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SK Pruszkow ringt Wista Plock nieder - und jubelt in letzter Sekunde

Manche Spiele schreibt das Schicksal mit einem besonders spitzen Bleistift. Am 7. Spieltag der 1. Liga Polen gewann SK Pruszkow am späten Dienstagabend mit 2:1 (0:1) gegen Wista Plock - und das nach einem Drehbuch, das selbst Netflix als "zu kitschig" abgelehnt hätte. 34.690 Zuschauer im Pruszkower Stadion erlebten einen Abend zwischen Verzweiflung, jugendlichem Übermut und der süßen Rache des Fußballs.

Wista Plock, das Team des kanadischen Trainers Bryan Adams - ja, der Name sorgte schon beim Einlaufen für Schmunzeln, als ein paar Fans "Everything I do, I do it for you" anstimmten - begann kontrolliert, abgeklärt, mit 62 Prozent Ballbesitz und der Routine eines Teams, das schon alles gesehen hat. Und tatsächlich: Nach 19 Minuten belohnte sich der Favorit. Jozsef Bene, der 33-jährige Rechtsaußen, traf nach Vorarbeit von Krzysztof Zdebel eiskalt ins linke Eck. Heimtorwart Humberto Miguel flog hübsch, aber vergeblich.

"Da dachte ich, das wird heute ein langer Abend", gab Pruszkow-Trainer Stefan Petruck später zu. "Wir sahen aus wie Schüler gegen Erwachsene - und das waren wir im Grunde auch." Kein Witz: Der Altersschnitt des Heimteams lag bei 19,3 Jahren.

Doch Petrucks Teenager ließen sich nicht einschüchtern. Der 17-jährige Julian Gama und der 18-jährige Robert Lewandowski (nein, nicht der Bayern-Star, sondern ein Namensvetter mit ähnlicher Torlust) kombinierten sich mutig durchs Mittelfeld. In der 33. Minute hatte Lewandowski die erste große Chance - drüber. "Der Ball war zu leicht", grinste er später. "Oder meine Beine zu schwer."

Nach dem Seitenwechsel wurde Pruszkow mutiger. Wista Plock blieb zwar spielbestimmend - 17 Schüsse, 53 Prozent gewonnene Zweikämpfe -, doch der jugendliche Elan der Gastgeber brachte Bewegung ins Spiel. In der 49. Minute war es soweit: Gama spielte steil, Lewandowski zog aus 16 Metern ab - 1:1! Ein Tor, das das Stadion aus dem Dämmerschlaf riss. "Da ist er, der kleine Lewa!", brüllte ein Fan hinter der Pressebank, während Trainer Petruck dezent so tat, als wäre das alles Teil seines Plans gewesen.

Wista reagierte, aber nicht mit Wut, sondern mit Ungeduld. Bene prüfte Miguel mehrfach, Gancarczyk sah Gelb, und Trainer Adams wirkte zunehmend wie ein Mann, der ahnt, dass sein Abend kein Happy End bekommt. "Wir hatten das Spiel im Griff", sagte er später, "nur leider war der Ball anderer Meinung."

In der 73. Minute brachte Petruck den 17-jährigen Marek Kosecki - und traf damit die goldene Entscheidung. Der Junge rannte, als hätte er drei Red Bulls zu viel getrunken, und brachte frischen Wind über rechts. Wista zog sich zurück, verteidigte, lauerte. Dann die Nachspielzeit: 96. Minute, letzter Angriff. Kosecki flankt halbhoch in den Strafraum. Stanislaw Ogaza, 21, steigt hoch, nickt - Tor! 2:1! Das Stadion explodiert.

"Ich hab nur die Augen zugemacht und gehofft, dass keiner lacht, falls ich den Ball verfehle", gab Ogaza mit einem Grinsen zu. Trainer Petruck dagegen rannte die Linie entlang, riss die Arme hoch und schrie etwas, das wir hier aus Jugendschutzgründen nicht abdrucken.

Statistisch war das Ganze ein Paradoxon: Wista Plock hatte doppelt so viele Schüsse (17:9), dominierte fast zwei Drittel des Ballbesitzes und spielte so geduldig, dass man zeitweise den Eindruck hatte, sie warteten auf den Bus. Pruszkow dagegen war wild, direkt, über die Flügel, mit langen Bällen und viel Herz - und genau das reichte.

"Manchmal gewinnt nicht das bessere Team, sondern das mutigere", meinte Petruck süffisant. Adams konterte trocken: "Mut ist gut, aber Erfahrung hält länger. Nur heute eben nicht."

Als die Pruszkower Fans nach Schlusspfiff "Niech żyje młodość!" ("Es lebe die Jugend!") skandierten, lächelte Petruck müde. "Wenn ich morgen noch eine Stimme habe, geh ich mit ihnen feiern", sagte er.

Und während Wista Plock sich fragend die Stutzen richtete, feierte Pruszkow einen Sieg, der mehr war als drei Punkte: Es war ein Triumph der Unbekümmertheit über die Ordnung, der Energie über die Erfahrung - und, ja, auch ein bisschen des Zufalls über die Statistik.

Schlusswort? Nun - wer in der 96. Minute trifft, hat sich den Pathos verdient. SK Pruszkow, die Babys der Liga, haben gezeigt, dass man mit jugendlicher Naivität manchmal weiter kommt als mit taktischer Reife. Oder, wie Ogaza beim Rausgehen sagte: "Coach meinte, wir sollen einfach Spaß haben. Jetzt haben wir Spaß - und drei Punkte."

Endstand: SK Pruszkow - Wista Plock 2:1 (0:1). Tore: Bene (19.), Lewandowski (49.), Ogaza (96.). Zuschauer: 34.690.

31.05.643997 03:11
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Ich hatte schon vorher das Gefühl, dass die Mannschaft noch nicht reif für die Bundesliga ist. Aber dass einige Spieler so weich in der Birne sind, hätte ich nicht gedacht.
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