Jornal do Brasil
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Santo Andre zaubert, Figueira verzweifelt - ein 2:4 mit Lehrwert

Ein warmer Juniabend in Florianópolis, 27 000 Zuschauer, ein sattgrünes Spielfeld - und am Ende vier Gegentore für den FC Figueira. Der 4. Spieltag der 1. Liga Brasilien brachte eine Begegnung, die alle Zutaten eines munteren Offensivabends hatte: Tempo, Tore, leichte Verzweiflung und ein Trainer, der nach Abpfiff mehr Fragen als Antworten hatte.

Dabei begann alles so vielversprechend. Schon nach 14 Minuten donnerte Julian Caneira, der quirlige Rechtsaußen, die Kugel nach schöner Vorarbeit von Niklas Heinze zum 1:0 in die Maschen. "Ich dachte, das läuft heute wie im Training", grinste Caneira später, als er mit einem Eisbeutel auf dem Knie in der Mixed Zone stand. Doch der Fußballgott hatte andere Pläne: Santo Andre ließ sich vom frühen Rückstand nicht beeindrucken, sondern legte eine Lehrstunde in Effizienz hin.

Nur 15 Minuten später war es der 18-jährige Dominique Bergen - ein Name, den man sich merken muss -, der nach einem perfekten Steckpass von Amit Tamuz eiskalt zum Ausgleich traf (29.). Vier Minuten darauf drehte der Routinier Louis Lutz das Spiel komplett, als er eine butterweiche Flanke von Amadeus Mieciel volley in den Winkel setzte. 1:2 nach 33 Minuten, und die Heimfans rieben sich die Augen. "Wir haben uns da ein bisschen zu sehr auf unser Publikum verlassen", murmelte Figueira-Coach Mike Borzinsky später und sah dabei aus, als hätte er lieber einen Regenschirm als ein Mikrofon in der Hand.

Zur Halbzeit hielt die Statistik ein seltenes Kuriosum bereit: 50,8 Prozent Ballbesitz für Figueira, 13 Torschüsse gegen 12 - und trotzdem lag das Heimteam hinten. Die Gäste aus Santo Andre spielten weiter mit einem fast schon arroganten Selbstbewusstsein, als hätten sie in der Pause beschlossen, die Liga von hinten aufzurollen. Offensiv, aber nie planlos, setzten sie auf präzises Kombinationsspiel. Trainer Alexander Pachmann erklärte trocken: "Wir wollten einfach nur Spaß haben. Und wenn dabei vier Tore rauskommen, beschwere ich mich nicht."

In der 58. Minute war es wieder so weit: Hugo Derlei, der flinke Rechtsaußen, netzte nach Vorarbeit von Bergen zum 1:3 ein. Derlei rannte jubelnd zur Eckfahne, breitete die Arme aus - und sah dabei aus, als könne ihn kein Verteidiger der Welt stoppen. Borzinsky dagegen verschränkte die Arme und trat eine unschuldige Wasserflasche um.

Doch Figueira gab sich nicht auf. In der 77. Minute wuchtete Hartmut Stefan den Ball nach einer Ecke von - man höre und staune - Innenverteidiger Ernst Balzac per Kopf zum 2:3 ins Tor. Das Stadion erwachte, die Fans glaubten wieder. "Da dachte ich kurz: Jetzt geht’s noch mal richtig los", sagte Stefan nach dem Spiel. Zwei Minuten später machte Louis Lutz mit seinem zweiten Treffer alle Hoffnungen zunichte - 2:4, der Drops war gelutscht.

Danach blieb Figueira bemüht, aber glücklos. Stefan, Heinze und Caneira feuerten noch einige Schüsse aufs Tor ab, doch Santo Andre-Keeper Rafael Blanco blieb souverän. Und als in der 84. Minute Sebastian Szukala sich noch eine gelbe Karte abholte, war der Frust endgültig sichtbar. "Wir wollten zeigen, dass wir kämpfen", rechtfertigte sich Szukala, "aber manchmal kämpft man eben gegen die falschen Dinge - zum Beispiel gegen die Realität."

Statistisch betrachtet war es ein Duell auf Augenhöhe: 13 Torschüsse für Figueira, 12 für Santo Andre, praktisch identischer Ballbesitz und eine Zweikampfquote, die mit 49,8 zu 50,2 Prozent kaum knapper hätte ausfallen können. Doch Fußball wird nicht nach Prozentpunkten entschieden, sondern nach Toren - und da stand am Ende ein klares 2:4.

Im Presseraum wirkte Trainer Pachmann fast verlegen über den eigenen Erfolg. "Ich sage den Jungs immer: Tore sind wie gute Witze - sie kommen besser, wenn man sie nicht ankündigt", schmunzelte er. Borzinsky hingegen versprach, "die Defensive neu zu sortieren - und vielleicht auch die Getränkekisten, die nach dem Spiel gelitten haben."

So geht Figueira mit hängenden Köpfen in die nächste Trainingswoche, während Santo Andre den zweiten Auswärtssieg in Folge feiert. Die Zuschauer verabschiedeten beide Teams mit Applaus - vielleicht aus Höflichkeit, vielleicht, weil sie ahnten, dass sie ein Spiel gesehen hatten, das man so schnell nicht vergisst.

Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein alter Fan leise: "Vier Tore sind vier Tore - egal, wer sie schießt." Eine bittere Wahrheit, die an diesem Abend in Figueira besonders laut nachhallte.

23.11.644002 03:03
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