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Saviese tanzt, Long trifft: 4:1-Gala gegen Wettingen

Ein Donnerstagabend in Saviese, 20:15 Uhr, fast 5000 Zuschauer - und ein Fußballspiel, das in der zweiten Halbzeit von einem Mann entschieden wurde: Aaron Long. Drei Tore, ein Tänzchen vor der Fankurve, und ein SC Saviese, der den SC Wettingen beim 4:1 (1:1) phasenweise schwindlig spielte.

Dabei hatte alles recht harmlos begonnen. Die Sonne war gerade hinter den Walliser Bergen verschwunden, als Saviese früh das Kommando übernahm. Schon nach vier Minuten prüfte Innenverteidiger Patrik Gauthier mit einem beherzten Fernschuss den Gästetorhüter Otto Keller - ein Zeichen: Heute wird geschossen, nicht gerechnet. Nur fünf Minuten später waren die Hausherren erfolgreich. Philip Demers zog auf rechts vorbei, passte scharf in den Strafraum, und Aaron Long hielt einfach den Fuß hin - 1:0, 9. Minute.

"Philip hat mir den Ball fast auf den Schuh tätowiert", grinste Long später. "Da nicht zu treffen, wäre grob fahrlässig gewesen."

Doch Wettingen antwortete clever. Nach einer halben Stunde wurde es unruhig im Saviese-Strafraum. Martin Göbel spielte einen Zuckerpass in die Tiefe, Berndt Arnold verwertete eiskalt zum 1:1 (33.). "Da waren wir kurz im Tiefschlaf", gab SC-Trainer Müller (Saviese) nach dem Spiel zu. "Vielleicht lag’s an der Pause, die wir uns schon in der 33. Minute gegönnt hatten."

Es war ein ausgeglichenes Spiel bis zur Halbzeit, auch wenn Saviese mit 51,5 Prozent Ballbesitz und 15:7 Torschüssen leicht die Nase vorn hatte. Beide Teams zeigten eine ausgeglichene, fast spiegelbildliche Taktik - "balanced", wie es im modernen Fußballsprech heißt. Nur die Umsetzung unterschied sich am Ende gewaltig.

Die zweite Halbzeit begann mit viel Tempo. Luca Blum scheiterte noch in der 46. Minute knapp, aber es war der Auftakt zu einer furiosen Schlussphase. In der 69. Minute zirkelte eben jener Blum nach feinem Zuspiel von Marwin Feldmann den Ball ins lange Eck - 2:1. Das Stadion vibrierte. Während die Wettinger Fans noch murmelten, fiel zwei Minuten später das nächste Tor. Wieder Long, wieder eiskalt. 71. Minute, 3:1.

"Da hatte ich das Gefühl, wir spielen jetzt mit zwei Bällen", fluchte Wettingens Trainer nach dem Abpfiff. "Einen hatten wir, den anderen hat Long behalten."

Spätestens in der 82. Minute war der Widerstand der Gäste gebrochen. Long schnürte den Dreierpack - und hatte noch genug Luft, um in Richtung Tribüne zu winken. "Ich wollte nur meiner Oma sagen, dass sie jetzt heimgehen kann, das Spiel ist durch", witzelte er in der Mixed Zone.

Wer die Statistik liebt, kam auch auf seine Kosten: Saviese mit 15 Abschlüssen aufs Tor, Wettingen mit 7. Die Gastgeber gewannen über die Hälfte ihrer Zweikämpfe (54,4 Prozent) und wirkten dabei nie überdreht. Nur Didier Köhler und Pascal Moritz holten sich Gelb ab - beide eher aus übertriebener Leidenschaft als aus Bosheit.

Kurzzeitig versuchte Wettingen, mit langen Bällen die Abwehr zu knacken. Doch Innenverteidiger Gauthier und Torwart Bruno Max hielten den Laden dicht. "Ich hatte mehr Schweiß als Arbeit", lachte der Keeper. "Aber lieber so als andersrum."

Das Publikum honorierte die Vorstellung mit stehenden Ovationen. 4997 Zuschauer, die sich an einem Frühlingsabend in Saviese bestens unterhalten fühlten - nicht zuletzt, weil das Heimteam auch spielerisch überzeugte. Ein Kurzpassspiel, das phasenweise an höhere Ligen erinnerte, gepaart mit einem Stürmer, der den Unterschied machte.

"Wir haben heute gezeigt, dass wir nicht nur laufen, sondern auch denken können", sagte Trainer Müller mit einem Schmunzeln. "Und Aaron Long hat wohl beschlossen, sein eigenes Torfestival zu eröffnen."

Wettingen dagegen wirkte nach dem Schlusspfiff ratlos. Kapitän Göbel fasste es trocken zusammen: "Vier Chancen, vier Gegentore - das ist eine Effizienz, die wir uns wünschen würden."

Saviese darf also weiter träumen. Mit diesem Sieg am 29. Spieltag der 4. Liga Schweiz (2. Div) festigt das Team seine Position im oberen Tabellenmittelfeld - und beweist einmal mehr, dass auch in den unteren Ligen Fußball mit Witz, Wille und einer Prise Wahnsinn gespielt wird.

Oder, um Aaron Long zu zitieren: "Manchmal läuft’s einfach. Und wenn’s läuft, dann richtig."

Es lief. Und wie.

11.05.644000 01:33
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