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Papenburg - Es war ein Montagabend, der in Papenburg wohl noch lange erzählt werden wird - vorzugsweise in übersteigertem Tonfall. Der SC Papenburg lag zur Pause gegen Osnabrück scheinbar aussichtslos mit 1:3 hinten, triumphierte am Ende aber mit 4:3 und zeigte dabei eine zweite Halbzeit, die irgendwo zwischen Fußballmärchen und kollektiver Verzweiflungstherapie lag. Vor 37.351 Zuschauern im prall gefüllten Stadion begann der Abend aus Sicht der Gastgeber eher ernüchternd. Schon nach acht Minuten traf Osnabrücks Stürmer Liam Wahl zur Führung - natürlich eiskalt, natürlich nach einem dieser Pässe, die Verteidiger in Albträumen verfolgen. Und als derselbe Wahl in der 27. Minute das 2:1 nachlegte und Marco Richter kurz vor der Pause (41.) gar auf 3:1 erhöhte, schien der Drops gelutscht. "Ich hab in der Kabine gesagt: Wenn ihr schon untergeht, dann bitte mit Musik", erzählte Papenburgs Trainer Frank Helmbrecht später und grinste schief. Dabei hatte Christopher Bridges in der 15. Minute noch für den zwischenzeitlichen Ausgleich gesorgt - schön herausgespielt über Leandro Eusebio, direkt, schnell, fast zu elegant für die sonst recht rustikale Anfangsphase. Doch Osnabrück blieb das zielstrebigere Team, kam zu 13 Torschüssen in der Partie und nutzte seine körperliche Überlegenheit in den Zweikämpfen (52 Prozent gewonnene Duelle). Papenburg dagegen wirkte bis zur Pause wie eine Mannschaft, die zwar 58 Prozent Ballbesitz hat, aber nicht so recht weiß, was sie damit anfangen soll. Dann kam die zweite Halbzeit - und mit ihr eine Wandlung, die selbst Drehbuchautoren als zu kitschig abgelehnt hätten. Erst Julian Andrade in der 62. Minute, nach feinem Zuspiel von Rui Garcia, dann nur sechs Minuten später Julien Hubbert, der den Ball aus 20 Metern ins lange Eck zirkelte - plötzlich stand es 3:3. "Ich dachte, der Ball fliegt in den Kanal", lachte Hubbert später, "aber offenbar war der Wind heute auf unserer Seite." Osnabrück taumelte, Papenburg drückte. Trainer Baumann reagierte, brachte den jungen Raphael Varane (17) für den müden Dirk Mai, später auch Ralph Wirth (19) für den zweifachen Torschützen Wahl - ein Wechsel, der mehr nach Zukunftsplanung als nach Ergebnisrettung aussah. "Wir wollten frischen Wind bringen", erklärte Baumann nachher, "aber Papenburg hat uns schlichtweg überrollt." Und so kam, was kommen musste: In der 78. Minute drehte Rui Garcia die Partie endgültig. Nach einem Doppelpass mit Tristan Middag schob der 24-Jährige trocken ins untere Eck - das 4:3, die Explosion im Stadion, Bierdusche inklusive. Helmbrecht, sonst eher der sachliche Typ, rannte die Seitenlinie entlang und brüllte etwas, das nach "Das ist Papenburg!" klang, während der vierte Offizielle vorsorglich einen Schritt zurückwich. Die Schlussphase? Ein einziges Nervenbündel. Osnabrück warf alles nach vorne, hatte in der 89. Minute noch eine Riesenchance durch den 17-jährigen Varane - doch Papenburgs Keeper Miguel Tiago parierte mit der Gelassenheit eines Mannes, der wusste, dass heute nichts mehr schiefgehen konnte. Statistisch gesehen war das Spiel ein Lehrbuchbeispiel dafür, dass Zahlen nicht alles erzählen. Osnabrück hatte mehr Schüsse (13:10), eine bessere Zweikampfquote, sogar mehr Ecken. Aber Papenburg hatte Mut, Wut - und offenbar ein Händchen für die Dramaturgie. "In der Pause hat keiner an eine Wende geglaubt", gab Kapitän Lockwood zu. "Aber dann hat Rui auf Portugiesisch irgendwas von ’Ehre’ geschrien - und plötzlich liefen wir alle, als wäre die Hölle hinter uns her." Trainer Helmbrecht lobte anschließend den "Charakter der Mannschaft", während sein Gegenüber Baumann eher in die Zukunft blickte: "Wir haben eine junge Truppe, die darf auch mal Lehrgeld zahlen. Leider war’s heute eine ganze Monatsmiete." Am Ende blieb die Erkenntnis, dass Fußball in Papenburg offenbar ein anderes Schwerkraftgesetz kennt. Wer 1:3 hinten liegt und trotzdem gewinnt, darf sich feiern lassen. Die Fans taten das lautstark, einige sangen noch lange nach Abpfiff auf den Rängen - und vermutlich auch noch auf dem Heimweg. "Ich weiß nicht, ob das schön oder verrückt war", sagte Siegtorschütze Garcia zum Abschied. "Aber ich weiß, dass ich morgen heiser bin." Und so ging ein Spiel zu Ende, das eigentlich schon entschieden war - bis Papenburg beschloss, dass entschieden langweilig ist. 06.04.644000 10:43 |
Sprücheklopfer
Was? Wie? Ich? Moment mal. Ich ruf mal eben meinen Anwalt an und frag, ob ich das sagen darf.
Mario Basler auf die Frage eines Journalisten, ob er den Schiedsrichter einen 'Sack' genannt hat