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Ein Mittwochabend in Papenburg, Flutlicht, 38.239 Zuschauer - und ein Fußballspiel, das man so schnell nicht vergisst. Der SC Papenburg hat am 28. Spieltag der 1. Liga Deutschland den SV Rohrbach mit 3:2 (1:2) niedergerungen. Es war ein Abend voller Wendungen, Emotionen und jener Momente, bei denen die Trainer gleichzeitig altern und jubeln. Dabei sah es lange gar nicht nach einem Papenburger Sieg aus. Rohrbach begann mit der Aggressivität eines Hornissenschwarms. Bereits nach einer halben Stunde hatte Georg Lindner vorne drei Mal gefährlich abgezogen, während Papenburgs Keeper Miguel Tiago sich früh warm fangen durfte. In der 38. Minute dann die verdiente Führung für die Gäste: Carl Rodriguez vollendete eine sehenswerte Kombination über Innenverteidiger Joschua Seifert - ja, richtig gelesen, der Innenverteidiger stand da plötzlich im gegnerischen Strafraum. Trainer Maik Kuntz grinste später: "Das war so nicht geplant, aber wenn er schon da ist, darf er auch mal mitspielen." Papenburg wirkte kurz geschockt, fing sich aber rechtzeitig. In der 44. Minute schlug Julian Andrade zu, nach feiner Vorarbeit von Julien Hubbert. Ein klassischer Andrade-Treffer - wuchtig, trocken, mit jener Entschlossenheit, die man sonst nur beim letzten Stück Pizza auf dem Mannschaftsabend sieht. "Ich hab einfach draufgehalten, weil ich keine Lust auf Halbzeitansprache hatte", witzelte Andrade danach. Doch die Freude währte ganze 60 Sekunden. Direkt im Gegenzug traf Rohrbachs Georg Lindner nach Pass von Hermann Hoffmann zum 2:1. Der Papenburger Anhang verstummte, während Trainer Helmbrecht am Spielfeldrand die Wasserflasche eindrucksvoll in zwei Hälften trat. "Ich wollte eigentlich nur den Deckel abschrauben", erklärte er später mit einem Grinsen. Nach der Pause veränderte sich das Bild: Papenburg übernahm die Kontrolle, hatte mehr Ballbesitz (53,9 Prozent) und ließ den Ball nun laufen, als hätten sie das Kurzpassspiel neu erfunden. Rohrbach dagegen verlor nach einer Gelben Karte für Tom Berndt (56.) und dessen anschließender Verletzung (57.) etwas die Ordnung. Der unglückliche Linksverteidiger wurde unter Applaus ersetzt - "Ich spürte, dass das heute nicht mein Abend wird", gab Berndt später zu. In der 61. Minute dann auch bei Papenburg Verletzungspech: Nevio Butragueno musste raus, Günter Franke kam. Doch statt Unsicherheit zeigte die Mannschaft Moral. Und dann kam der große Auftritt des Mannes des Abends: Tristan Middag. Zunächst in der 67. Minute - ein strammer Schuss nach Vorarbeit von Leandro Eusebio, unhaltbar für Rohrbachs Keeper Heinz Heise. 2:2, das Stadion tobte. Nur fünf Minuten später wieder Middag, diesmal nach feinem Zuspiel von Rui Garcia. 3:2! Binnen fünf Minuten hatte der rechte Mittelfeldmann das Spiel gedreht und sich in die Herzen der Fans geschossen. "Ich dachte, ich träume. Dann hat mich Christopher Bridges am Ohr gezogen - da wusste ich, es ist echt", lachte Middag nach Schlusspfiff. Rohrbach warf in der Schlussphase alles nach vorne, brachte mit Kurt Roth und später Markus Jaeger frische Kräfte. 15 Torschüsse hatten die Gäste am Ende zu verzeichnen, aber der Ball wollte nicht mehr ins Netz. Papenburg verteidigte mit Herz, Verstand und gelegentlich auch mit Glück. Als in der 87. Minute Georg Lindner noch einmal aus spitzem Winkel abzog, hielt Tiago den Ball fest - und die drei Punkte gleich dazu. "Wir haben zu Beginn zu brav gespielt", meinte Papenburgs Coach Frank Helmbrecht nach dem Spiel. "In der Kabine hab ich dann gesagt: Jungs, wir spielen zu Hause, nicht im Bewerbungsgespräch." Seine Worte fruchteten offenbar. Kollege Maik Kuntz dagegen wirkte gefasst: "Wenn du so viel investierst und dann mit leeren Händen dastehst, tut’s weh. Aber das war Fußball pur - mit allem, was dazugehört." Statistisch betrachtet war es ein Duell auf Augenhöhe: Rohrbach mit der besseren Zweikampfquote (53,9 Prozent) und mehr Schüssen, Papenburg mit mehr Kontrolle und Effizienz. Die 38.239 Zuschauer bekamen ein Spiel, das sie so schnell nicht vergessen werden - und das den Namen "Mittags-Wunder" wohl noch öfter in den Kneipengesprächen der Stadt auftauchen lassen wird. Und so ging ein lauer Maiabend in Papenburg zu Ende, an dem Fußball wieder einmal zeigte, warum er mehr ist als 22 Männer und ein Ball. Manchmal ist es einfach ein kleines Drama mit Happy End - und einem Helden, der Tristan heißt. 29.04.644000 13:24 |
Sprücheklopfer
Der Trainer hat gesagt, wir sollen uns am Gegner festbeißen. Das habe ich versucht zu beherzigen.
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