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Wenn 31.839 Zuschauer an einem lauen Aprilabend ins Bruno-José-Daniel-Stadion strömen, dann erwarten sie Spektakel. Bekommen haben sie: ein 1:0. Aber was für eins! AD Santo André besiegt am 27. Spieltag der 1. Liga Brasilien den Traditionsklub Vasco da Gama - knapp, aber verdient, effizient, fast schon mathematisch präzise. Von Beginn an marschierte das Team von Trainer Alexander Pachmann nach vorne, als hätte jemand den Offensivmodus auf Dauerbetrieb gestellt. Das passte: laut Taktiktafel stand da in fetten Buchstaben "OFFENSIVE". Und so sah’s auch aus. Schon in der 3. Minute prüfte Paulo Garcia den jungen Vasco-Keeper Luís Nene, der den Ball mit einem Katzenreflex über die Latte lenkte. Wenig später drosch Caio Custodio gleich doppelt aufs Tor (30. und 31.), aber immer war da ein Bein, ein Handschuh oder das berühmte Quäntchen Pech im Weg. Vasco hingegen? Vier Torschüsse in 90 Minuten. Vier! Trainer Patrick Kunz Gouveia sah das wohl ähnlich, als er nach dem Spiel trocken meinte: "Wir hatten heute das Gefühl, Santo André hätte mit zwei Bällen gespielt - und wir mit keinem." Seine Jungs standen tief, sehr tief. In der ersten Halbzeit wirkte es, als sei der Mittelkreis eine verminte Zone, die man besser nicht betritt. Dann kam die 51. Minute, und mit ihr der Moment, den sich die Heimfans wohl einrahmen werden: Amit Tamuz nahm einen Querpass von Caio Custodio zentral vor dem Strafraum an, lupfte den Kopf - und setzte den Ball so präzise ins rechte Eck, dass man fast glauben konnte, er habe vorher den Winkel mit dem Geodreieck ausgemessen. 1:0. Die Bank sprang auf, Trainer Pachmann warf die Arme in die Luft, und Tamuz grinste später: "Ich wollte eigentlich passen. Aber dann sah ich das Netz so schön offen - da hab ich’s mir anders überlegt." Danach spielte Santo André wie ein Team, das weiß, dass es besser ist, aber trotzdem nicht loslassen kann. 19 Torschüsse, 55,7 Prozent Ballbesitz, 55,9 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Zahlen, die jede Statistiksoftware zum Schnurren bringen. Nur das zweite Tor fehlte. "Wir hätten das Ding früher zumachen müssen", knurrte Pachmann nach dem Spiel. "Aber solange die Null steht, ist der Fußballgott milde." In der 68. Minute versuchte Vasco noch einmal, den Schalter umzulegen. Der junge Oscar Ibano, 21 Jahre alt und mit der Energie eines Duracell-Hasen ausgestattet, zog von links nach innen - aber sein Schuss landete dort, wo Vasco an diesem Abend alles versenkte: in den Armen des gegnerischen Keepers. Kurz darauf begann Kunz Gouveia zu wechseln. Ryan Ireland kam für den erschöpften Aaron Gallagher, Hemming Gade ersetzte James Kennedy. Doch das brachte mehr frischen Wind auf die Bank als auf den Platz. Santo André blieb am Drücker, ließ Ball und Gegner laufen und hatte in Person von Paulo Garcia (85.) und Caio Custodio (86.) noch zwei Großchancen, die den Deckel endgültig draufgemacht hätten. Die einzige Gelbe Karte des Abends sah Ethan Haddington - ein rustikaler Innenverteidiger alter Schule, der in der 49. Minute offenbar vergessen hatte, dass Grätschen von hinten seit den 90ern eher unpopulär sind. "Ich hab den Ball gespielt", beteuerte er nach dem Spiel. "Nur war der Ball halt... sehr schnell weg." Als Schiedsrichter Dos Santos schließlich abpfiff, atmete das Publikum auf - nicht vor Spannung, sondern vor Erleichterung. Der Sieg war verdient, aber er hätte deutlicher ausfallen können, ja müssen. Trotzdem: Drei Punkte, ein Heimsieg, ein Tamuz in Torlaune - was will man mehr? "Wir haben gezeigt, dass wir mit Geduld und Struktur Spiele gewinnen können", bilanzierte Trainer Pachmann in der Pressekonferenz, während hinter ihm ein Mitarbeiter noch den Laptop mit der Taktikgrafik zuklappte. Gouveia nahm’s sportlich: "Wenn man defensiv beginnt und defensiv endet, darf man sich über ein offensives Ergebnis des Gegners nicht wundern." Vielleicht war’s kein Spiel für die Geschichtsbücher, aber eines für die Freunde des gepflegten 1:0. Ein Abend, an dem Santo André die Kontrolle nie verlor, Vasco zu brav blieb - und Amit Tamuz bewies, dass Mathematik manchmal Tore schießt. Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein älterer Fan beim Hinausgehen: "Ein Tor reicht, wenn’s das Richtige ist." Recht hat er. 26.11.643996 12:54 |
Sprücheklopfer
Wenn ich über das Wasser laufe, dann sagen meine Kritiker, nicht mal schwimmen kann er.
Berti Vogts