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Das Flutlicht in Papenburg glühte noch, als die 39 069 Zuschauer ein Spiel sahen, das alles hatte: Tempo, Tore, ein bisschen Chaos und am Ende einen glücklicheren SV Rohrbach. 3:2 hieß es schließlich für die Gäste, die mit jugendlicher Frechheit und kaltem Konterfuß die Punkte entführten. Dabei begann der Abend nach Maß für die Gastgeber. Schon in der 7. Minute rauschte Tristan Middag auf der rechten Seite nach vorn, bekam den Ball von Leandro Barros perfekt in den Lauf und drosch das Leder humorlos ins lange Eck. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Trainer Frank Helmbrecht später, "aber Tristan hat wohl andere geometrische Vorstellungen." Papenburg führte 1:0 - und das Stadion vibrierte. Doch wer glaubte, Rohrbach würde den Kopf hängen lassen, kennt Maik Kuntz schlecht. Der Coach des SV Rohrbach, in der Seitenlinie gewohnt unauffällig, brüllte diesmal wie ein Dirigent mit Megafon. "Weiter, Jungs, der Rasen beißt nicht!", rief er, als seine Elf sich nach vorn tastete. Der Ausgleich kam prompt: In der 22. Minute legte Simon Hübner von rechts quer, und Michael Maier - gerade mal 22 und mit der Selbstsicherheit eines Straßenfußballers - schob überlegt zum 1:1 ein. Papenburg antwortete sofort. Innenverteidiger Csaba Bene, sonst eher der Mann für rustikale Klärungen, köpfte nach einer Ecke von (wer sonst?) Middag das 2:1 (29.). Die Fans sangen, die Tribüne wogte - und dann kam wieder Maier. Noch vor der Pause (41.) fackelte er nicht lang, als der Ball von einem Abpraller vor seinen Füßen landete: 2:2. Zwei Tore, zwei kalte Duschen für Papenburgs Hintermannschaft. "Da haben wir uns ein bisschen selbst ein Bein gestellt", bekannte Heim‑Keeper Daniel Cabrera, der kurz nach der Pause verletzt runter musste. "Ich hab den Ball gesehen, aber offenbar hatte er andere Pläne." Für ihn kam Miguel Tiago, der später noch einige Glanztaten zeigte, aber den entscheidenden Treffer auch nicht verhindern konnte. In der 56. Minute schlug Rohrbachs Angriff wieder zu: Simon Hübner, der an diesem Abend eine Art menschliche Dauerflanke war, fand im Zentrum Kurt Roth. Der drehte sich einmal um die eigene Achse, schaute kurz - und traf trocken ins rechte Eck. 3:2 Rohrbach. Von da an war’s ein Spiel auf ein Tor - nämlich auf das von Rohrbach. Papenburg rannte, flankte, versuchte es mit langen Bällen (11 Torschüsse insgesamt), aber der Ausgleich wollte nicht fallen. Rohrbach konterte gefährlich (17 Schüsse) und spielte mit minimal mehr Ballbesitz (rund 51 Prozent) erstaunlich reif. Trainer Helmbrecht versuchte mit frischen Kräften - Xabier Galan kam für Julian Andrade, später Jorge Martins für den müden Middag - noch einmal alles. Doch Rohrbachs Abwehr, angeführt vom unermüdlichen Gerhard Noack, hielt stand. Einmal wurde’s brenzlig, als Christopher Bridges in der 95. Minute aus spitzem Winkel abzog - aber Keeper Heinz Heise tauchte ab wie ein Delphin auf Koffein. "Wir wollten’s erzwingen, aber manchmal erzwingt man eben gar nichts", knurrte Helmbrecht nach dem Spiel. "Vielleicht sollten wir demnächst einfach früher anfangen, Tore zu verhindern." Sein Gegenüber Kuntz grinste derweil zufrieden: "Wir haben auf Konter gesetzt, und siehe da - manchmal gewinnt nicht der, der mehr läuft, sondern der, der klüger wartet." Einziger Wermutstropfen für die Gäste: Georg Lindner musste kurz vor Schluss verletzt vom Platz. "Nur ein Schlag aufs Schienbein", winkte er später lächelnd ab, "nichts, was ein kaltes Bier nicht heilen kann." Die Zahlen erzählten am Ende eine ausgeglichene Geschichte: 49 Prozent Ballbesitz für Papenburg, 51 für Rohrbach, Zweikampfquote 47 zu 53 Prozent - aber auf der Anzeigetafel stand es 2:3. Drei Punkte, die Rohrbach im Kampf um die oberen Tabellenplätze wohl noch sehr gut gebrauchen kann. Und Papenburg? Die Nordlichter spielten mutig, manchmal zu mutig. Ein Verteidiger als Torschütze, ein Spiel voller Herz und Hektik - und am Ende die bittere Erkenntnis, dass Fußball eben kein Wunschkonzert ist. "Wir haben die Fans wenigstens gut unterhalten", meinte Csaba Bene mit einem Schulterzucken. Und das hatte er recht: Wer an diesem Aprilabend im Papenburger Stadion war, bekam ein Spektakel. Nur eben keines mit Happy End für die Gastgeber. Vielleicht tröstet sie der Gedanke, dass selbst die Statistik fast unentschieden war. Nur das Ergebnis nicht. Und das, wie man weiß, ist am Ende der einzige Wert, den die Tabelle kennt. 11.01.643997 22:47 |
Sprücheklopfer
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Toni Polster