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43411 Zuschauer im Fyn-Stadion bekamen an diesem warmen Juniabend alles, was der Fußball zu bieten hat: Tore, Emotionen, Gelbe Karten und einen jugendlichen Helden, der vermutlich noch gar keine richtige Rasierklinge besitzt. SC Fyn bezwang Gentofte-Vangede mit 3:2 (2:1) - ein Ergebnis, das knapper klingt, als es sich über weite Strecken anfühlte. Von der ersten Minute an brannte Fyn-Trainer Luis Pinheiro ein offensives Feuerwerk ab. "Wir wollten zeigen, dass wir zu Hause keine Angst vor irgendwem haben", grinste er später mit einem Blick, der verriet, dass er das vermutlich auch gegen Real Madrid gesagt hätte. Sein Team startete mit einer taktischen Ausrichtung, die man nur als "Attacke mit Stil" bezeichnen kann: offensiv, aggressiv, aber mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks. 13 Torschüsse belegen das eindrucksvoll. Bereits in der 7. Minute prüfte Egil Sommer den Gästetorwart Marijo Hrgovic - noch ohne Erfolg, aber mit der Entschlossenheit eines Mannes, der sein Frühstück vergessen hat. Die Angriffe rollten weiter, und in der 24. Minute war es dann soweit: Milos Hasa, der 33-jährige Routinier auf der rechten Seite, vollendete eine Vorlage von Sommer eiskalt. 1:0 für Fyn. Hasa, sonst eher der Typ stiller Schaffer, zeigte nach dem Treffer eine Jubelgeste, die irgendwo zwischen ekstatisch und "Ich hab’s euch doch gesagt" lag. Nur neun Minuten später wurde das Stadion endgültig zum Tollhaus. Oscar Stack, gerade einmal 18 Jahre alt, marschierte über links, bekam den Ball von Alexander Cantwell und schweißte das Leder unhaltbar in den Winkel. Sein erstes Profitor - und was für eins. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Stack später und grinste schüchtern, während seine Mitspieler ihn mit leichten Ohrfeigen feierten. Doch Gentofte-Vangede wäre nicht Gentofte-Vangede, wenn sie nicht wenigstens kurzzeitig an den Ausgleich geglaubt hätten. Nur eine Minute nach Stacks Treffer verkürzte Linus Nmecha auf 2:1, nach schöner Vorarbeit des jungen Lars Schmidt. Trainer Hans Meier brüllte jubelnd an der Seitenlinie, als wäre das der Siegtreffer gewesen. "Da waren wir kurz wieder dran", meinte er später, "aber Fyn hatte heute einfach zu viel Wumms." Nach der Pause blieb es temporeich, die Gäste kamen mutiger aus der Kabine. Josef Malgin, der rechte Verteidiger, stürmte in der 54. Minute einfach mal selbst nach vorne - und traf! 2:2. Ein Tor, das man so nicht jeden Tag sieht: rechts hinten gestartet, die Abwehr überlaufen, ein Doppelpass mit Jannik Johansson - und dann der Schuss ins Glück. "Ich wusste gar nicht, dass ich das kann", lachte Malgin nach dem Spiel. Doch Fyn schlug zurück. Und wie! In der 82. Minute, als sich schon alle auf ein Unentschieden geeinigt hatten, zauberte Alexander Cantwell einen Pass in den Lauf von Malik Özmen. Der nahm Maß, die Luft hielt kurz den Atem an, und dann zappelte der Ball im Netz. 3:2 - das Stadion explodierte. Özmen, kurz zuvor noch mit Gelb verwarnt, rannte jubelnd zur Kurve. "Ich hab’s mit links probiert, weil rechts schon müde war", sagte er danach augenzwinkernd. Gentofte warf in den letzten Minuten alles nach vorne, wechselte jung und wild - Jannik Fisker kam für Christian Willoughby - doch Fyns Defensive um Espen Molgaard hielt stand. Der Innenverteidiger, sonst eher unauffällig, sah in der 64. Minute Gelb, blockte aber später gleich zwei Schüsse mit dem Mut eines Mannes, der keine Angst vor blauen Flecken kennt. Statistisch gesehen war es ein Duell auf Augenhöhe: 50,8 Prozent Ballbesitz für Fyn, 49,2 für Gentofte - doch die Qualität der Chancen machte den Unterschied. "Wir waren nicht schlechter", beharrte Hans Meier nach dem Spiel, "aber sie hatten einfach mehr Ideen, und ihre Ideen sind auch reingegangen." Luis Pinheiro hingegen zeigte sich zufrieden - und ein wenig philosophisch: "Manchmal musst du nicht der Schönste auf dem Platz sein, nur der mit den drei Toren." Am Ende bleibt ein verdienter Sieg für SC Fyn, ein Spiel voller Tempo, Technik und jugendlicher Unbekümmertheit. Und für Oscar Stack wohl der Beginn einer langen Karriere - wenn er denn nächste Woche seine Matheprüfung besteht. In Fyn darf weiter geträumt werden, und wer weiß - vielleicht war dieser 7. Spieltag der Moment, an dem aus einer guten Mannschaft ein Spitzenteam wurde. Gentofte-Vangede hingegen fährt mit erhobenem Kopf nach Hause. Und vielleicht mit dem Gedanken: "Beim nächsten Mal treffen wir sie an einem Tag, an dem sie nicht alle wach sind." 27.12.644002 23:35 |
Sprücheklopfer
Je länger ich darüber nachdenke, desto definitiver stehe ich nicht zur Verfügung.
Franz Beckenbauer