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Ein Freitagabend in Huancayo, 20.000 Zuschauer, milde Andenluft - und am Ende ein Spiel, das zeigte, was Fußball manchmal so ungerecht macht: Atletico Huancayo rannte, kämpfte, schwitzte, aber Academia Lima nahm die Punkte mit nach Hause. 1:2 hieß es am Ende, und das dank eines Mannes, der an diesem Abend einfach nicht zu stoppen war: Javier Santos. Schon nach 19 Minuten ließ der 24-jährige Flügelstürmer die Heimfans verstummen. Ein blitzschneller Doppelpass mit dem jungen Lucas Moura, ein Haken nach innen, und dann dieser trockene Schuss ins linke Eck - Torhüter Vitor Travassos streckte sich vergeblich. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber der Junge hat einfach weitergemacht", murmelte Huancayos Abwehrchef Salvador Zubiaurre später in die Mikrofone, als könne er es selbst kaum glauben. Doch Huancayo wäre nicht Huancayo, wenn man sich so leicht geschlagen gäbe. Nur 13 Minuten später, in der 32. Minute, war es der Teenager Matias Capone, der die Arena in ein Tollhaus verwandelte. Nach einer präzisen Flanke von Marc de Villota zog Capone volley ab - der Ball klatschte an die Unterkante der Latte und sprang ins Tor. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Capone nach dem Spiel, "aber wenn’s reingeht, sag ich natürlich, das war Absicht." Mit dem 1:1 ging es in die Pause, und die Statistik sprach eine klare Sprache: Lima mit 10 Torschüssen, Huancayo mit gerade einmal zwei - aber eben einem Treffer. Trainer Olli Kahn, der bei Academia Lima an der Seitenlinie stand, war sichtlich unzufrieden. In der Halbzeitpause schleuderte er seine Trinkflasche so wuchtig in die Coachingzone, dass selbst der vierte Offizielle kurz zusammenzuckte. "Wir waren zu nett", sagte Kahn später. "Ich habe den Jungs gesagt, sie sollen endlich zeigen, dass sie Männer sind. Und siehe da - sie haben’s verstanden." Die zweite Hälfte begann mit einem Feuerwerk der Gäste. Santos prüfte Travassos gleich dreimal (47., 84., 92.), Lucas Moura drosch den Ball aus 20 Metern an den Pfosten, und der eingewechselte Finne Seppo Uusimäki sorgte mit seiner nordischen Kälte für Unruhe in der Huancayo-Abwehr. "Die spielen, als hätten sie noch eine dritte Lunge", stöhnte Huancayos Mittelfeldmann Sergio Barros, als er nach 70 Minuten vom Feld trottete. Dann die 84. Minute: Carlos Galindo tanzt auf links, zieht zwei Verteidiger auf sich und legt im perfekten Moment quer auf - natürlich Santos. Der trifft aus sieben Metern zum 1:2. Ein klassischer Killerinstinkt. "Ich hab nur den Geruch des Tors gespürt", sagte Santos mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Bescheidenheit und Selbstlob pendelte. Huancayo versuchte in den letzten Minuten alles, die Fans schrien sich heiser, doch mehr als ein gefährlicher Schuss von Manuel Velez kam nicht heraus. Das lag auch daran, dass Lima mit 16 Torschüssen und 57 Prozent gewonnener Zweikämpfe einfach präsenter war. "Wir haben es versucht, aber irgendwann war’s wie gegen eine Wand", fasste Trainer Jean Mendez (Huancayo) resigniert zusammen. Kurz vor Schluss sah Capone noch Gelb (83.) - aus Frust, wie er später zugab: "Ich wollte den Ball, hab aber stattdessen den halben Gegner getroffen." Auf der anderen Seite kassierte auch Limas Innenverteidiger Nestor Delgado (78.) einen Karton, was Kahn kommentarlos hinnahm. "Wenn man nicht wenigstens einmal Gelb sieht, war man nicht wirklich da", grinste er. So endete das Spiel, wie es die Statistik erwarten ließ, aber das Herz der Huancayo-Fans blutete trotzdem. Ballbesitz: fast ausgeglichen (50 zu 50). Einsatz: unbestritten. Doch Effizienz? Ganz klar Lima. "Fußball ist manchmal wie ein schlechtes Gedicht", meinte ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions. "Viel Gefühl, aber am Ende versteht keiner, warum es so ausgeht." Und irgendwo in der Kabine von Academia Lima hallte Kahns Stimme nach: "Gut, Jungs - aber das nächste Mal machen wir’s früher klar." Huancayo dagegen wird sich an diesem Abend vor allem an einen Namen erinnern: Javier Santos - der Mann, der kam, schoss und verschwand, als wäre es das Normalste der Welt. Ein verdienter, wenn auch etwas unsympathisch effizienter Sieg für Academia Lima. Und für Huancayo bleibt die bittere Erkenntnis, dass Leidenschaft zwar schön ist - aber Tore eben schöner sind. 14.04.643997 16:56 |
Sprücheklopfer
Das ist Schnee von morgen.
Jens Jeremies