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SC Venlo dreht das Spiel: 5:3-Spektakel gegen die Rotterdam Lords

Es war ein Freitagabend, wie ihn mancher Fußballromantiker sich nur erträumen kann - Flutlicht, 19.598 Zuschauer, acht Tore und ein Han Solo, der nach Abpfiff so grinste, als hätte er gerade das Imperium besiegt. Der SC Venlo gewann am 12. Spieltag der 2. Liga Niederlande mit 5:3 gegen die Rotterdam Lords - nach einer ersten Halbzeit, in der alles darauf hindeutete, dass es ein weiterer jener Abende werden würde, an denen Venlo sich selbst schlägt.

Schon die dritte Minute war ein Vorgeschmack auf das Chaos, das folgen sollte: Ernesto del Rio, der flinke Rechtsaußen mit der Sturmlust eines Straßenfußballers, schlenzte den Ball nach Vorlage von Gabriel Bloch ins lange Eck. 1:0. Die Fans jubelten, Bierbecher flogen, und Trainer Han Solo hob nur eine Augenbraue: "Das war so nicht im Plan - aber ich nehme’s", witzelte er später.

Doch die Lords aus Rotterdam ließen sich nicht lange bitten. In der 15. Minute zirkelte Gijs Bleecker den Ball nach einer punktgenauen Flanke von Mateo Nani ins Netz, und zwölf Minuten später brachte Nestor Villar die Gäste sogar in Führung. 1:2, und Venlo taumelte. Die Statistik sprach mit 53 % Ballbesitz und 16 Torschüssen am Ende klar für Rotterdam, aber Fußball wird bekanntlich nicht im Excel-Sheet entschieden.

In der Pause wirkte Han Solo erstaunlich gelassen. "Ich habe den Jungs gesagt: Wenn ihr schon verliert, dann wenigstens spektakulär", grinste er. Offenbar hatte jemand seine Worte zu wörtlich genommen, denn ab Minute 54 verwandelte sich das Spiel in ein rot-gelbes Feuerwerk des Offensivfußballs.

Zunächst war es Larz Swartwout, der nach einem abgefälschten Ball von Friedrich Wegner zum 2:2 traf. Zwei Minuten später legte wieder Ernesto del Rio nach, diesmal mit einem satten Schuss unter die Latte - 3:2. Das Stadion vibrierte, und selbst die Ersatzbank tanzte. "Ich dachte kurz, wir wären in einem Musical gelandet", meinte Torwart Bodil Jacobsen augenzwinkernd.

Doch Venlo hatte noch nicht genug. In der 60. Minute bediente del Rio den jungen Marco Velasquez, der mit links zum 4:2 einschob. Vier Minuten später machte Arne Lauer mit einem präzisen Distanzschuss - Vorlage Walter Merkel - alles klar. 5:2, binnen zehn Minuten hatte Venlo das Spiel komplett gedreht.

Die Lords aber gaben sich nicht kampflos geschlagen. Nestor Villar traf in der 65. Minute noch einmal, nachdem Marnix Van Tassel ihn elegant freigespielt hatte. 5:3 - und plötzlich war wieder Leben in der Bude. Doch Venlo verteidigte den Vorsprung, so gut es ging. Dass James Burton, Larz Swartwout und Sebastien Dumont sich jeweils Gelb abholten, passte ins kämpferische Bild.

"Wir haben heute wie Rebellen gespielt", meinte Han Solo nach dem Spiel mit einem Zwinkern auf seinen berühmten Namen. "Ernesto war unser Han, Marco unser Chewie - und der Rest hat einfach gehofft, dass der Falke heil durchkommt."

Rotterdams Trainer - der sich hinter verschlossenen Türen angeblich nur ein "Unfassbar, diese zweite Halbzeit" entlocken ließ - konnte kaum glauben, was passiert war. Seine Mannschaft hatte mehr Ballbesitz, mehr Schüsse und zeitweise das Spiel unter Kontrolle, doch Venlo traf in den entscheidenden Momenten.

Ernesto del Rio, der Mann des Abends mit zwei Toren und einer Vorlage, blieb bescheiden: "Ich wollte einfach Spaß haben. Wenn man Spaß hat, trifft man halt öfter." Auf die Frage, ob er das Spiel als sein bestes bezeichnete, grinste er: "Ich hoffe nicht - sonst hab ich ja nichts mehr, worauf ich hinarbeiten kann."

Die Fans feierten ihre Mannschaft noch lange nach Abpfiff. Ein älterer Herr auf der Tribüne fasste es zusammen: "Ich hab schon viele Spiele gesehen, aber so was Verrücktes selten. Erst schwitzen, dann tanzen - typisch Venlo."

Am Ende stand ein 5:3, das in keiner Statistik erklärbar ist - außer vielleicht in der Kategorie "Herzblut". Der SC Venlo zeigte, dass man auch mit weniger Ballbesitz und weniger Torschüssen (12 zu 16) ein Spiel gewinnen kann, wenn man einfach den richtigen Moment erwischt.

Han Solo verabschiedete sich schließlich mit einem Lächeln: "Wir haben heute nicht perfekt gespielt, aber episch. Und manchmal reicht das."

So blieb ein Abend, an dem Fußball wieder das war, was er sein soll - unberechenbar, emotional und ein bisschen verrückt. Wer’s nüchtern sah, verstand die Welt nicht. Wer’s mit dem Herzen sah, verstand Venlo.

18.03.643994 20:39
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Der Jürgen Klinsmann und ich, wir sind ein gutes Trio. Ich meinte: ein Quartett.
Fritz Walter Junior
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