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Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die selbst Drehbuchautoren für zu unglaubwürdig halten würden. Der Samstagabend in Den Bosch war so einer: 32.000 Zuschauer sahen ein Spiel, in dem der SC Den Bosch mit 3:2 gewann - obwohl die Gäste aus Eindhoven gefühlt bei jedem Windstoß aufs Tor schossen. Am Ende standen 22 Torschüsse der PVC-Offensive sechs Den-Boscher Versuchen gegenüber. Doch wer die Tore macht, hat recht. Und das waren diesmal die Hausherren. Bereits nach zwölf Minuten ging der SC in Führung. Vincent Antonio, der 32-jährige Dauerbrenner im blauen Trikot, nahm eine halbhohe Flanke von links und drosch sie humorlos unter die Latte. "Ich habe gar nicht gesehen, dass der Torwart noch da war", grinste Antonio später. "Ich wollte nur das Tornetz ein bisschen aufwecken." Das Netz vibrierte, das Stadion tobte - aber Eindhoven blieb unbeeindruckt. PVC-Coach Markus Frey hatte seine Mannschaft auf Angriff getrimmt, offensiv, über die Flügel, mit starkem Körpereinsatz - und seine Stürmer hielten sich genau daran. In der 38. Minute belohnte sich Otto Pederson für seine unermüdlichen Sprints. Der 23-Jährige traf nach einer butterweichen Hereingabe von Jacques Diarra zum Ausgleich. "Ich hab’ eigentlich nur die Augen zugemacht", gestand Pederson, "und gehofft, dass der Ball mich findet." Tat er. 1:1 zur Pause. In der Kabine des SC Den Bosch soll es laut geworden sein. Trainer und Taktikblätter sind zwar nicht überliefert, aber man munkelt, dass ein paar Wasserflaschen kreative Flugbahnen ausprobierten. Jedenfalls kam die Mannschaft entschlossen aus der Halbzeit. Nur Sekunden nach Wiederanpfiff (46.) traf der 19-jährige Gotthard Van Tessel - sein erstes Profitor! - nach Vorarbeit von Antonio zum 2:1. Der Youngster rannte jubelnd zur Eckfahne, stolperte fast, fing sich aber noch rechtzeitig, um vom Publikum gefeiert zu werden. "Ich wollte eigentlich ein Salto machen", sagte er später verlegen, "aber meine Mutter schaut immer zu - sie mag das nicht." Und als Eindhoven noch versuchte, seine Ordnung zu finden, legte Den Bosch nach. Wieder war es Antonio (53.), diesmal auf Vorlage von Ezequiel Pena, der eiskalt einschob. 3:1 - und das Stadion stand Kopf. Doch wer nun dachte, Eindhoven würde einpacken, kannte Markus Frey nicht. Der Trainer wechselte früh und oft, musste allerdings in der 42. Minute den erst 17-jährigen Gerrit Coster verletzungsbedingt vom Feld nehmen. "Das war bitter", erklärte Frey, "der Junge hat mehr Herz als Bartwuchs." Trotzdem stürmten die Gäste weiter - und wurden immerhin noch einmal belohnt: Teo Males traf in der 68. Minute nach Vorlage von Ronny Arens zum 3:2. Was folgte, war ein wilder Sturmlauf auf das Tor von Hans Wendell, dem Den-Boscher Keeper. Eindhoven drückte, schoss, flankte, rannte - und verzweifelte. Mal war der Pfosten im Weg, mal eine Den-Boscher Wade, mal Wendells Handschuh. In der Nachspielzeit (94.) versuchte es sogar Diego Henriquez aus 25 Metern - aber es blieb beim 3:2. Während die Gäste ratlos auf dem Rasen saßen, feierte Den Bosch ausgelassen. "Fußball ist keine Mathematik", sagte Antonio mit einem Augenzwinkern in die Kameras. "Wenn es so wäre, hätte Eindhoven heute 7:3 gewonnen." Trainer Frey hingegen blieb gefasst: "Wir haben 22 Mal aufs Tor geschossen. 20 Mal war’s knapp daneben, einmal drin - und einmal wurde’s gefährlich für die Eckfahne." Dann grinste er. "Vielleicht üben wir nächste Woche einfach, weniger schön zu spielen." Statistisch gesehen war Eindhoven das dominierende Team: mehr Schüsse, mehr Zweikämpfe gewonnen, fast gleich viel Ballbesitz (47 zu 53 Prozent). Aber die Tore zählen, und die machte Den Bosch - mit Effizienz, Routine und einer gehörigen Portion Glück. Zum Schluss noch eine Szene, die sinnbildlich für den Abend stand: In der 95. Minute startet der junge Van Tessel einen letzten Sprint, zieht ab - und zwingt PVC-Keeper Fotios Siontis zu einer Glanzparade. Der Ball landet im Seitenaus, Schlusspfiff. Van Tessel klatscht Antonio ab, der ruft ihm zu: "Siehst du, Junge, das war der schönste Nichttreffer des Tages." So gewann Den Bosch ein Spiel, das statistisch kaum zu gewinnen war. Vielleicht sollte man in Eindhoven künftig ein neues Motto an die Kabinenwand hängen: "Wer trifft, hat recht." Ein Spiel für Liebhaber des Absurden - und ein Beweis, dass Fußball manchmal einfach keine Gerechtigkeit kennt. Aber wer braucht schon Gerechtigkeit, wenn man 90 Minuten Drama serviert bekommt? 13.06.644000 08:22 |
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