermut und altgediente Cleverness eine ziemlich explosive Mischung ergeben können.

Dabei begann der Abend gar nicht so verheißungsvoll für die Hausherren. Schon in der 11. Minute schockte Ignacio Gomez die Fans mit einem trockenen Linksschuss ins lange Eck - 0:1. Der 33-jährige Argentinier jubelte mit einer Selbstverständlichkeit, als wäre das Stadion sein Wohnzimmer. "Ich dachte, das wird ein langer Abend", gab Santo-Andres Trainer Alexander Pachmann später zu, "aber dann kam dieser Junge…"

Gemeint war Vitorino Mocana. 17 Jahre jung, linke Außenbahn, keine Angst, nur Adrenalin. Erst prüfte er in Minute 34 und 44 den Torwart Duarte Futre, dann ließ er in der 45. Minute die Arena explodieren: Nach einem butterweichen Zuspiel von Leandro Ze Castro schob Mocana eiskalt zum 1:1 ein. Der Knirps riss die Arme hoch, grinste über beide Ohren - und bekam prompt Gelb, weil er beim Jubel das Trikot auszog. "Ich wusste gar nicht, dass das verboten ist", lachte er später, "aber der Schiri war wohl kein Romantiker."

Mit diesem Ausgleich war das Spiel gedreht - zumindest emotional. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete: mit einem offensiven Santo Andre, das sich plötzlich an seinem eigenen Mut berauschte. In der 53. Minute zirkelte Benjamin Heighway, der 36-jährige Altmeister im Sturm, den Ball nach Vorarbeit von Amit Tamuz ins Netz. Nur 60 Sekunden später revanchierte sich Heighway auf seine Weise: Er legte quer auf Caio Custodio, der mit einem satten Schuss das 3:1 markierte. Ein Doppelschlag, wie aus dem Lehrbuch.

"Ich habe einfach gespürt, dass wir das heute nicht mehr hergeben", sagte Caio nach dem Spiel, während er sich lächelnd den Schweiß von der Stirn wischte. "Benjamin hat mir den Ball so serviert, das hätte sogar unser Torwart getroffen."

Ab da war die Messe gelesen. Ponte Prata hatte zwar mit 52 Prozent leicht mehr Ballbesitz, doch die Gäste wirkten harmlos - sechs Torschüsse, die meisten davon aus der zweiten Reihe. Santo Andre dagegen feuerte aus allen Lagen: 13 Schüsse aufs Tor und eine Zweikampfquote von guten 54 Prozent. Das war kein filigraner Samba-Fußball, sondern ehrliche, zielstrebige Arbeit. "Wir wollten nicht schön spielen, wir wollten gewinnen", grinste Trainer Pachmann und fügte sarkastisch hinzu: "Schön spielen können wir nächste Woche wieder, wenn’s regnet."

Taktisch blieb Santo Andre über die gesamte Partie offensiv ausgerichtet. Kein Pressing-Wahnsinn, keine wilden Formationswechsel - einfach kontrollierte Angriffslust. Ponte Prata dagegen blieb zu brav, zu "balanced", wie es im modernen Fußballsprech heißt. Zwei Gelbe Karten - David Zorea (8.) und Nevio Moutinho (24.) - waren die einzige Spur von Aggressivität, die die Gäste hinterließen.

Ein kurzer Schreckmoment folgte zu Beginn der zweiten Hälfte, als Mocana nach einem Foul liegen blieb. "Ich hab nur kurz Sternchen gesehen", erzählte er später. "Dann hat mir Heighway gesagt: ’Steh auf, Junge, wir haben noch was zu tun.’" Gesagt, getan - und fünf Minuten später stand’s 3:1.

Nach Abpfiff feierten die Fans ihre Mannschaft mit Samba-Rhythmen und Handylichtern. Der Teenager Mocana wurde zum Publikumsliebling, Heighway zum väterlichen Helden, und Trainer Pachmann lachte: "Wenn die beiden so weitermachen, muss ich bald gar nichts mehr coachen."

UD Ponte Prata hingegen wirkte ratlos. "Wir waren eigentlich nicht schlechter", murmelte Kapitän Milos Filipovic in die Mikrofone, "aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb." Da hat er recht - in Santo Andre ging es um Effizienz, Leidenschaft und ein bisschen jugendlichen Wahnsinn.

Am Ende blieb ein 3:1, das deutlicher war, als es die Statistik vermuten lässt. Und ein Abend, der vielleicht der Anfang einer großen Geschichte ist: die des 17-jährigen Mocana, der sein erstes Ligator schoss und dabei aussah, als hätte er gerade den Schulbus verpasst - und trotzdem pünktlich zur Legende kam.

Ein bisschen Pathos darf sein, schließlich ist Fußball manchmal eben doch ein Märchen. Und in Santo Andre glaubt man seit Freitagabend wieder an Happy Ends.

12.12.643999 13:21
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