// Startseite
| El Peruano |
| +++ Sportzeitung für Peru +++ |
|
|
|
Es war einer dieser Abende in Chiclayo, an denen 20.000 Zuschauer zwar Fußball sehen wollten, aber am Ende eher eine Lehrstunde in Geduld bekamen - und in Effizienz. CF Jose Aurich unterlag am 3. Spieltag der 1. Liga Peru mit 0:2 gegen eine Academia Lima, die nicht glitzerte, sondern schlicht funktionierte. "Wir haben das Spiel kontrolliert, ohne es je völlig zu beherrschen", erklärte Olli Kahn, Trainer der Gäste, nach der Partie mit diesem typisch ernsten Blick, der selbst ein 2:0 wie eine Pflichtaufgabe wirken lässt. Seine Mannschaft tat genau das, was man von einer gut geölten Maschine erwartet: früh anlaufen, ruhig bleiben, wenn’s mal nicht klappt - und auf Javier Santos vertrauen. Santos, der flinke Linksaußen mit der Körpersprache eines Mannes, der grundsätzlich weiß, wo das Tor steht, sorgte bereits in der 20. Minute für die Führung. Nach feinem Zuspiel von Jukka Hietanen schlenzte er den Ball an Keeper Julian Galindez vorbei ins lange Eck. Ein Treffer, so präzise wie ein chirurgischer Schnitt. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Santos später - und niemand glaubte ihm. Das frühe 0:1 schien CF Jose Aurich kurz zu lähmen. Trainername war an diesem Abend zwar keiner auf der Anzeigetafel, aber seine Elf spielte, als stünde dort: "Versuchen Sie es mit Gefühl." Der Ballbesitz von knapp 48 Prozent täuscht: Oft landete das Leder nach zwei Pässen wieder bei den Gästen. Leandro Mocana hatte in der 30. Minute die einzige echte Chance für die Hausherren - ein Schuss, halbherzig, halb gefährlich, aber immerhin halbwegs aufs Tor. Academia Lima dagegen schoss sich warm. 17 Abschlüsse insgesamt, ein Dauerfeuer, das in manchen Phasen an Handball erinnerte: querlegen, zurücklegen, wieder draufhalten. David Galindo prüfte Galindez mehrfach (3., 35., 61.), Jordi Roy zog aus allen Winkeln ab, und selbst Linksverteidiger Arnfinn Berg mischte sich in den Angriff ein - bevor er später in der 85. Minute Gelb sah und nur vier Minuten später mit Gelb-Rot vom Platz musste. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch offensiv kann", murmelte Berg beim Gang in die Kabine. Doch selbst in Unterzahl blieb Lima gefährlicher. In der Nachspielzeit, als Aurich noch einmal alles nach vorn warf - sprich: zwei Spieler -, konterten die Gäste eiskalt. Der eingewechselte Paulo Benito sprintete über rechts, legte quer, und wieder war es Santos, der mit einem trockenen Schuss zum 0:2-Endstand traf (92.). Ein Doppelschlag über 70 Minuten verteilt - Ausdruck einer Überlegenheit, die nie spektakulär, aber stets beruhigend wirkte. "Wir wollten unbedingt den Ausgleich, aber dann war’s halt der Knockout", seufzte Jose-Aurich-Stürmer Miguel Assis, der den Ball über weite Strecken nur aus der Luft beobachtete. "Die da vorne bei Lima, die sind einfach schneller gelaufen als unsere Gedanken." Statistisch gesehen war es ein Klassenunterschied: 17:1 Torschüsse, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Lima, und ein Pressing, das zwar laut Daten "nicht aktiv" war, aber in der Realität Aurichs Aufbau regelmäßig zerstörte. Kahns Mannschaft wirkte eingespielt, diszipliniert - und beinahe gelangweilt von der eigenen Überlegenheit. Taktisch blieben beide Teams erstaunlich ähnlich aufgestellt, beide mit offensiver Ausrichtung, beide mit "balanced passing". Der Unterschied lag darin, dass Lima den Ball tatsächlich zum Mitspieler brachte. "Wir haben kurz gespielt, sie haben kurz gedacht", frotzelte Hietanen nach dem Spiel, während er sich mit Santos um das letzte Stück Obst im Kabinenbuffet stritt. Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierten die Fans trotzdem. Vielleicht aus Gewohnheit, vielleicht aus Respekt, vielleicht weil man nach 92 Minuten sitzen einfach wieder aufstehen wollte. CF Jose Aurich bleibt nach diesem Abend jedenfalls auf der Suche - nach Ideen, nach Toren und nach einem Rezept gegen Javier Santos. Olli Kahn dagegen gab sich gewohnt nüchtern: "Zwei Tore, drei Punkte, keine Verletzten - das ist das, was zählt." Dann fügte er mit einem kaum merklichen Lächeln hinzu: "Und wenn Santos weiter so trifft, darf er vielleicht mal flanken." Ein Spiel ohne Drama, aber mit klarer Botschaft: Wer Chancen will, muss sie sich erarbeiten. Wer sie hat, sollte sie so nutzen wie Javier Santos - mit Stil, Präzision und einem Schuss Ironie. Und CF Jose Aurich? Die werden nächste Woche wieder antreten. Vielleicht dann mit mehr Ideen. Vielleicht auch nur mit mehr Kaffee. 03.09.644000 19:01 |
Sprücheklopfer
Die Vögel haben noch nicht gezwitschert, als ich gegangen bin.
Mario Basler nach einer Geburtstagfeier von Didi Hamann, die er erst um 3.00 Uhr früh verließ