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Es war einer dieser Abende in Pruszkow, an denen die Flutlichtmasten das Spielfeld in ein goldenes Theater verwandelten - und 40.830 Zuschauer zu Zeugen eines kleinen Fußballdramas wurden. Der SK Pruszkow besiegte Polonia Warschau mit 3:2 (1:1) und bot dabei eine Vorstellung, die irgendwo zwischen Genie, Wahnsinn und purem Überlebenswillen pendelte. Die Partie begann mit offenem Visier. Bereits nach 13 Minuten klingelte es erstmals im Kasten der Hausherren: Kacper Bosacki, der flinke Linksaußen der Gäste, nutzte ein herrlich getimtes Zuspiel von Walter Heise und schob eiskalt ein. "Ich hab nur den Fuß hingehalten", grinste Bosacki später, "der Ball wollte einfach rein." Manchmal ist Fußball eben ganz einfach - vor allem, wenn man Platz hat. Doch wer dachte, Polonia würde das Spiel nun kontrollieren, täuschte sich gewaltig. Pruszkow wachte auf wie ein Boxer nach einem Wirkungstreffer. Allen voran Amadeus Kowalik, der sich an diesem Abend in Dauerbewegung befand, als hätte er drei Espressi zu viel erwischt. In der 25. Minute wurde er von Constantin Furtok präzise bedient, drehte sich blitzschnell und drosch den Ball zum 1:1 ins Netz. Das Stadion bebte, der Stadionsprecher überschlug sich, und Trainer Stefan Petruck brüllte sein berühmtes "Weiter, Männer!" über den Platz. Bis zur Pause blieb es beim Remis, doch schon da deutete sich an: Das wird kein Spiel für schwache Nerven. Polonia hatte leicht mehr Ballbesitz (52 Prozent), Pruszkow dafür die klareren Chancen - ganze 18 Schüsse aufs Tor im Verlauf des Spiels sprechen Bände. Nach dem Seitenwechsel legten die Hausherren los wie die Feuerwehr. In der 50. Minute überraschte der junge Rechtsverteidiger Adrian Kosowski mit einem wuchtigen Schuss aus halbrechter Position. "Das sollte eigentlich eine Flanke werden", gab er nachher lachend zu. "Aber wenn der Ball rein will, soll man ihn nicht aufhalten." 2:1 für Pruszkow, die Arena kochte. Nur eine Minute später war wieder Jubel angesagt: Constantin Furtok, der unermüdliche Linksfuß, traf nach Vorlage von Jerzy Augustyn - 3:1! In der Trainerzone war Stefan Petruck kurz davor, einen Freudentanz aufzuführen, während Polonia-Coach Raimon Harwardt sich mit verschränkten Armen fragte, welches Fußballuniversum er da gerade betreten hatte. "Wir hatten den Plan, ruhig zu bleiben", seufzte er hinterher. "Leider hatte der Gegner andere Pläne." Doch Polonia gab sich nicht geschlagen. Stanislaw Wojciechowski verkürzte in der 56. Minute nach Zuspiel von Diego Guerrero auf 3:2. Die Gäste warfen nun alles nach vorn, aber Torhüter Humberto Miguel im Pruszkow-Kasten - ein unauffälliger Held - hielt, was zu halten war. Besonders sehenswert sein Reflex in der 87. Minute gegen Ferenc Sarosi, der schon zum Jubeln abdrehen wollte, ehe Miguel die Faust dazwischenwarf. Das Spiel blieb bis zur letzten Minute offen. In der Nachspielzeit hatte Polonias Dennis Karwan noch einmal die große Chance zum Ausgleich, doch sein Kopfball landete direkt in den Armen des Keepers. Danach pfiff der Schiedsrichter ab, und 40.000 Kehlen entluden sich in einem kollektiven Freudenschrei. "Ich bin stolz auf die Jungs", sagte Trainer Petruck mit heiserer Stimme. "Das war kein schönes Spiel, aber ein ehrliches." Neben ihm grinste Torschütze Kowalik: "Ich sag’s mal so: Wir hatten heute mehr Herz als Hirn - aber das reicht manchmal." Auch bei Polonia blieb der Humor nicht ganz auf der Strecke. "Wir haben offensiv gespielt - vielleicht ein bisschen zu offensiv", meinte Harwardt trocken, "nächstes Mal nehme ich wohl den Busfahrer als zusätzlichen Verteidiger mit." Die Statistik unterstreicht, wie eng es wirklich war: 18 zu 13 Torschüsse, fast ausgeglichene Zweikampfwerte und ein Ballbesitz mit minimaler Warschauer Überlegenheit. Doch am Ende zählte nur das, was auf der Anzeigetafel stand: 3:2. SK Pruszkow klettert mit diesem Sieg weiter nach oben und bewies vor heimischer Kulisse, dass Leidenschaft manchmal mehr wert ist als Taktiktafeln und Ballbesitzdiagramme. Und wer dabei war, wird sich noch lange an diesen Abend erinnern - an Kowaliks Jubel, Kosowskis Flanken-Tor und die 90 Minuten, in denen der Fußball wieder einmal zeigte, warum man ihn so liebt. Oder, wie ein älterer Fan beim Ausgang sagte: "Ich hab schon viele Spiele gesehen - aber so ein schönes Chaos wie heute, das war ein Gedicht." 07.03.643994 07:23 |
Sprücheklopfer
Wer am Samstag nicht so läuft, wie ich mir das vorstelle, der kann ja am Sonntag noch laufen.
Werner Lorant