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Es war ein lauer Frühlingsabend in Weimar, 28.822 Zuschauer drängten sich im Stadion, als Schiedsrichterin Jana Lenz das Spiel des 33. Spieltags der 2. Liga anpfiff. Und sie sollten ihr Kommen nicht bereuen - zumindest die mit grün-weißen Schals. SC Weimar zerlegte den TuS Hordel mit 2:0, ein Ergebnis, das fast schmeichelhaft für die Gäste wirkte. Von Beginn an war klar, dass hier nur eine Mannschaft Fußball spielen wollte. Schon in der vierten Minute prüfte Tomasz Dumont den Hordeler Keeper mit einem satten Schuss aus halbrechter Position. Es war der Auftakt zu einer wahren Angriffswelle. Weimar feuerte aus allen Rohren - 24 Schüsse aufs Tor, während Hordel gerade einmal auf zwei kümmerliche Versuche kam. Man hätte fast Mitleid haben können. "Ich hatte das Gefühl, wir seien in einem Handballkreis um den Strafraum", grinste SC-Coach Pino Zimmermann später. "Aber irgendwann muss der Ball ja mal rein." Der Ball wollte aber lange nicht. Walter Schreiner scheiterte in der 36. Minute per Volley, Alexander Finnan traf in der 19. Minute nur das Außennetz, und der junge Peter Zimmer, gerade einmal 18 Jahre alt, drosch in der 37. Minute aus 20 Metern einen Ball haarscharf über die Latte. TuS Hordel hingegen schien sich entschlossen zu haben, das Spiel als Lehrfilm für destruktive Abwehrarbeit zu gestalten. Trainerin Ute Finkeldy postierte ihre Elf tief in der eigenen Hälfte und hoffte auf den einen Konter. Der kam in der 27. Minute: Fynn Huber tauchte frei vor Keeper Daniel Mohr auf, doch Mohr parierte glänzend. Danach war’s das mit der Hordeler Offensivabteilung. Nach einer torlosen ersten Hälfte, in der Weimar gefühlt 80 Prozent Ballbesitz hatte (tatsächlich waren es 62,3 Prozent), brachte Zimmermann zur Pause den jungen Keeper Benjamin Wenzel - eine Maßnahme, die mehr Symbol als Notwendigkeit war. "Ich wollte zeigen, dass wir Vertrauen in unsere Jugend haben", erklärte der Trainer später. Und dann kam die 64. Minute. Wieder war es der quirlig spielende Zimmer, der den Ball mit Übersicht in die Tiefe steckte. Alexander Finnan startete, ließ seinen Gegenspieler alt aussehen und schob eiskalt ins linke Eck. 1:0 - endlich! Das Stadion explodierte. "Ich hab nur gedacht: Bitte nicht wieder Pfosten!", lachte Finnan hinterher. Sechs Minuten später machten dieselben Protagonisten den Sack zu. Zimmer leitete mit einem feinen Pass in den Strafraum ein, Finnan nahm den Ball elegant mit der Sohle mit und hämmerte ihn aus zehn Metern unter die Latte. 2:0, und der Rest war Jubel. "Peter spielt, als wäre er schon ewig dabei", lobte Zimmermann seinen jüngsten Mittelfeldmotor. TuS Hordel? Nun ja, sie versuchten, irgendwie mitzuhalten. In Minute 66 hatte der 17-jährige Joel Schumacher tatsächlich noch eine Chance, doch er schoss den Ball so weit über das Tor, dass ein Zuschauer auf der Haupttribüne scherzte: "Der sucht jetzt wohl den Ball in Jena." Später sah Schumacher auch noch Gelb, vielleicht aus Frust. Während Weimar weiter drückte und sogar der eingewechselte Timm Wegner in der 90. Minute noch einmal gefährlich abschloss, blieb Hordel harmlos. Ihre Taktik - offensive Ausrichtung auf dem Papier, aber Konter in der Praxis - ging nie auf. "Wir wollten eigentlich mutiger sein", murmelte Trainerin Finkeldy nach dem Spiel. "Aber Weimar hat uns einfach keine Luft gelassen." Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit stehenden Ovationen. Finnan wurde zum Spieler des Spiels gewählt - zwei Tore, unermüdlicher Einsatz, und dabei erst 21. "Wenn wir weiter so spielen, dann riecht’s nach Aufstieg", meinte Kapitän Luca Prinz mit einem breiten Grinsen. Die Statistiken sprechen eine deutliche Sprache: 24:2 Schüsse aufs Tor, 62 Prozent Ballbesitz, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Weimar dominierte in allen Belangen. Und selbst die Balljungen sollen sich gelangweilt haben, weil Hordel so selten in der Nähe der Eckfahnen war. Am Ende stand ein klares 2:0 (0:0), das den SC Weimar in Richtung Tabellenspitze schiebt. In der Kabine sangen die Spieler laut und falsch, während Trainer Zimmermann trocken meinte: "Ich hab lieber ein Spiel, das wir 2:0 gewinnen und 20 Chancen liegen lassen, als eins, das wir 0:1 verlieren und einmal aufs Tor schießen." Ein Abend, der zeigte: Fußball kann schön, dominant und ein bisschen frech sein - zumindest, wenn man grün-weiß trägt. 06.07.644000 14:25 |
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Ich brauche Spieler, die auf dem Platz die Rute raus holen.
Matthias Sammer